Israels Armee hat nach eigenen Angaben mit „gezielten Angriffen“ im Süden des Libanon begonnen. Die Angriffe seien eine „Reaktion auf einen eklatanten Verstoß der Terrororganisation Hisbollah“ gegen die mit dem Libanon vereinbarte Waffenruhe, erklärte die Armee gestern. Die libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete, ein Angriff habe „das Dach eines Gebetsbereichs auf dem Friedhof in der Stadt Tibnin getroffen“. Dabei seien ein Mensch getötet und elf weitere verletzt worden.
Zuvor hatten Israels Streitkräfte erstmals seit mehreren Wochen Menschen im Süden des Libanon zur sofortigen Evakuierung aufgerufen. Die Bewohner des Dorfes al-Mansouri sollten ihre Häuser „sofort verlassen“ und sich „in Richtung Norden“ begeben, so die arabischsprachige Armeesprecherin Ella Waweja auf der Plattform X. Die Angriffe erfolgten zeitgleich zu einer neuen Gesprächsrunde zwischen Israel und dem Libanon in Rom.
Ein im Juni unter Vermittlung der USA vereinbartes Rahmenabkommen zwischen Israel und dem Libanon sieht vor, dass sich die israelische Armee schrittweise aus dem Süden des Libanon zurückzieht. Die libanesischen Streitkräfte sollen die Kontrolle über geräumte Gebiete übernehmen und dort die vom Iran unterstützte Hisbollah entwaffnen. Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, lehnt eine Entwaffnung und Gespräche mit dem Nachbarstaat ab.