In manchen Gegenden hätte der Ertragsrückgang bei Weizen bis zu 50 Prozent betragen, sagte AMA-Chef Günter Griesmayr am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien. Trotz der geringeren Getreideernte würden „ausreichend Mengen für die Herstellung von Brot, Mehl und Backwaren zur Verfügung“ stehen. „Besonders erfreulich ist die hohe Qualität des geernteten Brotgetreides“, so Griesmayr.

Die Weichweizenernte beträgt laut AMA rund 1,24 Mio. Tonnen – ein Rückgang um 22,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein Minus von 18,4 Prozent gegenüber dem langjährigen Durchschnitt. Ausschlaggebend dafür seien eine rückläufige Anbaufläche (minus zwei Prozent) sowie ein deutlich gesunkener Hektarertrag von 4,9 Tonnen pro Hektar (minus 22,2 Prozent). Der Weizenpreis an der Pariser Warenterminbörse stieg im Juli um rund 20 Prozent auf 245 Euro je Tonne, ging dann aber wieder bis heute auf 221 Euro zurück.

Die Produktionskosten würden bei 300 Euro je Tonne liegen, damit sei es ein Minusgeschäft für die Bauern, sagte der designierte Landwirtschaftskammer-Niederösterreich-Chef und AMA-Verwaltungsratsvorsitzende Lorenz Mayr bei der Pressekonferenz. Der Weizenpreis müsse „dringend“ nach oben gehen. Zu Beginn des Ukraine-Kriegs schoss der Weizenpreis kurzzeitig bis auf knapp 440 Euro in die Höhe.

Deutliches Minus bei Mais erwartet

Der Fokus vieler Bauern liegt nun auf der Maisernte. Mais wird erst im Laufe des Sommers und Herbsts geerntet. Die Getreidegesamtproduktion inklusive Körnermais soll laut AMA-Prognose heuer mit 4,5 Mio. Tonnen deutlich (minus 18,4 Prozent) unter dem Vorjahresergebnis und 12,2 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt liegen.

Die Maisbestände seien aufgrund der extremen Trockenheit „stark gefährdet“, so AMA-Chef Griesmayr. Deswegen sei die Prognose „mit einem großen Fragezeichen versehen“, möglicherweise müsse man die Prognose „noch einmal nach unten“ korrigieren. AMA-Verwaltungsratsvorsitzender Mayr blickt mit „großer Sorge“ in den Herbst und erwartet deutliche Ernteeinbußen bei Mais, Kartoffeln, Soja und Zuckerrüben.

Aufgrund der Trockenheit setze Mais teilweise keine Kolben an und werde von den Bauern bald zu Silofutter für Tiere verarbeitet. Auch Kürbis, Kartoffeln und Soja würden stark unter der extremen Trockenheit leiden, so Mayr. Nur die Zuckerrübe könne, wenn es regnet, weiterwachsen, „bei allen anderen ist es erledigt“.

Hoffnung bei Zuckerrüben

Der Wiener-Zucker-Produzent Agrana hofft noch auf ein besseres Pflanzenwachstum der Zuckerrüben. „Durch die Trockenheit wird es zu einer geringeren Rübenmenge kommen. Für eine Schätzung ist es aber noch zu früh und wird noch von der Niederschlagsmenge im August abhängen“, erklärte Agrana-Sprecher Markus Simak auf APA-Anfrage.

Vor allem die durch die fehlenden Wassermengen bedingte Trockenheit in Kombination mit extremen Temperaturen führten zu den deutlichen Ertragseinbußen. In einigen Landesteilen war es noch nie so trocken wie heuer. Von Anfang Jänner bis Ende Juni fiel laut GeoSphere Austria um 27 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel.

Die Dürreschäden der heimischen Landwirtschaft lassen sich laut dem Agrarspezialversicherer Hagelversicherung noch nicht finanziell beziffern. Am Montag will der Versicherer erste Zahlen liefern. In Österreich sind laut Hagelversicherung rund 80 Prozent der Ackerbauern und 40 Prozent der Grünlandbetriebe gegen Dürre versichert.

Zu wenig Futter

Die anhaltende Dürre und extreme Hitze wird auch speziell für Viehbauern zur wirtschaftlichen Gefahr, wie Umwelt- und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und Landwirtschaftskammer-Chef Josef Moosbrugger (beide ÖVP) am Montag warnten.

Steigende Temperaturen und höhere Verdunstung würden die Auswirkungen noch zusätzlich verschärfen. 2026 könne als neues „Rekorddürrejahr in die Geschichte eingehen“, so Totschnig und Moosbrugger in einer gemeinsamen Aussendung, sollte die Trockenheit anhalten.

Verweis auf Futtermittelbörsen

Besonders bei Heu droht in vielen Regionen bis zur Hälfte der Ernte auszufallen. Viele Betriebe mussten bereits auf ihre Winterfutterreserven zurückgreifen. Sie müssten nun zusätzlich Futter für den Winter zukaufen. Doch die Dürre in weiten Teilen Europas erschwert und verteuert auch den Zukauf von Futter.

Totschnig und Moosbrugger verwiesen dabei auf die wichtige Funktion der Futtermittelbörsen. Diese will Totschnig besser miteinander vernetzen und ausbauen. Totschnig kündigte „ehestmögliche Maßnahmen“ in Absprache mit der Bauernkammer und den Ländern an. Beide verwiesen auch auf die Bedeutung der in Österreich existierenden Dürreversicherungen, die von den Bauern offenbar gut angenommen wird.

Auf ihrer Website versucht die Landwirtschaftskammer, konkrete Tipps für betroffene Betriebe zu geben. Diese reichen von Nachsaat der ausgetrockneten Wiesen (auch um Aufkommen von Unkraut zu verhindern) über den Anbau rasch wachsender Zwischenfruchtmischungen bis hin zu Änderungen bei der Fütterung und Hinweisen beim Ankauf von Futter.