Die NATO arbeitet angesichts der Bedrohungen durch Russland an Plänen für einen Ausbau der nuklearen Abschreckung in Europa.

Nach Recherchen der dpa, die heute veröffentlicht wurden, sei auch die Stationierung zusätzlicher US-Atomwaffen eine Option. Experten halten es sogar für möglich, dass die USA bereits Bomben vom Typ B61-12 auf den Luftwaffenstützpunkt Lakenheath in Großbritannien verlegt haben.

Bei einer weiteren Zuspitzung der Sicherheitslage könnten zudem auch Länder wie Polen und Finnland sowie Litauen als Stationierungsstandorte in den Blick kommen. Bei den Planungen geht es vor allem um nicht strategische Atomwaffen.

Geringere Sprengkraft

Diese sind zum Beispiel für den Einsatz gegen gegnerische Truppen, Flugplätze, Häfen, Kommandozentralen und andere militärische Infrastruktur vorgesehen.

Im Vergleich zu strategischen Atomwaffen haben sie häufig eine geringere Sprengkraft und werden meist mit Kampfflugzeugen oder kürzer reichenden Raketen oder Marschflugkörpern als Träger eingesetzt.

Rutte nennt keine Details

Nach der atomaren Abrüstung nach dem Ende des Kalten Krieges (1947 bis 1991) lagerten laut Schätzungen von Nuklearexperten zuletzt nur noch etwa 100 US-Bomben vom Typ B61-12 auf sechs Luftwaffenstützpunkten in Deutschland, Belgien, Italien, den Niederlanden und der Türkei.

In Deutschland sollen sie in Büchel in Rheinland-Pfalz stationiert sein. Die Bomben könnten im Rahmen der nuklearen Teilhabe der NATO im Ernstfall auch von deutschen Kampfjets eingesetzt werden.

NATO-Generalsekretär Mark Rutte schloss im Gespräch mit der dpa nicht aus, dass künftig mehr US-Atomwaffen in Europa stationiert werden. Er wollte sich aus Geheimhaltungsgründen allerdings nicht zu Details der laufenden Prüfungen und Beratungen äußern.