In einem schwarzen BMW fuhren Shakur und der Musikmogul Marion „Suge“ Knight am 7. September 1996 Richtung Club 662, wo Shakur auftreten sollte. Plötzlich hielt ein weißer Cadillac dicht neben den beiden Männern, Schüsse fielen. Shakur, der auf dem Beifahrersitz saß, wurde mehrfach getroffen und starb sechs Tage später, Knight überlebte verletzt.

Wer den Abzug betätigte, war immer ungeklärt – und dürfte es auch weiterhin bleiben. Nicht einmal die Ankläger beschuldigen Davis, geschossen zu haben. Dem heute 63-Jährigen soll aber nachgewiesen werden, dass er eine Glock beschaffte und Anrufe tätigte, die zu Shakurs Tod führten. Davis sitzt seit 2023 in Haft und beteuert seine Unschuld. Am Montag beginnt der Prozess mit der Auswahl der Jury. Ein Urteil könnte in rund einem Monat fallen.

Crips und Bloods

Shakur, der auch unter den Künstlernamen 2Pac und Makaveli bekannt war, hatte zu dieser Zeit längst den Musikolymp erklommen. Er verkaufte weltweit über 75 Millionen Tonträger mit Hits wie „California Love“, „Changes“ und „Dear Mama“. Seine Lieder reichten von Partyhymnen bis zu sozialkritischen Texten.

Zum Zeitpunkt seines Todes befand sich Shakur inmitten eines erbitterten Bandenkrieges um die Vorherrschaft in der Musikszene, in der in den 1990er Jahren zunehmend gewalttätige Gangs das Sagen hatten. Shakurs Tod war der Tiefpunkt der Fehde zwischen den Plattenfirmen Death Row Records und Bad Boy Records sowie der Gangs Mob Piru, Teil der größeren Bloods-Gang, und South Side Compton Crips.

Die South Side Compton Crips, geführt von Davis, kooperierten mit und beschützten Bad Boy Records, das von Combs gegründete Label. Zu den Künstlern des Labels gehörte unter anderen der Rapper The Notorious B.I.G.. Mob Piru war mit Death Row Records verbunden, bei dem Rapper wie Shakur, Snoop Dogg und Dr. Dre unter Vertrag standen.

Letzter lebender Augenzeuge

Die Staatsanwaltschaft wirft Davis nun vor, die Tötung Shakurs veranlasst zu haben, um sich zu rächen. Shakur und seine Begleiter sollen Stunden zuvor den Neffen von Davis, Orlando „Baby Lane“ Anderson, verprügelt haben. Der Neffe galt selbst lange als Verdächtiger, wurde aber nie angeklagt. Er starb zwei Jahre nach Shakurs Tod bei einer anderen Schießerei in Kalifornien.

Zwei weitere Insassen des weißen Cadillacs verstarben inzwischen ebenfalls. Knight, der Tupacs BMW fuhr, sitzt seit 2015 wegen einer Fahrerflucht hinter Gittern. Er ist der einzige andere lebende Augenzeuge. Er will laut eigenen Angaben nicht vor Gericht aussagen, doch seine Schilderungen könnten das Urteil entscheidend beeinflussen.

Insgesamt sind um die 40 Zeuginnen und Zeugen geladen, Personen aus dem Umfeld von Shakur und Davis, ehemalige Polizisten und Kriminalisten.

Die Verteidigung will Fachleute für falsche Geständnisse und Methoden der Zwangsvernehmung laden. Fans spekulierten zudem, ob Combs aussagen wird. Er verbüßt ​​derzeit in New Jersey eine vierjährige Haftstrafe wegen Sexualdelikten.

Eigene Memoiren führten zu Prozess

Davis hat sich den Prozess 30 Jahre nach Shakurs Tod selbst zuzuschreiben. Anlass für neue Ermittlungen waren Davis’ eigene öffentliche Äußerungen. Er war Mitautor der Memoiren „Compton Street Legends“, in denen er seine Rolle bei der Gang beschrieb. Auch die Tötung Shakurs ist darin Thema. Combs habe seine Rivalen Knight und Shakur tot sehen wollen und Davis Geld für deren Ermordung angeboten. Combs bestreitet seit Langem jegliche Beteiligung an der Schießerei.

In den Memoiren hieß es weiter, Shakur und seine Begleiter hätten eine Grenze überschritten, als sie Anderson verprügelten. „Wir konnten uns von diesen Gangstern der Plattenfirma nicht so behandeln lassen“, so ein Zitat. Davis erwähnte jedoch nicht, wer die tödlichen Schüsse abgab. „Einer meiner Leute vom Rücksitz schnappte sich die Glock und eröffnete das Feuer.“ Die Waffe wurde nie gefunden.

Die Anwälte von Davis hatten vergeblich versucht, die Verwendung des Buches im Prozess zu verhindern. Sie argumentierten, das Buch sei fiktionalisiert und habe einen Koautor, weshalb es unmöglich sei festzustellen, welche Teile Davis verfasst habe. Doch ohne Davis’ explizite Schilderungen im Buch und auch in Interviews wäre wahrscheinlich niemand angeklagt worden, so die Staatsanwaltschaft. Davis droht eine lebenslange Haftstrafe ohne Bewährung.