Mindestens 20 Kämpfer der auch als Volksmobilisierungskräfte (PMF, Popular Mobilization Forces) bezeichneten Miliz Hadsched al-Schaabi, einer Schirmorganisation vieler mit dem Iran verbündeter bewaffneter Gruppierungen im Irak, wurden bei den US-saudischen Angriffen am Mittwoch laut eigener Angaben der Miliz getötet.
Kampfflieger der USA und Saudi-Arabiens hätten „mit dem Iran verbündete Terroristen“ im Irak angegriffen, erklärte das zuständige US-Regionalkommando Centcom. Die Milizen im Irak seien von der iranischen Revolutionsgarde „angewiesen“ worden, „US-Streitkräfte und die saudische Energieinfrastruktur anzugreifen“. Sie hätten zuletzt mehr als zwei Dutzend Drohnenangriffe ausgeführt. Laut „New York Times“ („NYT“) habe sich keine Miliz dafür verantwortlich gezeigt.
Viele Milizen seit Beginn des Irak-Krieges
Eine weitere proiranische Miliz, der Islamische Widerstand im Irak, drohte der Koalition aus USA und Saudi-Arabien mit Vergeltung. Der Irak verurteilte die Angriffe als „eklatante Verletzung der Souveränität“ des Landes. US-Präsident Donald Trump hatte erklärt, die nächtlichen US-saudischen Angriffe seien mit der Regierung in Bagdad „koordiniert“ gewesen, diese verneinte jedoch.
Generell gibt es im Irak seit dem Einmarsch der USA 2003 und dem dadurch ausgelösten Irak-Krieg viele bewaffnete Gruppierungen. Da der Irak enge Verbindungen sowohl mit dem Iran, unter anderem wegen des vermehrt vertretenen schiitischen Glaubens, als auch mit den USA unterhält, sieht sich das Land zwischen den Kriegsparteien oft gewissermaßen gefangen. Zudem fällt es der Regierung schwer, die bewaffneten Gruppen im Land stärker zu kontrollieren.
PMF-Miliz recht unabhängig von Armee
Die PMF sind zwar offiziell Teil der irakischen Armee, konnten sich jedoch viel Unabhängigkeit bewahren. Gegründet wurde die Miliz 2014 im Kampf gegen die sunnitische Dschihadistenmiliz IS nach einem Aufruf von Ajatollah Ali al-Sistani, der höchsten religiösen Autorität der Schiiten im Irak. Die Miliz setzte sich vornehmlich aus bewaffneten Gruppen zusammen, die nach der US-Invasion 2003 die US-Besatzer bekämpft hatten.
Ausgebildet wurden die Kämpfer vor allem von Iranern. Der starke Mann im Hintergrund war der einflussreiche iranische General Kassem Soleimani, Kommandeur der berüchtigten Al-Kuds-Brigaden der iranischen Revolutionsgarde. Er wurde 2020 bei einem US-Drohnenangriff im Irak getötet.
Auch mit Abgeordneten im Parlament vertreten
Die PMF wurden 2016 per Gesetz in die regulären irakischen Streitkräfte integriert. Im folgenden Jahr trug die Miliz zur Niederlage des auch von den USA bekämpften IS im Irak bei. Zu der Miliz gehören heute geschätzt zwischen 50 und 70 bewaffnete Untergruppen, darunter auch Brigaden von proiranischen Gruppierungen, die von den USA als Terrororganisationen eingestuft werden.
Einigen Gruppen wird vorgeworfen, Geld vom irakischen Staat für ihre Kämpfer zu kassieren, zugleich aber in erster Linie eigene Interessen zu verfolgen. Die Miliz hat auch politische und wirtschaftliche Macht im Irak und stellt Abgeordnete im Parlament.
Viele weitere bewaffnete Gruppierungen
Einige der Gruppierungen der PMF gehören auch dem Islamischen Widerstand im Irak an. Dieser lose Zusammenschluss bewaffneter, schiitischer Milizen verübte seit Beginn des Iran-Krieges zahlreiche Angriffe auf US-Einrichtungen im Irak und in der Golfregion.
Der Islamische Widerstand im Irak sieht sich als Teil der von Teheran geführten und gegen Israel und die USA gerichteten „Achse des Widerstandes“, zu der auch die Terrororganisationen Hamas im Gazastreifen, die Hisbollah im Libanon sowie die Huthis im Jemen zählen.
Zu den proiranischen Gruppierungen im Irak gehören unter anderem auch Kataib Hisbollah, Kataib Sajjid al-Schuhada und al-Nudschaba. Sie sind teilweise auf Stützpunkten der PMF präsent, haben aber auch ihre eigenen Basen. Die Gruppen setzen vor allem auf mit Sprengstoff beladene Drohnen, sie verfügen aber über Raketen und möglicherweise sogar über ballistische Raketen kurzer Reichweite.
Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien vom Irak aus?
Die Huthis sollen diese Woche Angriffe auf Saudi-Arabien von irakischem Staatsgebiet aus verübt haben. Dabei hätten sie mit bewaffneten örtlichen Gruppen kooperiert, sagten zwei mit den Erkenntnissen Saudi-Arabiens und seiner Partner vertraute Personen aus der Region der Nachrichtenagentur Reuters. Vergangene Woche griff die Huthi-Miliz im Jemen saudische Schiffe an.
Riad plant Militärkoalition zum Schutz des Roten Meeres
Aus diesem Grund kündigte Saudi-Arabien am Donnerstag ein Militärbündnis zum Schutz der Schifffahrt im Roten Meer und der wichtigen Meerenge Bab al-Mandab an. Teil der Allianz sind nach saudischen Angaben 14 Länder, darunter die Golfstaaten Kuwait, Katar und Bahrain sowie Pakistan, die Türkei, Ägypten und Jordanien.
Das Bündnis solle die Freiheit der Schifffahrt sowie internationale Routen für Handel und die weltweite Energieversorgung schützen, teilte das saudische Verteidigungsministerium am Donnerstagabend nach einem Treffen zur Allianz in Riad mit.
Verfahrene Lage im Iran-Krieg
Die gesamte Lage im Iran-Krieg gestaltet sich zunehmend verfahrener. US-Präsident Trump zeigte sich darüber „verärgert“, zitierte der US-Sender NBC News zuletzt einen US-Beamten. Trump habe wohl nicht damit gerechnet, dass es so schwierig sein würde, die Iraner zu einer Einigung zu bewegen, hieß es.
Trumps Sicherheitsberater könnten sich nicht auf eine Strategie einigen, zitierte der Sender seine Quellen. Sanam Vakil von der Denkfabrik Chatham House sprach gegenüber dem „Guardian“ von einem wachsenden Chaos in der Region. „Alle versuchen aus etwas einen Sinn zu machen, was immer weniger Sinn ergibt“, sagte sie.