Als Hintergrund des von der „Washington Post“ zu Wochenbeginn aufgedeckten Täuschungsmanövers gilt eine offenbar vom Iran ausgegangene Bedrohungslage. Diese müsse wohl „außergewöhnlich“ gewesen sein, wie Axelrod angesichts der im „Ablenkungsflugzeug“ zurückgelassenen Passagiere anmerkte.

„Es scheint, als sei der Gedanke gewesen, die Gefahr für Präsident Trump zu verringern, indem man etwa 100 Menschen opfert, die an seiner Stelle von den Iranern getötet werden“, zitierte der „Guardian“ am Mittwoch den ehemaligen Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA und Berater der Geheimdienstabteilung des US-Heimatschutzministeriums, Steven Cash.

„Nehme an, dass es Bedrohung gab“

Trump bestätigte, dass er auf Weisung seiner Personenschützer heimlich das Flugzeug gewechselt habe. Seiner Ansicht nach sei er dabei einem größeren Risiko ausgesetzt gewesen als die in der Air Force One verbliebenen Passagiere. Zum Hintergrund der Entscheidung machte Trump keine genauen Angaben: „Ich nehme an, dass es eine Bedrohung gab“, und solche gebe es „viele“.

Gleichzeitig mehrt sich Kritik an der Vorgangsweise – allen voran mit Blick auf all jene, die an Bord der Air Force One nicht über die mögliche Gefahrenlage informiert worden sind. So wie etliche andere verweist auch der „Guardian“ darauf, dass die „Lockvogel“-Debatte mittlerweile auch in der US-Innenpolitik angekommen ist.

„Der Senat sollte unverzüglich über die iranischen Drohungen gegen den Präsidenten, die außergewöhnlichen Maßnahmen zu seiner Evakuierung aus der Türkei, etwaige Risiken für US-Personal sowie jegliche Bedrohung für das Heimatland informiert werden“, forderte etwa der Minderheitenführer der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, über den Kurznachrichtendienst Bluesky.

Auch Rubio, Bessent und Miller an Bord?

Offen bleibt, ob es neben Trumps Mitarbeiterstab und den mitreisenden Journalisten und Journalistinnen weitere, möglicherweise prominente „Lockvogel“-Passagiere gab. Die „New York Times“ („NYT“) verweist hier auf Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent, Trumps Innenpolitikberater Stephen Miller und den Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses, Steven Cheung.

Alle Genannten seien der Zeitung zufolge ursprünglich mit an Bord gewesen. Ob das auch nach Trumps Verlassen des Flugzeugs der Fall war, sei unklar – aber nicht ausgeschlossen. Fraglich sei auch, wer von ihnen von der Bedrohungslage wusste. Zumindest Rubio sei wohl eingeweiht gewesen, wie die „NYT“ mit Verweis auf eine mit der Sache vertraute Person nahelegt.

In Cateringcontainer aus Flugzeug gebracht

Die „Washington Post“ hatte am Montag (Ortszeit) enthüllt, dass das Weiße Haus im Juli nach dem NATO-Gipfel nur vorgetäuscht hatte, dass Trump mit einer Regierungsmaschine aus Ankara abgeflogen war. Der 80-Jährige stieg dort vor laufenden Kameras in die Regierungsmaschine ein, stieg dann aber laut der Zeitung unbemerkt in einen seitlich an dem Flugzeug platzierten Cateringcontainer. Dessen Laster brachte ihn auf dem Flughafen inkognito zu einem kleineren US-Militärflugzeug, mit dem er nach Großbritannien flog.

Nach der Landung der Regierungsmaschine in Großbritannien wechselte der Tross des Präsidenten von der alten, hellblauen Boeing 747 in die neue Air Force One, die Trump von Katar geschenkt worden war. Auch Trump stieg dort in dieses Flugzeug um. Die Öffentlichkeit sollte den Eindruck bekommen, dass er die ganze Reise in den Regierungsmaschinen zurückgelegt habe. In den USA stieg er dann vor laufenden Kameras aus.

„Nichts Ungewöhnliches“

Täuschungsmanöver wie diese seien „sehr verbreitet“ und „nichts Ungewöhnliches“, hielt der US-Reporter und Autor von Geheimdienstbestsellern Ronald Kessler gegenüber der BBC fest. Es gebe „eine lange Tradition von Strategien, um jeden in die Irre zu führen, der dem Präsidenten Schaden zufügen könnte“.

Robert McDonald, ein ehemaliger hochrangiger Secret-Service-Agent, verweist bei der BBC auf die offenbar routinemäßigen Täuschungsmanöver bei Autokorsos in der US-Hauptstadt Washington. Auch „Marine One“, der Hubschrauber des US-Präsidenten, sei häufig in Dreiergruppen unterwegs. Intern sei von einem „Hütchenspiel“ die Rede, so McDonald, der laut BBC einst als einer der Fahrer des früheren Präsidenten George W. Bush selbst daran beteiligt gewesen sei.

Bei komplexen, risikoreichen Auslandsreisen seien die Täuschungsmanöver laut BBC dann teils noch ausgefeilter. „Ich würde sagen, das kommt nicht oft vor“, sagte dem britischen Sender zufolge mit Paul Eckloff ein weiterer ehemaliger Secret-Service-Agent zum Flugzeugwechsel von Ankara: „Aber es ist eine Option, die dem Secret Service und anderen im Personenschutz immer zur Verfügung steht.“