2020 befanden sich Österreich und die Welt wegen der Pandemie in einer Ausnahmesituation. Im Vergleich zu heute sei es damals jedoch ruhiger gewesen, erinnert sich Stribl im Gespräch mit ORF.at. Sie spielt damit auf die Vielzahl an Krisen der vergangenen Jahre an – vom russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine über die daraus resultierende Energiekrise und die Teuerung bis zum Budgetloch, der stagnierenden Wirtschaft und, aktuell besonders im Fokus, Hitze und Trockenheit.
Die aktuelle Themenlage verbreite wenig Zuversicht, sagt Stribl. In ihren Gesprächen mit den Parteispitzen wolle sie deshalb vor allem über Lösungen sprechen: „Es soll darum gehen, wie der Aufschwung trotz der Krisen gelingen kann.“
Wahlkampffreie Zeit als Chance für Inhalte
Dass in naher Zukunft keine größeren Wahlen anstehen – die nächsten Landtagswahlen finden voraussichtlich im Herbst 2027 statt –, bietet laut Stribl die Chance, weniger über Parteitaktik und mögliche Koalitionen zu sprechen und stattdessen Sachthemen in den Mittelpunkt zu rücken.
Als Beispiel nennt sie die umfassende Reformpartnerschaft, auf die sich Bund, Länder und Gemeinden Anfang des Sommers final einigten. Viele der damit verbundenen Gesetze müssten im Herbst beschlossen werden, hier gebe es aus ihrer Sicht noch einige offene Fragen.
Konkrete Ansagen als Ziel
Ein Ziel der Interviews sei es, „konkrete Ansagen“ aus der Politik zu bekommen. Stribl möchte mit den Parteispitzen über Entscheidungen sprechen, die das Leben der Menschen unmittelbar betreffen: „Im Idealfall drehen die Zuseherinnen und Zuseher den Fernseher ab und diskutieren dann weiter.“
Als Herausforderung sieht sie das Tempo des aktuellen politischen Diskurses: „Dinge ändern sich schnell, Themen ändern sich schnell.“ Es sei gut möglich, dass während der Interviewreihe neue Entwicklungen in den Vordergrund rücken, die zuvor noch keine Rolle gespielt hätten. „Es ist meine Aufgabe, die richtigen Themen für die jeweiligen Personen zu finden und zu schauen, was man auch weglassen kann.“
ORF-Zentrum als Interviewschauplatz
Schauplatz der Gespräche ist wie im Vorjahr die „Studio 2“-Terrasse am ORF-Mediencampus auf dem Küniglberg, im Vergleich zu Stribls ersten Sommergesprächen 2020, damals auf der Terrasse eines Weinguts nahe Wien, eine schlichte Kulisse. Stribl ist mit der Wahl zufrieden.
„Es ist sehr kosteneffizient, wir haben alles vor Ort.“ Generell spiele der Ort für sie aber eine untergeordnete Rolle, erklärt Stribl. „Sobald die Interviews laufen, nehme ich die Umgebung nur mehr am Rande wahr.“ Die „Sommergespräche“ sind jeweils montags um 21.00 Uhr in ORF2 und in ORF ON zu sehen. Den Auftakt macht – wie bereits im Vorjahr – Grünen-Parteichefin Leonore Gewessler.
Analyse in ZIB2 und ORF III
Im Anschluss an die Interviews gibt es auch heuer wieder eine erste Analyse in der anschließenden ZIB2. Politikwissenschaftler Peter Filzmaier wird das Auftreten der Parteispitzen gemeinsam mit je einer Politikjournalistin bzw. einem Politikjournalisten unter die Lupe nehmen.
In ORF III widmet sich Chefredakteurin Lou Lorenz-Dittlbacher ab 22.30 Uhr einer Nachbetrachtung des Geschehens, wobei sie ehemalige Politiker, Wegbegleiter und politische Beobachter zu Gast haben wird. Nach der ersten Runde mit Gewessler am Montag sind der ehemalige Gesundheitsminister Rudolf Anschober, die Schauspielerin Brigitte Kren, der Präsident des Fiskalrats, Christoph Badelt, und Petja Mladenova, Innenpolitikjournalistin der „Kronen Zeitung“, zu Gast.
Zum Nachlesen und Nachsehen auf ORF.at
ORF.at bringt gleich im Anschluss an die Sendung eine ausführliche Zusammenfassung des jeweiligen Gesprächs – ergänzt durch Videos in ORF ON sowie die Analysen der ZIB2 – und informiert auch über Reaktionen. In debatte.ORF.at lässt sich zu allen fünf Sendungen mitdiskutieren. Wer ein „Sommergespräch“ verpasst hat, kann es in ORF ON nachsehen. Auch als Podcast sind die Interviews nachträglich zu hören.