Unter anderem mit Neuauflagen früherer Renault-Klassiker wie dem Twingo, dem R4 und dem R5 als reine E-Autos konnte der Hersteller offenbar Kunden und Kundinnen überzeugen. Der Absatz reiner E-Autos ging im ersten Halbjahr laut Angaben um 47,6 Prozent in die Höhe. Damit war jeder fünfte verkaufte Neuwagen des Konzerns ein E-Auto.

Zwar verkaufte der Anbieter in Summe um 0,4 Prozent weniger Autos, das lag aber an Logistikproblemen bei der Billigmarke Dacia Anfang des Jahres. Die operative Marge sank zudem von sechs Prozent im Vorjahr auf 5,2 Prozent, lag damit aber über den Prognosen. Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte das Unternehmen sein Margenziel von 5,5 Prozent. Im Vorjahreszeitraum belastete die Nissan-Beteiligung Renault mit einem Fehlbetrag von 11,18 Milliarden Euro.

E-Auto-Markt legt weiter kräftig zu

Offenbar auch getrieben durch die wirtschaftlichen Verwerfungen im Zuge des Iran-Krieges und die damit steigenden Treibstoffpreise legte der E-Auto-Markt zuletzt weltweit kräftig zu. In einer Untersuchung von 43 wichtigen Märkten vom Dienstag kommt die Unternehmensberatung PwC auf rund 6,6 Millionen Neuzulassungen bei E-Autos. Das ist weiterhin ein Plus von neun Prozent im Jahresvergleich, das Wachstum hat sich aber verlangsamt.

Grund ist die sinkende Nachfrage in China. Der mit Abstand größte Elektroautomarkt der Welt sei im ersten Halbjahr um fünf Prozent auf knapp 3,6 Millionen E-Autos geschrumpft. In den USA sanken die Neuzulassungen von Elektroautos um 22 Prozent.

Europa holt bei E-Autos auf

Unterdessen holte Europa im ersten Halbjahr kräftig auf: In der EU, Großbritannien, Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz zählte PwC knapp 1,6 Millionen E-Autos und damit 33 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das war ein Marktanteil von 22 Prozent. Besonders starkes Wachstum gab es unter anderem in Frankreich und Italien, aber auch in Deutschland, das vor dem Vereinigten Königreich und Frankreich erneut der größte Einzelmarkt Europas war.

Ähnlich die Zahlen des europäischen Herstellerverbands ACEA: Der Anteil von E-Autos bei Neuwagen habe von 15,6 Prozent im vergangenen Jahr auf 20,7 Prozent im ersten Halbjahr zugelegt. Besonders stark war der Juni. Experten warnen allerdings, dass der E-Auto-Markt gerade in der EU im Bereich Anschaffung noch stark staatlich subventioniert wird.

Weiters würden chinesische Marken mit aggressiven Preisstrategien auf den Markt drängen. Die Marktanteile der chinesischen Anbieter sind in den ersten sechs Monaten laut ACEA-Zahlen mit 2,7 Prozent bei Geely (Volvo, Polestar) sowie jeweils 2,2 Prozent bei SAIC Motor (Marke MG) und BYD noch überschaubar. Der Marktanteil chinesischer Autokonzerne stieg aber im Juni von sechs Prozent im Vorjahr auf zehn Prozent im heurigen.

Deutsche Hersteller hadern mit China

Der weltweit zunehmende Trend zum E-Auto zusätzlich zu den US-Zöllen und dem schwächelnden Markt in China sowie den geringeren Gewinnmargen belastet gerade die deutschen Hersteller. Laut den jüngsten BMW-Zahlen vom Donnerstag laufen die Geschäfte des Herstellers in China besonders schlecht, der Absatz am weltweit größten Automarkt brach dort im zweiten Quartal um fast ein Drittel ein.

BMW verkauft in China fast nur Verbrennerfahrzeuge. Wie eben auch anderswo sind diese durch die Treibstoffpreise aber unter Druck und können mit der Konkurrenz durch chinesische Anbieter offenbar nur bedingt mithalten. Dabei sind die E-Autos des Herstellers laut eigenen Angaben durchaus gefragt: Fast jeder dritte in Europa verkaufte BMW sei ein Elektroauto.

Tausende Arbeitsplätze sollen wegfallen

BMW kündigte an, wie andere deutsche Hersteller – allen voran VW – Tausende Arbeitsplätze streichen und verstärkt auf Digitalisierung und KI setzen zu wollen. Auch Audi und Mercedes kappten ihre jeweiligen Umsatzprognosen. Mercedes kündigte diese Woche an, jedenfalls an China festhalten und keine Marktanteile durch Preissenkungen erkämpfen zu wollen.

Im ersten Halbjahr zählte Mercedes-Benz in China noch 210.200 Verkäufe, bei einem Absatzanteil von 25 Prozent. Zu den besten Zeiten 2023 verkaufte Mercedes in China 737.000 Autos im Jahr – mit einem Anteil von 36 Prozent war China einst der größte Markt. Wichtigster Markt für Mercedes ist jetzt Europa mit 325.000 Pkws.

Volkswagen will unterdessen seine Modellpalette reduzieren und plant weitere Einsparungen, das Gesamtvolumen soll bis Ende des Jahres feststehen. Der Konzern steigerte den Absatz im zweiten Quartal in Europa und Nordamerika, erlitt aber in China mit einem Rückgang um mehr als ein Drittel ebenfalls einen Einbruch.

Stellantis macht ohne China Gewinne

Unterdessen gab auch die Opel-Mutter Stellantis am Donnerstag Quartalszahlen bekannt. Der italienisch-französische Autokonzern Stellantis mit den Marken Fiat, Opel, Citroen, Peugeot, Jeep und Chrysler schreibt wieder Gewinne. Der Umsatz legte um 13 Prozent auf 43,5 Milliarden Euro zu, bei einem Gewinn von 293 Millionen Euro, nach 1,9 Milliarden Euro minus im Vorjahresquartal.

Der Konzern konzentriert sich laut eigenen Angaben derzeit auf Nordamerika, mit einem Plus von 38 Prozent. Stellantis konnte im ersten Halbjahr aber auch in vielen EU-Märkten deutlich zulegen – am stärksten stiegen die Neuzulassungen in Österreich mit 31 Prozent. Im gesamten EU-Markt legte der Konzern um 3,8 Prozent zu, unter Einbeziehung der Ergebnisse der chinesischen Elektromarke Leapmotor sogar um 7,3 Prozent. Stellantis ist in China und Asien kaum präsent.