Der in U-Haft sitzende Signa-Gründer Rene Benko soll in einer jüngst erfolgten Einvernahme den Ex-Signa-Prime-Aufsichtsratschefs Alfred Gusenbauer rund um eine Abschlagszahlung belastet haben, wie der „Standard“ gestern berichtete.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt in diesem Zusammenhang seit dem Frühjahr gegen Gusenbauer wegen Untreue und Betrug. Laut WKStA soll Gusenbauer in seiner Funktion als Aufsichtsratschef der Signa Development und der Signa Prime im Oktober und November 2022 seine Befugnisse missbraucht und dabei die beiden Gesellschaften um insgesamt zehn Mio. Euro geschädigt haben.
Keine Genehmigung des gesamten Aufsichtsrates
Er soll mit einem Vorstandsmitglied dieser Gesellschaften eine „ungerechtfertigte Abschlagszahlung auf eine Erfolgsbeteiligung“ vereinbart und dann deren Auszahlung angeordnet haben. Es habe dafür keine Genehmigung des gesamten Aufsichtsrates gegeben.
In diesem Zusammenhang wird das Vorstandsmitglied beschuldigt, Gusenbauer zu diesen Taten bestimmt zu haben. Daher wird auch gegen den Vorstand wegen Untreue ermittelt. Gusenbauer weist die Vorwürfe zurück.
Benko, der in diesen Ermittlungen nicht Beschuldigter ist, soll Gusenbauer nun in einer Einvernahme Ende Juli belastet haben. Er wisse, dass das Geld geflossen sei und dass Gusenbauer diesen Vertrag ohne Zustimmung des Gesamtaufsichtsrats abgeschlossen habe.
Gusenbauer sah „substanzielle Verbesserung“
Gusenbauer selbst kommentiere die Aussagen Benkos nicht, er kooperiere aber mit den Behörden, wird sein Anwalt in dem Bericht zitiert. Vor dem Handelsgericht soll er zugestanden haben, dass es für die Vereinbarung einen Umlaufbeschluss gebraucht hätte, dieser aber wegen „grundsätzlicher Einwände einiger Aufsichtsratsmitglieder“ nicht zustande gekommen sei.
Gusenbauer sei aber davon ausgegangen, dass er den Vertrag abschließen habe dürfen, weil es zu einer „substanziellen Verbesserung“ der Prime gekommen sei und weil ihn ein Aufsichtsratsbeschluss aus dem Jahr 2019 dazu berechtigt habe. Das sieht Benko anders: Die Erklärungen des Ex-Aufsichtsratschefs kommentierte er in seiner Einvernahme mit den Worten: „Das stimmt so einfach nicht.“