Geschätzt 20 Millionen Euro soll Berlusconi laut Medienberichten für die gesamte Sammlung ausgegeben haben, die meisten Stücke soll er gegen Ende seines Lebens gekauft haben. Schon 2023 hieß es, dass seine Kinder die Sammlung loswerden wollten, auch weil die 4.500 Quadratmeter große Lagerhalle unweit von Berlusconis ehemaliger Residenz in Arcore damals jährlich 800.000 Euro Miete kostete.
Nun soll es ernst werden: An Stelle der Halle soll eine Discounterfiliale entstehen, mit großem Parkplatz, berichtete am Freitag die Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“. „Ich bin sicher, dass Berlusconi das nicht gefallen hätte. Ein Discounter anstelle seiner Sammlung mit 25.000 Werken“, sagte dazu Lucas Vianini, ehemals Kurator der „Quadreria“, der Gemäldesammlung Berlusconis.
Schon 2023 berichtete „La Repubblica“, dass sich Berlusconis Kinder von der Sammlung trennen wollten. Motten hätten mehrere Bilderrahmen schwer beschädigt, so das Blatt. Eine Desinfizierung sei zu teuer, daher wollen seine Nachkommen die Bilder loswerden. Die weniger wertvollen Objekte könnten sogar verbrannt werden, hieß es damals. Zwischenzeitlich sollen davon einige bereits entfernt worden sein, schreibt der „Corriere“ nun.
Ausdruck einer „berlusconischen Mythologie“
Die Sammlung sei Ausdruck einer „berlusconischen Mythologie“, so Vianini, und spiegelten dessen persönliche Interessen wider: Ansichten seiner Lieblingsstädte wie Mailand, Neapel, Paris und Positano, historische Persönlichkeiten, sonnige Landschaften, Feldherren wie Napoleon, Tiere und Gladiatoren, mythologische Darstellungen sowie Reproduktionen berühmter Meisterwerke wie Vasen und Keramiken.
Zur Sammlung gehören zudem Darstellungen nackter Frauen, religiöse Werke mit Motiven der Muttergottes sowie Berlusconis Marmorbüsten. Die Sammlung ist nicht öffentlich zugänglich, nach Berlusconis Vorstellungen sollte sie möglicherweise später Besuchenden offenstehen. Ihre Bedeutung habe daher auch einen pädagogischen Anspruch gehabt, sagte Vianini.
Lkw-weise Bilder angeliefert
Viele der Werke wurden bei TV-Shopping-Kanälen gekauft. In einem Interview mit dem „Guardian“ erzählte der Berlusoni-Vertraute Vianini über den ersten Kontakt: Berlusconi habe 2018 bei einem TV-Shopping-Kanal, bei dem Vianini präsentierte, alle verfügbaren Werke gekauft, sodass die Sendung fast vorzeitig beendet werden musste.
Alessandro Orlando, ehemals Vianinis Chef, erzählte der „New York Times“ („NYT“) 2023, wie einst ganze Lkw-Ladungen mit Werken bei Berlusconis Villa ankamen, nachdem bekanntgeworden war, dass der Premier in Massen einkaufte. Einige Werke verschenkte Berlusconi, vieles behielt er aber auch.
Zerstörung laut Experte „kein Delikt“
„Von 25.000 Gemälden sind nur sechs oder sieben wirklich interessant“, kommentierte 2023 der damalige Kulturstaatssekretär Vittorio Sgarbi, einer der prestigereichsten Kunstexperten in Italien und damals Parlamentarier von Berlusconis Partei Forza Italia. „Ich weiß, dass auf künstlerischem Niveau die Zerstörung dieser Gemälde kein Delikt wäre“, kommentierte Sgarbi die kolportierten Pläne.
Berlusconi habe die meisten Werke in schlaflosen Nächten gekauft und dabei wohl das Ziel gehabt, der größte Sammler der Welt zu werden, wird Sgarbi in der „NYT“ zitiert. Das sei aber ein Problem gewesen, eine große Illusion und womöglich der Versuch Berlusconis, sich alleine durch Kaufen unsterblich zu machen, interpretierte der Experte.
Hauptsache „Ölfarben auf Leinwand“
Vianini hielt dem im „Guardian“ entgegen, dass Sgarbis Einschätzung zu harsch sei, es sei bei der Sammlung nicht um hohe Werte gegangen, Berlusconi habe schon auch teure Bilder um Millionenbeträge erstanden. Zwar seien unter den Werken in der Halle auch solche mit musealem Wert, insgesamt habe die Sammlung aber einem anderen Konzept entsprochen: einem großangelegten, nach Themen gegliederten Rundgang durch die Geschichte der Kunst. Sie spiegle auch Berlusconis Selbstverständnis wider, so Vianini.
Berlusconi habe die größte Sammlung Italiens aufbauen wollen, so Giuseppe De Gregorio in der „NYT“. De Gregorio verkaufte Berlusconi über Shoppingkanäle und später direkt Tausende Bilder, der Ex-Premier habe dabei sogar seine eigene Telefonleitung gehabt. Berlusconi habe jedenfalls keine wichtigen Werke wollen, sondern einfach Bilder: „Es hat gereicht, wenn sie mit Ölfarben auf einer Leinwand gemalt waren.“