„Chiuso per ferie“ – wegen Urlaubs geschlossen – steht in Italien rund um den 15. August an Geschäften, Werkstätten, Arztpraxen, kleinen Familienbetrieben, aber auch großen Industrieproduktionen. In manchen Orten bleiben die Rollläden über Tage oder Wochen unten. Umgekehrt fährt die Tourismusbranche hoch: Nach Schätzungen des italienischen Fachverbands CNA Turismo e Commercio werden heuer alleine im August mehr als neun Milliarden Euro an touristischen Einnahmen erwartet.

Ferragosto geht auf das römische „Feriae Augusti“, ein von Kaiser Augustus eingeführtes Fest zum Erntedank, zurück. Später wurde der 15. August mit dem katholischen Fest Mariä Himmelfahrt verbunden und entwickelte sich zu einem Fixpunkt des italienischen Sommers: Familien fahren ans Meer, in die Berge oder aufs Land, Städte werden leerer und Ferienorte voller.

Italien als Tourismushotspot im August

Eine Befragung des italienischen Marktforschungsinstituts Instituto Ixe aus dem Sommer 2025 zeigt die soziale Bedeutung des Tages: 57 Prozent der Italienerinnen und Italiener gaben an, zu Ferragosto zu verreisen.

Nach Eurostat-Angaben war der August 2025 der stärkste Tourismusmonat mit 95,6 Millionen Übernachtungen. Davon entfallen rund 51,5 Millionen Übernachtungen auf Inländerinnen und Inländer – also mehr als die Hälfte.

Spanien: Kontinuierlicher Rückgang bei August-Urlauben

Auch Spanien kennt die kollektive Sommerpause – besonders in kleineren Betrieben und Städten. Geschäfte, Restaurants und Büros können im August für mehrere Wochen schließen. Allerdings verändert sich die Tradition. Eine 2025 veröffentlichte Erhebung des spanischen Tourismusinstituts Observatur zeigte, dass 35 Prozent der Spanierinnen und Spanier ihren Urlaub im August planten.

„Der August verliert als beliebtester Reisemonat weiter an Bedeutung,“ heißt es in dem Bericht. „Betrachtet man die Entwicklung der letzten fünf Jahre, fallen der Rückgang im August um sechs Prozent und das positive Wachstum im Juli und September auf.“

Nichtsdestoweniger: Mariä Himmelfahrt – auf Spanisch Dia de la Asuncion ist ein staatlicher Feiertag, der mit Prozessionen gefeiert wird und rund um den viele Orte ihre „Fiestas Patronales“ (Patronsfeste) mit Musik, Feuerwerken und traditionellen Tänzen feiern.

„Ostern des Sommers“

Ähnlich die Situation in Griechenland: In der orthodoxen Kirche feiert man am 15. August „Kimisi tis Theotokou“ („Entschlafung der Gottesmutter“) oder „Tis Panagias“ („Fest der Allerheiligsten“), einen der wichtigsten kirchlichen Feiertage, auch „Ostern des Sommers“ genannt.

Innerhalb der dreimonatigen Schulferien sind die Wochen rund um den Feiertag diejenigen, in denen auch Betriebe schließen, Städterinnen und Städter aufs Land fahren und Familien zu großen Festen zusammenkommen.

„Les grandes vacances“ in Frankreich

Weniger religiös geprägt ist die Urlaubshauptsaison in Frankreich. Dort heißen die Sommerferien „les grandes vacances“ – und auch hier erreicht die sommerliche Ruhephase ihren Höhepunkt Mitte August. Die französische Tradition ist historisch eng mit der Einführung von zwei Wochen bezahlten Urlaubs 1936 verknüpft.

1982 wurde der Anspruch auf fünf Wochen erhöht, wobei französische Arbeitgeber die Schließung des Unternehmens für den Jahresurlaub gesetzlich vorschreiben dürfen. Laut Schätzungen nehmen 40 Prozent der Firmen dieses Recht in Anspruch und schließen im August zumindest für einige Tage den Betrieb.

2025 sorgte die sommerliche Ruhe für eine politische Debatte, als der damalige Premierminister Francois Bayrou das Ausbleiben politischer Gespräche während der Budgetkrise damit rechtfertigte, dass die Opposition und andere Verantwortliche in den „grandes vacances“ waren und er selbst der Einzige gewesen sei, der nicht im Urlaub war. Genutzt hat ihm die Argumentation wenig: Nach der Rückkehr ins Parlament verlor er eine Vertrauensabstimmung und erklärte daraufhin seinen Rücktritt.