In Frankreich erlaubte die Präfektur Bordeaux den Bewohnern und Bewohnerinnen von drei vorsorglich evakuierten Orten, die von dem Feuer verschont blieben, die Rückkehr. Medienberichten zufolge handelt es sich um etwa 57.000 Menschen. Insgesamt waren seit vergangener Woche mehr als 220.000 Menschen aus ihren Häusern geflohen. Ab Donnerstag werden Unwetter erwartet.
Noch ist die Lage aber denkbar angespannt: In der Nacht und am Vormittag seien die Einsatzkräfte im Großraum Bordeaux gegen Brandherde vorgegangen, die in dem von dem Feuer bereits zuvor betroffenen Gelände aufflammten, teilten die Präfektur und die Feuerwehr mit.
Brände an Armeestützpunkt nahe Bordeaux
Neue Brände gab es in drei Bereichen, etwa nahe dem Armeestützpunkt Souge in der Nähe von Bordeaux. Zeitweise waren die Flammen bis auf wenige hundert Meter an den Truppenübungsplatz herangerückt, wo die Armee aber bereits vorsorglich Schneisen in das Gelände gezogen hatte.
Der 20 Kilometer von Bordeaux entfernte Stützpunkt Souge beherbergt ein Fallschirmspringerregiment mit 1.000 Soldaten, von denen einige den Spezialeinheiten angehören. Im Umkreis sind Rüstungsunternehmen angesiedelt. Rund 2.200 Feuerwehrleute sind weiterhin mit der Bekämpfung der Brände beschäftigt, die 42.000 Hektar Fläche in Mitleidenschaft gezogen haben. Mit Stand Montagnachmittag sprach das Pariser Innenministerium von frankreichweit 116.085 Hektar durch die Waldbrände zerstörter Fläche. Inzwischen wurden nach Angaben der Präfektur 126 Feuerwehrleute verletzt.
Spanien: Behörden trotz Fortschritten in Alarmbereitschaft
Auch in Spanien durften zuletzt Zehntausende in ihre Häuser zurück. Die Behörden hoben Evakuierungen und Ausgangsbeschränkungen für mehr als 20 Ortschaften auf, wie das Innenministerium mitteilte. Mehr als 50.000 Menschen in den Gebieten um die spanische Hauptstadt Madrid kehren seit Dienstagabend dank der Stabilisierung der Brandlage nach und nach in ihre Häuser zurück. Von Evakuierungen oder Ausgangsbeschränkungen sind aber noch rund 40.000 Menschen betroffen.
Bei der Bekämpfung der verheerenden Waldbrände im Westen der Region Madrid sowie in den angrenzenden Provinzen Avila und Toledo konnten die Einsatzkräfte weitere Erfolge erzielen. Am Dienstag hätten sich die Flammen nicht weiter ausgebreitet, sagte Innenminister Fernando Grande-Marlaska.
Angesichts des Beginns der vierten Hitzewelle des Sommers, die bis Sonntag anhalten soll und in den nächsten Tagen die Löscharbeiten erschweren dürfte, warnen die Behörden weiterhin vor verfrühter Entwarnung. „Die Lage entwickelt sich günstig. Wir müssen aber extrem wachsam bleiben, die nächsten zwölf Stunden werden entscheidend sein“, sagte Ministerpräsident Pedro Sanchez beim Besuch der Kommandozentrale in Navalcarnero in Madrid.
Nach Waldbränden: Verbrannte Landstriche im Osten Spaniens
Mehr als 8.500 Hektar Land sind infolge der Waldbrände in der Provinz Castellon im Osten Spaniens verbrannt. Nun bleiben lediglich verkohlte Landschaften und Häuser zurück, aus denen rund 16.000 Menschen fliehen mussten. So auch aus der Gemeinde La Vilavella.
Größter Waldbrand der jüngeren Geschichte Spaniens
Größere Sorgen bereitet nun der Waldbrand in der Provinz Castellon im Osten des Landes, wo die Flammen weiterhin außer Kontrolle sind. Im Gebiet Vall d’Uixo erfasste das Feuer bisher 9.300 Hektar Wald- und Buschland. Dort waren seit dem Wochenende insgesamt rund 16.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden, mehr als 6.000 konnten aber inzwischen in ihre Häuser zurückkehren.
Das beliebte Urlaubsland erlebt derzeit eine der verheerendsten Waldbrandserien der jüngeren Geschichte. 207.000 Hektar Fläche wurden nach offiziellen Angaben seit Jahresbeginn bereits in Mitleidenschaft gezogen.
Unterstützung bei den Löscheinsätzen erhalten Spanien und Frankreich unterdessen aus anderen europäischen Ländern. Während Rumänien und Griechenland ihre Einsätze verlängerten, käme ab Samstag weitere Hilfe aus Polen, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Außerdem kündigte Belgien das Entsenden von Wehrleuten und Löschfahrzeugen nach Frankreich an.
Feuerwehrleute starben bei Brand auf Kreta
Auch in Griechenland wüten Brände: Bei einem Waldbrand auf Kreta starben zwei Feuerwehrleute, wie am Mittwoch bekanntwurde. Der Brand wütet seit den Mittagsstunden in der Region der Ortschaft Nea Krya Vrysi. Die Region liegt im gebirgigen Hinterland im südlichen Teil der Insel. Die beiden Einsatzkräfte seien in ihrem Fahrzeug von den Flammen eingeschlossen worden, berichtete der Sender ERT News. Wegen der raschen Ausbreitung der Flammen und starker Winde wurden bereits fünf Ortschaften evakuiert.
Wegen eines weiteren Waldbrandes auf der Insel Paros brachten die hiesigen Behörden vorsorglich zahlreiche Menschen in Sicherheit. Das Feuer sei in der Nacht auf einer Mülldeponie im westlichen Teil der Insel ausgebrochen und habe sich dann durch den starken Wind in Richtung Süden ausgebreitet, sagte der stellvertretende Sprecher der Feuerwehr, Giannis Artopios, dem Sender ERT. Behörden zufolge wurden etwa zehn Ortschaften vorsorglich evakuiert. Für weite Teile des Landes warnt das Ministerium für Bürgerschutz vor sehr hoher Waldbrandgefahr in den kommenden Tagen.
Auch Türkei von Bränden betroffen
In der Türkei brach in der südwestlichen Provinz Mugla an der Ägäis ein Waldbrand aus. Deshalb mussten ein lokales Krankenhaus und Wohngebiete evakuiert werden. Rund 200 Menschen waren betroffen. Ebenfalls betroffen ist das südtürkische Antalya. Weil die Brände Wohngebiete erreichten, wurden vorsorglich einige Personen in Sicherheit gebracht. Einige der im Zuge der Evakuierung geräumten Häuser brannten nieder. Wie die örtlichen Behörden mitteilten, herrschte in der Region starker Wind, und die Gefahr bestehe, dass sich das Feuer ausbreite.
Die angrenzenden Tourismuszentren Adrasan und Olympos wurden aufgrund des Feuers für den Verkehr gesperrt. Außerdem wurden Brände in den Provinzen Balikesir, Kütahya, Canakkale und Yalova gemeldet, die im Westen der Türkei südlich von Istanbul liegen.