Der österreichische Verfassungsschutz hat die Zerschlagung eines internationalen Firmennetzwerks zur Umgehung der EU-Sanktionen gegen Russland vermeldet. Im Zentrum steht ein Wiener Unternehmen, über das sanktionierte Industriegüter nach Russland gebracht wurden, teilte das Innenministerium heute in einer Aussendung mit.

Konkret geht es um Werkzeugmaschinen und Spezialwerkzeuge für die Metallverarbeitung, die über Drittstaaten nach Russland geschleust wurden. Nach dem Erkenntnisstand der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) wurden die Güter zur Herstellung von Triebwerken für Marschflugkörper und Kampfflugzeuge sowie weiterer militärischer Ausrüstung verwendet.

„Dass hochpräzise europäische Technologie über Umwege in die Produktion von Marschflugkörpern und Flugabwehrsystemen fließt, ist inakzeptabel“, betonte Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ).

Ware landete bei russischem Staatskonzern

Die sanktionierten Güter wurden über ein Firmennetzwerk in verschiedenen Ländern – darunter die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate, Hongkong, Weißrussland, Kirgistan, Südkorea, Polen und Litauen – nach Russland geschleust.

Den europäischen Herstellern wurde mit gefälschten End-User-Certificates vorgetäuscht, dass die Waren in den jeweiligen Ländern verbleiben würden. Tatsächlich landeten sie bei Unternehmen, die dem russischen Staatskonzern ROSTEC zuzuordnen sind.

Geschäftsführer des Unternehmens in U-Haft

Bereits im Mai war der 28-jährige Geschäftsführer des Unternehmens festgenommen worden. Der weißrussische Staatsbürger befindet sich in Untersuchungshaft. Es wurden auch sanktionierte elektronisch gesteuerte CNC-Maschinen zur Herstellung von Werkzeugen und Spezialwerkzeuge für rund 140.000 Euro sichergestellt.

Im August 2025 waren auf staatsanwaltschaftliche Anordnung vier Objekte in Wien durchsucht worden, wobei vier Datenträger sichergestellt wurden. Die Auswertung ergab, dass bereits seit 2019 – also vor dem russischen Großangriff auf die Ukraine – Industriegüter für russische Militärnutzer beschafft wurden.

Nach der Verschärfung der Sanktionen erfolgte die Abwicklung über Drittstaaten. Seit 2022 konnten Lieferungen im Gesamtwert von mehr als 3,3 Millionen Euro an russische Rüstungsunternehmen nachgewiesen werden. Der in Österreich erzielte Umsatz betrug über 700.000 Euro.