Pigs zentrales Direktorenteam bestehend aus Harald Kräuter (Technik und Innovation), Michael Krön (Programm und Brands), Silvia Lieb (Finanzen und Verwaltung) und Angelika Simma-Wallinger (Audience und Plattformen) versammelte 30 Stimmen von Stiftungsrätinnen und -räten hinter sich. Zwei Räte enthielten sich, zwei – die beiden von der FPÖ entsandten Räte Peter Westenthaler und Christoph Urtz – stimmten dagegen.

Die neun Landesdirektorinnen und -direktoren brachten es auf 31 Stimmen bei einer Enthaltung und zwei Gegenstimmen. Über sie wurde – wie auch über die zentralen Direktorinnen und Direktoren – im Paket abgestimmt.

Pig: Herausforderungen „groß, vielfältig und zeitgleich“

Pig zeigte sich über das Ergebnis im Stiftungsrat erfreut: „Der neue Morgen für den ORF hat begonnen“, so der designierte Generaldirektor. Die Herausforderungen, die nun auf sein Team zukommen würden, seien „groß, vielfältig und zeitgleich“. Der Prozess der Bestellung sei transparent abgelaufen, das sei ein wichtiger Schritt in Richtung Emanzipierung von politischer Einflussnahme auf das Unternehmen. „Wir stehen hier als freies Team, als frei gewähltes Team, als Team der besten Köpfe.“

Der von der SPÖ entsandte ORF-Stiftungsratsvorsitzende Heinz Lederer sprach angesichts des Ergebnisses von einem „großen Vertrauensvorschuss“, den sich die Direktorinnen und Direktoren erarbeitet hätten. Sie hätten lange und detailliert Fragen beantwortet. „Ich bin guten Mutes, dass dieses Direktorium den ORF weiterbringen wird“, so Lederer.

Der Stiftungsratsvize und Leiter des ÖVP-„Freundeskreises“, Schütze, wünschte dem neuen Team Freude, Kraft und Beharrlichkeit. Er gab zudem seinen Rückzug aus dem Stiftungsrat bekannt. Er wolle sich nun wieder voll seiner Kommunikationsagentur widmen, teilte er mehreren Medien mit. Zugleich betonte er, dass es nun eine „grundlegende Reform der Governance samt Stiftungsrat“ brauche. Diese Strukturen müssten völlig neu gedacht werden.

Schütze ist einer von mehreren Stiftungsräten, denen Unvereinbarkeiten mit ihrem eigentlichen Beruf in der PR-Branche und den damit einhergehenden Geschäftsbeziehungen vorgeworfen wurden. Erhärtet haben sich diese bisher nicht.

Pig über Sparkurs: „Ab 2028 ist wirklich Feuer am Dach“

Im ZIB2-Interview sprach Clemens Pig über den Sparkurs, das neue Führungsteam und seine Pläne für die Zukunft des ORF.

142 Bewerbungen für ORF-Topjobs

Für das Auswahlverfahren zog Pig externe Berater hinzu, um ein transparentes, objektives, nachvollziehbares und nicht diskriminierendes Auswahlverfahren sicherzustellen und damit den gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen. In Summe hatten 105 Personen 142 Bewerbungen abgegeben.

Im zentralen Direktionsteam als einziger in seiner Funktion verlängert wurde Harald Kräuter, der schon 2022 von Ex-Generaldirektor Roland Weißmann bestellt worden war. Seine bisherigen Agenden „Technik und Digitalisierung“ wurden nun zu „Technik und Innovationen“.

Tiroler Medienmanagerin für Finanzagenden

Das einzige Direktoriumsmitglied, das von außerhalb des Unternehmens bestellt wurde, ist Moser-Holding-CEO Lieb, die sich künftig als Direktorin um Finanzen und Verwaltung kümmern soll.

Neben ihrer Funktion als Vorstandsvorsitzende des Innsbrucker Medienunternehmens fungiert Lieb aktuell als Präsidiumsmitglied des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ), Vizepräsidentin der Österreichischen Auflagenkontrolle (ÖAK) und Vorsitzende des Vereins der Tiroler Journalismusakademie. Nach dem Verkauf der Moser Holding an die Russmedia und dem Auslaufen ihres Vertrags mit Ende des Jahres soll sie nun als Direktorin für Finanzen und Verwaltung in den ORF wechseln.

Krön und Simma-Wallinger neu im Direktorium

Krön ist schon seit über 25 Jahren für den ORF tätig. Gegenwärtig verantwortet er als ORF-Chefproducer ein jährliches Programmbudget von mehreren Hundert Millionen Euro. Auch als Executive Producer für den Song Contest in Wien trat er heuer in Erscheinung. Zukünftig wird er als Direktor für Programm und Brands zuständig sein.

Simma-Wallinger sammelte bereits seit 1999 Erfahrungen im ORF, als Redakteurin in unterschiedlichen Formaten sowie als Büroleiterin der Fernsehdirektion. Nach einer zwischenzeitlichen ORF-Auszeit kehrte sie 2022 als ORF-Vorarlberg-Chefredakteurin zurück. Pig holt sie nun als Direktorin für Audience und Plattformen nach Wien.

Julia Ortner wechselt von ORF.at nach Vorarlberg

Aber auch bei den Landesstudios setzt Pig auf einige Neubesetzungen. Julia Ortner, seit 2024 Redaktionsleiterin von ORF.at, wird neue Landesdirektorin in Vorarlberg.

ORF-Salzburg-Chefredakteur Gerd Schneider wird im dortigen Landesstudio zum Direktor aufsteigen. Die bisherige Radio-Steiermark-Programmchefin Sigrid Hroch ist künftig Landesdirektorin in der Steiermark. In Kärnten wird der dortige Programmchef Martin Weberhofer künftig das Landesstudio leiten.

Neues ORF-Führungsteam steht fest

Der neu gewählte ORF-Generaldirektor Clemens Pig kann im kommenden Jahr mit seinem Führungsteam starten. Der ORF-Stiftungsrat hat die 13 von Pig vorgeschlagenen Direktorinnen und Direktoren für fünf Jahre bestellt.

Fünf Landesstudios mit Wiederbestellungen

Wiederbestellt wird Edgar Weinzettl, der seit 2022 Landesdirektor in Wien ist, genauso wie der niederösterreichische Landesdirektor Alexander Hofer, der das Landesstudio seit 2023 leitet. Am längsten im Amt ist der nun wiederbestätigte Landesdirektor Werner Herics, der das Landesstudio Burgenland seit 2016 führt.

Die zweite Amtsperiode beginnt für Esther Mitterstieler im Landesstudio Tirol sowie für Klaus Obereder im Landesstudio Oberösterreich.

Thurnher kündigt Verfassungsbeschwerde an

Die amtierende Generaldirektorin Ingrid Thurner kündigte im Anschluss an die Wahl des neuen Führungsteams an, aufgrund der Kürzung des jährlichen Bundeszuschusses von 93 Mio. Euro Rechtsmittel zu ergreifen. Das beinhalte eine formelle Anzeige bei der Medienbehörde KommAustria sowie den Gang vor den Verfassungsgerichtshof. Diese Kürzung rüttle an den „Grundfesten des ORF“, so Thurner.

Man müsse davon ausgehen, dass dadurch die Kosten für den öffentlich-rechtlichen Auftrag von 2027 bis 2029 nicht gedeckt seien. Nach Rechtsauffassung des ORF verstößt die Kurzfristigkeit dieser Maßnahme gegen das Europäische Medienfreiheitsgesetz und die verfassungsrechtliche Finanzierungsgarantie.