Merz stehe zu den Ereignissen in Leipzig „in fortwährendem Austausch“ mit Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) und anderen Mitgliedern der deutschen Regierung, hieß es. Details aus den Beratungen wurden nicht veröffentlicht. Merz befindet sich derzeit im Urlaub, weshalb der Sicherheitsrat telefonisch tagte.
Die Drohne war in der Nacht auf Mittwoch durch einen Mitarbeiter des Flughafens Leipzig/Halle im Sicherheitsbereich des Frachtbetriebs entdeckt worden. Der an ihr befestigte Sprengsatz wurde von Experten der deutschen Bundespolizei entschärft.
In ihrer Nähe befanden sich mehrere ukrainische Frachtflugzeuge. Der Flughafen gilt als Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen für die Ukraine. Er ist auch Heimatstützpunkt des NATO-Lufttransportprogramms SALIS, das neun teilnehmenden Ländern Zugang zu ukrainischen Antonow-Flugzeugen bietet, die in der Lage sind, militärische Fracht zu transportieren.
Polizei durchkämmt Gelände
Armin Schuster, Innenminister des deutschen Bundeslandes Sachsen, in dem Leipzig liegt, forderte am Freitag einen stärkeren Schutz des Flughafens und anderer wichtiger Infrastruktur. Unterdessen ging am Freitag die Suche nach einem möglichen zweiten Flugobjekt auf dem Flughafengelände weiter.
Der Hintergrund: Nach dem Drohnenfund wurde der Flugverkehr nach Hannover umgeleitet. Ein Frachtflugzeug kollidierte dabei in einigen hundert Metern Höhe mutmaßlich mit einer weiteren Drohne, die aber bisher nicht gefunden wurde.
Russland weist Beteiligung zurück
Innenminister Dobrindt sprach von einem „neuen Bedrohungsszenario“ und von einem „hybriden Anschlagsszenario“. Ohne einen möglichen Urheber zu nennen, sprach der deutsche Innenminister von einem Ereignis, das „möglicherweise auch fremde Mächte miteinschließt“. Vermutungen richten sich gegen Russland, Belege dafür gibt es aber bisher nicht. Ähnliche Versuche seien auch künftig nicht auszuschließen, so Dobrindt.
Die russische Botschaft in Berlin wies den Verdacht am Freitag scharf zurück und sprach von einer „Welle antirussischer Hysterie“. Bei den Mutmaßungen über einen russischen Anschlagsversuch handle es sich um eine „fingierte Provokation, die nur den Interessen des Kiewer Regimes und des militaristischen Flügels des europäischen Politestablishments dient“, hieß es in der auf Russisch veröffentlichten Erklärung.
Busfahrer trat offenbar Drohne weg
Laut dpa-Informationen wurde bestätigt, dass für den Sprengsatz Semtex und PETN verwendet wurden. Der Plastiksprengstoff wird bei kommerziellen Sprengungen eingesetzt. Eine Explosion sei nur unterblieben, weil der Zünder defekt gewesen sei, berichtete die „Bild“-Zeitung. Spezialisten der deutschen Bundespolizei entschärften die Sprengvorrichtung.
Der CDU-Obmann im Innenausschuss des deutschen Bundestages, Detlef Seif, schilderte am Freitag Details zum Hergang. „Ein Busfahrer hat die Drohne im Niedrigflug weggetreten“, sagte Seif. „Diese stürzte dann ab und blieb auf dem Boden liegen. Ob sie flugunfähig war, ist unklar.“ Die Drohne sei mit Explosivmaterial präpariert gewesen. „Die Aktion des Busfahrers war sehr gewagt und mutig, aber auch sehr gefährlich“, sagte der CDU-Politiker.
„Wegen der besonderen Bedeutung des Falles“ hatte am Donnerstag die deutsche Bundesanwaltschaft die Ermittlungen in dem Fall übernommen. Es bestehe der Verdacht des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.
Drei Wahlen im September
In Deutschland wächst nach dem Vorfall die Sorge, dass die kommenden Landtagswahlen in Deutschland Ziel russischer Einmischung werden könnten. Im September werden in Sachsen-Anhalt (6.) sowie in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin (jeweils 20.) neue Landesparlamente gewählt.
Schon vor wenigen Tagen hatten die deutschen Sicherheitsbehörden vor russischen Versuchen der Einflussnahme durch gezielte Desinformationskampagnen gewarnt. Entsprechende Videos versuchten, Politiker und Parteien zu diskreditieren, die nicht russlandfreundlich seien, hieß es aus Sicherheitskreisen.
Diese Desinformationsaktionen gehörten zur Operation „Matrjoschka“, die man schon bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr beobachtet habe. Betroffen seien alle Parteien bis auf die AfD und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Im Osten Deutschlands ist die prorussische Stimmung stärker, ebenso bei AfD und BSW.
Drohne über Bundeswehrstützpunkt gesichtet
Unterdessen wurden über einem Militärstützpunkt in Mechernich in Nordrhein-Westfalen zwei Drohnen gesichtet. Die Sichtung erfolgte laut der deutschen Armee Donnerstagabend. Der Vorfall wird untersucht.