Dann gibt es ein aktuelles Bild, wie sich die russischen Öl- und Gasexporte entwickeln. Die Ukraine selbst versucht ja, mit Drohnenangriffen auf russische Produktionsanlagen diese Geldquelle für Präsident Wladimir Putin möglichst einzudämmen. Gegen die Drohnen hat Russland bisher kein Mittel gefunden. Gegen die EU-Sanktionen, die sich ab Jänner sprunghaft verschärfen, versucht Moskau aber vorzubauen.

Laut Berichten von „Financial Times“ („FT“) und der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg kauft Russland derzeit gebrauchte LNG-Tanker auf. Außerdem nahm es die ersten zwei selbst gebauten Flüssiggastanker in Betrieb. Mindestens acht LNG-Tanker wurden laut dem Seefahrtsdatendienst Windward im letzten Halbjahr von Russland aufgekauft. Damit hat Russland laut „FT“ mittlerweile eine Flotte von 25 LNG-Tankern.

Derzeit geht Großteil in die EU

Das werde es Russland erlauben, trotz der ab Jänner geltenden EU-Restriktionen weiter Flüssiggas zu exportieren. Anders als bei der Öl-„Schattenflotte“ – da konnte Russland sich Anleihen bei Venezuela und dem Iran nehmen – ist die russische LNG-„Schattenflotte“ weltweit einzigartig.

Zuletzt verschärfte die EU bereits die Kontrollen von Öltankern im Mittelmeer, um zu prüfen, ob sie Teil der russischen „Schattenflotte“ sind.

Ab Jänner 2027 dürfen EU-Länder kein Flüssiggas mehr aus Russland importieren. Bisher geht fast das gesamte Flüssiggas, das im sibirischen Yamal-Werk produziert wird, nach Europa. Yamal gehört dem privaten Konzern Nowatek, der auch das Arktis-LNG-2-Werk betreibt. Beide zusammen sind laut „FT“ für fast zwei Drittel der russischen LNG-Produktion verantwortlich.

Ausnahme für griechischen Reeder

Außerdem muss der Verkauf von LNG-Schiffen an russische Staaatsbürgerinnen und -bürger vorab an Brüssel gemeldet werden. Wegen eines griechischen Reeders – und entsprechenden Drucks aus Athen – wurde aber im jüngst beschlossenen 21. Sanktionenpaket ein geplantes Verbot für europäische Reeder, russisches LNG zu transportieren, wieder gestrichen. Die EU will mit ihren Sanktionen dem Kreml die Finanzierung seines Kriegs gegen die Ukraine erschweren.

Derzeit rund 25 LNG-Tanker

Die bisher rund 25 LNG-Tanker umfassende Flotte ist weit von der rund 1.000 Tanker umfassenden „Schattenflotte“ zum Export von Öl entfernt. Allerdings sind LNG-Tanker viel teurer und aufwendiger in der Handhabung. Es gebe weltweit viel weniger LNG-Tanker, und sie brauchten eine spezielle Infrastruktur, die weltweit seltener vorzufinden sei, als jene für Öltanker, so Septimus Knox vom Informationsdienstleister S-RM.

„Es ist nicht möglich, alte, rostige LNG-Tanker zu kaufen und weiterzuverwenden wie bei Öltankern. Die globale Flotte ist viel kleiner und sehr neu“, so Knox gegenüber der „FT“. Häfen mit LNG-Infrastruktur befänden sich vor allem in Ländern, die nicht mit Russland verbündet seien.

Die Schiffe mit den riesigen Tanks müssen das Gas auf minus 126 Grad herunterkühlen, damit es transportiert werden kann. Die meisten der russischen LNG-„Schattentanker“ gehören – so wie die Öltanker – Postkastenfirmen in Dubai, Hongkong oder Singapur mit Verbindungen nach Russland.

Gleiche Taktik wie Öltanker

Die die westlichen Sanktionen umschiffenden LNG-Tanker bedienen sich der gleichen Praktiken wie die Öltanker: Das Signal auf hoher See wird oft abgedreht, und das Flüssiggas wird von einem Schiff auf ein anderes verladen, um die Herkunft zu vertuschen. Das Umladen ist allerdings bei Flüssiggas deutlich aufwendiger als bei Rohöl.

Weil ein französisches Unternehmen praktisch das Monopol auf die Konstruktion jenes Systems hat, das das Gas unter Druck hält, könnte Russland bald Probleme bekommen, selbst LNG-Tanker zu bauen.

Allerdings werden in nächster Zeit einige gebrauchte LNG-Tanker zum Verkauf auf den Markt kommen, so der Chef das belgischen Gastransportunternehmens Exmar, Carl-Antoine Saverys. Sein Unternehmen konkurriere mit russischen Käufern um diese Schiffe. Exmar selbst baut sie zu Gasspeichern um – die Schiffe, die in Russland landen, werden wohl Teil der LNG-„Schattenflotte“.