Die Ukraine ist in der Nacht wieder zur Zielscheibe einer starken Angriffswelle des russischen Militärs geworden. Städte bis im weit von der Grenze entfernten Westen des Landes seien mit Dutzenden Raketen und Marschflugkörpern sowie Hunderten Drohnen attackiert worden, berichteten ukrainische Medien. Es gebe mindestens acht Tote und mehr als 30 Verletzte.
„Dutzende gewöhnliche Wohnhäuser, zivile Unternehmen und Infrastruktureinrichtungen wurden zerstört und beschädigt“, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Russland habe mehr als 70 Marschflugkörper und Raketen, darunter ballistische, eingesetzt. „Hinzu kamen über 280 Angriffsdrohnen. Mehr als 260 Drohnen konnten zerstört werden“, so Selenskyj.
Kampfflugzeuge konnten nach seiner Darstellung eine beträchtliche Anzahl von Marschflugkörpern abschießen. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Zugleich verwies Selenskyj erneut auf den „kritischen Mangel“ an Raketen für die Luftabwehr und forderte die Verbündeten – wie zuletzt immer wieder – zur Lieferung der Waffen auf.
Erneut Angriffe auf Wildberries
Russland bestätigte unterdessen die Angriffe. Man habe Ziele in der ganzen Ukraine angegriffen, hieß es vom Verteidigungsministerium in Moskau. Darunter seien die Städte Kiew, Lwiw und Dnipropetrowsk, Ziel seien militärische Einrichtungen gewesen. Auch drei Frachtschiffe, die Waffen und militärische Ausrüstung transportiert hätten, seien in der Nähe der Hafenstadt Odessa beschossen worden.
Russland gab zudem an, in der Nacht 258 ukrainische Drohnen abgefangen zu haben. Der russische Onlinehändler Wildberries teilte mit, in seinem Logistikzentrum in Sarapul in der russischen Oblast Udmurtien sei nach einem Drohnenangriff ein Feuer ausgebrochen. Auch ein Lager in der westrussischen Stadt Pensa sei nach einem Drohnenangriff in Brand geraten, hieß es aus der Region.
Ukraine: Russische Tanker angegriffen
Das ukrainische Militär gab an, vier russische Tanker im Schwarzen und im Asowschen Meer angegriffen zu haben. Die Tanker seien getroffen worden, teilte der Kommandant der Drohneneinheiten, Robert Browdi, auf Telegram mit.
In den vergangenen drei Wochen seien insgesamt 205 Tanker getroffen wurden – 130 im Asowschen und 75 im Schwarzen Meer. Das Asowsche Meer ist ein Seitenmeer des Schwarzen Meeres und mit diesem über die Straße von Kertsch verbunden.
Berichte: Getreideterminal schwer getroffen
Einem Insider zufolge griff die Ukraine ein Getreideterminal im südrussischen Hafen Taman an. Es sei „erheblicher Schaden“ an der Einrichtung entstanden, sagte ein Insider der Agrarbranche. Russland ist – wie auch die Ukraine – einer der wichtigsten Getreideexporteure der Welt.