Grund dafür, dass Trump mit einem geheimen Militärflug aus der Türkei ausgeflogen wurde, sei eine glaubwürdige iranische Morddrohung gewesen. Das Weiße Haus hatte zu diesem Zeitpunkt mitgeteilt, Trump befinde sich an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One, wie die „Washington Post“ und die „New York Times“ („NYT“) am Montag übereinstimmend berichteten.
Trump habe nach dem NATO-Gipfel in Ankara vor laufenden Kameras die ältere Air Force One bestiegen, sei dann aber heimlich mit einem Cateringfahrzeug zu einer kleineren Militärmaschine vom Typ C-32A gebracht worden. Solche Cateringlastwagen werden auf Flughäfen zum Verladen von Mahlzeiten für die Passagiere und Passagierinnen genutzt.
Die Maschine mit Trump an Bord landete dem Bericht zufolge wenige Minuten vor dem Flugzeug mit den Reportern auf dem britischen Luftwaffenstützpunkt RAF Mildenhall.
Trump wechselte mit Journalisten in neue Air Force One
Nach der Landung der Regierungsmaschine in Großbritannien wechselte der Tross des Präsidenten von der alten, hellblauen Boeing 747 in den neuen Jet, der Trump von Katar geschenkt worden war. Der Präsident stieg dort auch in die Maschine um. Die Öffentlichkeit sollte den Eindruck bekommen, dass er die ganze Reise in den Regierungsmaschinen zurückgelegt habe, berichtete die „Washington Post“. In den USA stieg er dann vor laufenden Kameras aus.
Tatsächlich diente der Flug der alten Air Force One von Ankara nach England mit den Journalistinnen und Journalisten an Bord als Täuschungsmanöver. Journalisten, die dachten, auch Trump befände sich mit ihnen an Bord, wurden angewiesen, dass die Sonnenblenden in der Pressekabine geschlossen bleiben müssen. Später – beim gemeinsamen Flug von England nach Washington – sagte Trump auf die Frage von Reportern, warum die Blenden geschlossen bleiben hätten müssen, sie hätten sich „wahrscheinlich auf einem gefährlichen Flug“ befunden. Und fügte hinzu: „Aber wenn ich gehe, geht ihr auch. Richtig?“
Zeitung: Mitarbeiter des Weißen Hauses wussten nichts
Der Zeitung zufolge sollen selbst einige Mitarbeiter des Weißen Hauses, die ebenfalls in der Türkei in den Regierungsjet gestiegen waren, nicht gewusst haben, dass Trump gar nicht an Bord war. Auch eine Journalistengruppe, die den Präsidenten regelmäßig auf seinen Reisen begleitet, war an Bord der Maschine. Laut dem Bericht sollen sie nicht über die mögliche iranische Bedrohung in Kenntnis gesetzt worden sein.
Die „Washington Post“ beruft sich in ihrem Bericht auf eingesehene Dokumente sowie auf Angaben eines mit dem Manöver vertrauten US-Beamten und einer weiteren Person, der Einzelheiten zu der Präsidentenreise bekannt sein sollen.
Das Weiße Haus äußerte sich auf Anfrage nicht direkt zu dem Zeitungsbericht. Kommunikationsdirektor Steven Cheung verwies darauf, dass es – wie Trump kürzlich gesagt habe – viele Feinde Amerikas gebe, die es auf ihn abgesehen hätten. Man setze „jedes uns zur Verfügung stehende Mittel“ ein, um diesen Bedrohungen zu begegnen.
Trump hatte schon Air Force One ausgetauscht
Der Abflug Trumps aus der Türkei war bereits zuvor in den Schlagzeilen gewesen. Er war mit der neuen Regierungsmaschine in die Türkei gereist. Dann wurde bekannt, dass der Präsident für die Rückreise die ältere Regierungsmaschine nutzen würde. Berichte der „New York Times“ legten nahe, dass das umstrittene Geschenk Katars bei einer beschleunigten Umrüstung durch das US-Militär nicht alle Sicherheitsvorkehrungen entsprechend der älteren Maschine erhalten hatte. Nach der Reise kündigte Trump eine Nachrüstung der neuen Maschine an, ohne dabei ins Detail zu gehen.
Die „New York Times“ hatte unter Berufung auf anonyme Quellen berichtet, Trump habe auf Anraten des Secret Service den Flug vom NATO-Gipfel in der Türkei zum britischen Luftwaffenstützpunkt Mildenhall mit der alten Air Force One absolviert, es ginge dabei um Sicherheitsbedenken. Dabei dürften die Journalisten der „NYT“ von ihren Informanten teils in die Irre geführt worden sein.
Noch während des NATO-Gipfels in der Türkei, einem Nachbarland des Iran, hatte Trump die Bedeutung des Flugzeugwechsels heruntergespielt. Er werde um „der alten Zeiten wegen“ mit einer älteren Maschine fliegen. Auf die Berichte über Sicherheitsbedenken angesprochen, sagte er in Ankara auf die Frage eines Journalisten: „Ich bin die Nummer eins auf der Todesliste des Iran.“ Der Iran befindet sich im Krieg mit den USA, seitdem diese gemeinsam mit Israel das Land am 28. Februar angriffen.
Laut „New York Times“ wurde das Täuschungsmanöver binnen Stunden nach Hinweisen auf die mögliche Gefahr entworfen und ausgeführt. Es ist nicht das erste Mal, dass ein US-Präsident in einer unmarkierten Maschine flog. Ein ähnliches Täuschungsmanöver gab es laut „Washington Post“ auch bei Bill Clinton im Jahr 2000 für einen Flug nach Pakistan.
Vorladungen nach erstem „New York Times“ -Bericht
Das US-Justizministerium ging – wohl nach Anweisung des Weißen Hauses, Trump soll wütend über die Leaks gewesen sein – gegen die Journalisten der „New York Times“ vor, die zuerst über die mangelnde Ausstattung der neuen Air Force One berichtet hatten. Sie erhielten gerichtliche Vorladungen. Die „New York Times“ und Journalistenverbände kritisierten das Vorgehen als Angriff auf die Pressefreiheit.
Die Zeitung bezeichnete das als „eine außergewöhnliche Eskalation der Bemühungen von Präsident Trump, unabhängige Nachrichtenorganisationen zu bedrohen und einzuschüchtern“. Das Justizministerium zog die Vorladungen wieder zurück, nachdem ein Richter das Ministerium dafür kritisiert hatte.