Der Direktor der Filmfestspiele von Venedig, Alberto Barbera, hat Kritik am diesjährigen Festivalprogramm zurückgewiesen.
Die geringe Präsenz großer Hollywood-Studios und der niedrige Anteil von Regisseurinnen seien Ausdruck der aktuellen Krise der Filmbranche und nicht das Ergebnis der Auswahl des Festivals, schrieb Barbera in der Zeitung „La Stampa“ gestern.
„Umbruchphase“ in Hollywood
Hollywood befinde sich wegen steigender Produktionskosten, rückläufiger Kinoeinnahmen und wachsender Konkurrenz durch Streamingdienste in einer Umbruchphase. Deshalb hätten kaum US-Studios Filme für das Festival zur Verfügung gestellt. Als einzigen realistischen Kandidaten nannte Barbera den Film „Digger“ von Alejandro G. Inarritu mit Tom Cruise, den Warner Bros. jedoch ohne Festivalpremiere veröffentlichen wolle.
Geringe Zahl von Regisseurinnen
Auch die Kritik an der geringen Zahl von Regisseurinnen im Wettbewerb konterte Barbera. Das eigentliche Problem liege in der Filmindustrie selbst, wo Frauen weiterhin schlechtere Zugangschancen, geringere Finanzierungsmöglichkeiten und ungleichen Zugang zu Produktionsbudgets hätten, schrieb er. Im Wettbewerb um den Goldenen Löwen ist in diesem Jahr lediglich die dänische Regisseurin May el-Toukhy mit ihrem Film „Woman Unknown“ vertreten.
Die 83. Internationalen Filmfestspiele von Venedig finden vom 2. bis 12. September statt. Zu den am meisten erwarteten Filmen zählen „Wild Horse Nine“ von Martin McDonagh, „Ink“ von Danny Boyle sowie „Possible Love“ des südkoreanischen Regisseurs Lee Chang Dong.