„Die Angriffe sind eine kraftvolle Reaktion auf die gestrigen iranischen Angriffsversuche auf im Nahen Osten stationierte US-Streitkräfte“, erklärte Centcom am Mittwoch. Das Regionalkommando hatte am Dienstag bekanntgegeben, dass der Iran einen „Überraschungsangriff“ auf US-Streitkräfte in der Region versucht habe. Dieser sei aber abgewehrt worden.

Örtliche Medien im Iran meldeten Explosionen im Süden des Landes. Die der Revolutionsgarde nahestehende Nachrichtenagentur Fars berichtete über Angriffe auf der Insel Keschm in der Straße von Hormus sowie in der Provinz Buschehr.

Iran meldet drei Tote

Die Nachrichtenagentur Fars meldete unter Berufung auf die Medizinische Universität Hormosgan drei Tote auf Keschm. Es handle sich um drei Mitglieder einer Familie: den Vater, die Mutter und ihr zweijähriges Kind, zwei weitere Kinder seien verletzt worden. Unabhängig können die Angaben nicht überprüft werden.

Außerdem trafen die US-Angriffe der iranischen Nachrichtenagentur IRNA zufolge Gebiete um die Städte Abadan, Schadegan, Arwand Kenar und Ahwas in der Region Chusestan. Laut Centcom wurden unter anderem militärische Kommandozentralen, Raketen- und Drohnenanlagen sowie Küstenüberwachungs- und Verteidigungsanlagen bombardiert. Die Angriffswelle sei inzwischen „erfolgreich“ beendet.

Jordanien: Fünf Raketen abgeschossen

Nach Centcom-Angaben zielten die Angriffe darauf ab, „die Bedrohungen, die vom Iran und seinen Stellvertretern für die amerikanischen Streitkräfte, die Handelsschifffahrt und die Nachbarländer am Persischen Golf ausgehen“, weiter zu verringern.

Das jordanische Militär teilte unterdessen mit, fünf Raketen aus dem Iran abgeschossen zu haben. Die Luftabwehr habe die Raketen, die Jordanien zum Ziel gehabt hätten, „abgefangen und abgeschossen“, erklärte ein Sprecher der jordanischen Armee am Donnerstag. Opfer seien nicht verzeichnet worden. Kuwait meldete ebenfalls einen iranischen Angriff auf ein Gebäude im Norden des Golfstaats, nach Regierungsangaben sei ein Arbeiter getötet worden.

In der Straße von Hormus mussten iranischen Angaben zufolge unterdessen zwei Öltanker umkehren, nachdem einer von ihnen in Brand geraten sei. Die Tanker hätten – „ermutigt durch US-Flugzeuge“ – versucht, „die Straße von Hormus über die unsichere südliche Route zu verlassen“, erklärte die iranische Revolutionsgarde. „Nachdem auf einem von ihnen ein großer Brand ausgebrochen war, kehrten beide Schiffe schnell um.“

Trump drohte mit „harter“ Reaktion

US-Präsident Trump hatte zuvor wegen der neuen iranischen Angriffe mit einer „harten“ Reaktion gedroht, wie der Sender Fox News berichtete. Ein Journalist des Senders zitierte den Präsidenten am Mittwoch mit den Worten: „Wir werden sie hart treffen. Sie werden Prügel kassieren.“

Trump sei über die verfahrene Lage in dem Konflikt „verärgert“, zitierte der US-Sender NBC News einen US-Beamten. Trump habe wohl nicht damit gerechnet, dass es so schwierig sein würde, die Iraner zu einer Einigung zu bewegen, hieß es. Trumps Sicherheitsberater könnten sich nicht auf eine Strategie einigen, zitierte der Sender seine Quellen.

„WSJ“: Option für zweiwöchige Angriffe

Nach Informationen des „Wall Street Journal“ („WSJ“) arbeitete Centcom-Kommandeur Brad Cooper eine Option für zehn- bis 14-tägige intensive Luftangriffe zur Schwächung der iranischen Raketenkapazitäten aus.

Trump könne sich entweder für Coopers Option entscheiden – wenngleich es Warnungen gibt, dass den USA die Munition für die Luftabwehr ausgeht. Oder für einen begrenzten Schlag, in der Hoffnung, dass der diplomatische Weg weiterverfolgt werden kann, hieß es. Ob es bei dem nun in der Nacht erfolgten Angriff bleibt, ist abzuwarten.

Iranische Angriffe auf US-Basen

Erstmals seit dem vorläufigen Stopp der US-Angriffe auf Ziele im Iran seit dem Wochenende hatte das US-Militär am Dienstagabend (US-Ostküstenzeit) einen iranischen Angriff mit mehreren ballistischen Raketen auf US-Truppen im Nahen Osten gemeldet – ohne konkrete Ziele zu nennen. Alle Raketen seien abgefangen worden. Der staatliche iranische Rundfunk verbreitete eine Stellungnahme der Revolutionsgarde, der Angriff habe einer US-Militärbasis in Jordanien gegolten.

In der Nacht auf Mittwoch hatten zudem US-Streitkräfte nach eigenen Angaben gemeinsam mit dem Verbündeten Saudi-Arabien im Irak „Terroristen“ angegriffen, die dem Iran nahestünden. Als Begründung hatte es geheißen, das sei eine Reaktion auf angeblich mehr als 30 Drohnenangriffe in den vergangenen 72 Stunden, die die iranische Revolutionsgarde angeordnet hätte.

Iran-Experte: Iran sieht sich selbst im Vorteil

Mit dem jüngsten Angriff demonstrierte die iranische Revolutionsgarde ihre Bereitschaft, die Initiative zu ergreifen, nachdem der Iran wochenlang überwiegend auf Angriffe der USA und Israels reagiert hatte, schrieb das „Wall Street Journal“ („WSJ“).

Die US-Zeitung zitierte den Iran-Experten Hamidreza Azizi mit den Worten: „Sie sehen sich selbst im Vorteil.“ Der Angriff auf die US-Truppen sei ein Signal „für eine Art dosierte Eskalation“. Die Revolutionsgarde hätte seit der Tötung des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei Ende Februar innerhalb der Führung eine dominantere Rolle eingenommen, schrieb die Zeitung weiter.

Straße von Hormus weiter zentraler Streitpunkt

Die USA und Israel hatten am 28. Februar ihre Luftangriffe auf den Iran gestartet. Mitte Juni vereinbarten die USA und der Iran ein Rahmenabkommen, das den Weg zur Beendigung des Krieges über vertiefte Verhandlungen ebnen sollte. Seit April galt zudem eine Waffenruhe, die Trump vor einiger Zeit aber nach zahlreichen Verstößen für beendet erklärte. Auch Teheran fühlt sich nicht mehr an die vorläufige Absichtserklärung gebunden.

Trotz der gegenseitigen Angriffe dauerten die Verhandlungen zwischen Teheran und Washington nach Angaben des Vermittlers Pakistan an. Zentraler Streitpunkt ist seit Monaten vor allem die Lage in der für den weltweiten Öl- und Flüssiggastransport wichtigen Straße von Hormus. Der Iran beansprucht die Kontrolle über die Meerenge für sich, die USA drängen auf Wiederherstellung der freien Schifffahrt, wie es diese vor Beginn ihres Krieges gegen den Iran gegeben hatte.