Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 ging die Zahl der Firmenpleiten um 1,6 Prozent zurück – das entspricht insgesamt 3.443 zahlungsunfähigen Unternehmen. „Der leichte Rückgang ist zweifellos ein positives Signal. Von einer nachhaltigen Entspannung kann jedoch keine Rede sein“, so Creditreform-Geschäftsführer Gerhard Weinhofer in einer Aussendung.
„Die österreichische Wirtschaft befindet sich weiterhin in einer Phase der Konsolidierung“, so Weinhofer weiter. „Viele Unternehmen kämpfen nach wie vor mit schwacher Nachfrage, hohen Personal- und Energiekosten sowie einer insgesamt angespannten Ertragslage.“
Über 450 Baufirmen im ersten Halbjahr zahlungsunfähig
Die Bauwirtschaft bleibt laut Creditreform das „Sorgenkind“. Auf 1.000 Unternehmen habe es 19 Insolvenzen gegeben, insgesamt gingen in den ersten sechs Monaten des Jahres 458 Baufirmen pleite. Die in absoluten Zahlen meisten Insolvenzen gab es mit 573 in der Branche der „unternehmensbezogenen Dienstleistungen“, die Insolvenzquote war mit 23,3 Pleiten pro tausend Unternehmen im Bereich „Verkehr und Nachrichtenübermittlung“ am höchsten.
Bei den Insolvenzverfahren wurden rund 1.500 mangels Vermögen abgewiesen, das entspricht einem Zuwachs von neun Prozent. Unter den eröffneten Insolvenzen gingen die Konkursverfahren deutlich zurück, während die Sanierungsverfahren deutlich mehr wurden.
Privatinsolvenzen wegen auslaufender CoV-Regeln gestiegen
Bei den Privatinsolvenzen habe es nach einem fast eineinhalbjährigen Rückgang im Juni und Juli dagegen einen starken Anstieg gegeben, hieß es von Creditreform. Grund seien ausgelaufene Sonderregeln aus der CoV-Zeit.
Im Juni 2026 stieg die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren um 47,7 Prozent, im Juli waren es sogar fast 69 Prozent. „Der plötzliche Anstieg der Privatinsolvenzen ist nicht zwingend Ausdruck der finanziellen Belastung vieler Haushalte, sondern lässt sich mit dem Auslaufen der besonders einfachen und schnellen Entschuldungsmöglichkeit für Privatpersonen erklären“, so Weinhofer.
Im gesamten ersten Halbjahr (Jänner bis Juni) gab es knapp über 5.000 Privatinsolvenzen. Das sind 5,2 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor und entspreche pro Werktag rund 42 beantragten Schuldenregulierungsverfahren. Die Zahl der dann auch eröffneten Verfahren stieg um 5,8 Prozent, die mangels Vermögen abgewiesenen Insolvenzverfahren gingen um 1,7 Prozent zurück.
Stärkster Zuwachs in Vorarlberg
Im Jahresvergleich den stärksten Zuwachs gab es in Vorarlberg (plus 37,5 Prozent), gefolgt von Kärnten (plus 13,3 Prozent). Einen merklichen Rückgang gab es mit fast vierzig Prozent in Tirol, gefolgt von Salzburg (minus 17,9 Prozent). In Wien (1.313 Pleiten) gab es kaum eine Veränderung zum Vorjahr, die Bundeshauptstadt hat mit 15,9 pro 1.000 Unternehmen aber die höchste Insolvenzquote. Am niedrigsten ist diese in Tirol (4,6 pro 1.000 Unternehmen).