Die Donau ist eine der wichtigsten Verkehrsadern Österreichs und hat insbesondere für den Güterverkehr eine wichtige Funktion“, heißt es aus dem Mobilitätsministerium gegenüber ORF.at. Tatsächlich werden Güter entlang des österreichischen Donau-Korridors zu sieben Prozent per Wasser transportiert. Und die sinkenden Wasserstände werden zunehmend zum Problem.

Die Pegelstände in den freien Fließstrecken würden rund 60 Zentimeter unter dem langjährigen Niederwasserwert liegen, in der Wachau seien noch zwei Meter, östlich von Wien 1,8 Meter Fahrwasser in der Tiefenrinne gegeben.

Die Donau führt derzeit außergewöhnlich wenig Wasser“

Der Wasserstraßenbetreiber viadonau sagte gegenüber ORF.at: „Die Donau führt derzeit außergewöhnlich wenig Wasser. An mehreren Pegeln liegen die Wasserstände deutlich (rund 50 cm) unter dem Regulierungsniederwasser – einem wichtigen Orientierungswert für die Schifffahrt.“

Ursache dafür seien gleich mehrere Faktoren: die anhaltende Trockenheit, die geringen Mengen durch Schneeschmelze, fehlende Niederschläge, ein sehr mildes Frühjahr sowie die hohen Temperaturen der vergangenen Wochen. Die Hitze erhöhe zusätzlich die Verdunstung und verschärfe die Situation.

Das Mobilitätsministerium vergleicht die aktuelle Niederwassersituation an der Donau mit jener aus dem „historischen Niedrigwasserjahr 2018“ – damals sei das Transportaufkommen um rund ein Viertel zurückgegangen.

Derzeit keine behördlichen Sperren

Eine Verlagerung von Wasser auf Straße und Schiene wie in Deutschland sei aber „aktuell kein Thema“, so das Ministerium. Eine behördliche Sperre der Donau gebe es derzeit ebenso nicht.

Für die Güterschifffahrt würden die niedrigen Pegelstände vor allem Einschränkungen bei der Beladung bedeuten: „Die Schiffe können aufgrund der geringeren Fahrwassertiefe nicht voll beladen werden. Dadurch sinkt die Transportkapazität und die Wirtschaftlichkeit der Transporte.“

Viadonau sagte dazu: Ob ein Schiff fahren kann, würden die Schiffsführerinnen und Schiffsführer sowie Reedereien selbst entscheiden. „Sie passen ihre Fahrweise an die aktuellen Bedingungen an, laden beispielsweise weniger Fracht, teilen Ladungen auf mehrere Schiffe auf oder verschieben Fahrten.“ Die Befahrbarkeit hänge immer vom jeweiligen Schiff und den örtlichen Wasserständen ab.

„Laufende Baggerungen an aktuellen Seichtstellen“

Weitere Maßnahmen seien dem Mobilitätsministerium zufolge die vorausschauende Instandhaltung der Wasserstraße – insbesondere laufende Baggerungen an aktuellen Seichtstellen sowie mehrtägige Pegelprognosen für die Schifffahrtstreibenden. „Dadurch kann trotz der aktuell außergewöhnlich niedrigen Wasserstände weiterhin eine fahrbare Fahrrinnentiefe auf den österreichischen Donau-Abschnitten sichergestellt werden.“

Viadonau verweist dabei darauf, dass notwendige Erhaltungsbaggerungen möglichst bereits vor längeren Niederwasserperioden durchgeführt werden müssten, um die international vereinbarten Fahrwasserparameter einzuhalten.

Neben technischen Maßnahmen verfolge man im Mobilitätsministerium auch „langfristige, naturbasierte Ansätze“, etwa Maßnahmen zur Renaturierung.

Deutschland: Rhein wird zu seicht für Schifffahrt

In Deutschland setzt man unterdessen auch auf die Aussetzung des Fahrverbots für Lastwagen an Sonn- und Feiertagen, um den Gütertransport weiterhin zu gewährleisten. Während die Industrie den Schritt begrüßt, kommt von Umweltorganisationen scharfe Kritik. Auch die deutschen Grünen und die Linke fordern konkrete Klimaschutzmaßnahmen statt „Symptombekämpfung" – mehr dazu in Debatte in Deutschland über Lkw-Fahrverbot.

Dazu kommt: Wegen des derzeitigen Niedrigwassers könnte der Rhein laut dem Binnenschifffahrtsverband (BDB) bald nicht mehr durchgängig befahrbar sein. Im Laufe der Woche werde „an dem für Schifffahrt und Wirtschaft wichtigen Pegel Kaub erstmals ein nur noch einstelliger Wert prognostiziert“, sagte der BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen am Montag. Im Prinzip sei der Rhein damit dann zweigeteilt. Die gewerbliche Schifffahrt werde in der Region dann „keinen Gütertransport mehr durchführen können“.