Wie bereits bei einigen demokratischen Vorwahlen zuletzt ging der knappen Entscheidung ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. Der Verwaltungschef des Bezirks Milwaukee setzte sich hauchdünn gegen Hong, Kandidatin des linken Flügels, durch. Crowley konnte damit den jüngsten Erfolgslauf der Progressiven bei den Vorwahlen der Demokraten in Michigan, New York und Colorado stoppen.
Der Weg für den 40-jährigen Crowley war durchaus steinig, denn zwischenzeitlich hatte er Anfang Juli seine Kandidatur zugunsten eines Antritts von Vizegouverneurin Sara Rodriguez aufgegeben, weil diese als aussichtsreicher galt. Weil aber Rodriguez’ Kampagne finanziell ins Schlittern kam, stieg Crowley zehn Tage nach seinem Ausstieg wieder in den Wahlkampf ein.
Plötzlich wieder Kandidat
Rund drei Wochen vor der Wahl war also Crowley auf einen Schlag wieder Kandidat, aber das mit der wertvollen Unterstützung des Gouverneurs von Wisconsin, Tony Evers. Dieser hatte zuvor angekündigt, sich aus der Vorwahl herauszuhalten. Das geänderte Vorgehen hatte möglicherweise mit den guten Aussichten der 37-jährigen Hong zu tun, die mit dem Rückenwind der Erfolge des linken Flügels antrat.
Alte Social-Media-Beiträge
Hong, Abgeordnete im Repräsentantenhaus von Wisconsin, wollte mit klassisch linken Forderungen punkten – sie versprach, Vermögende höher zu besteuern, öffentlich betriebene Lebensmittelgeschäfte zu errichten und den Bau von Rechenzentren zu stoppen. Ihre zunächst guten Umfragewerte gerieten aber unter Druck, nachdem alte Social-Media-Beiträge im Wahlkampf zum Thema wurden.
2020 hatte sie auf der Plattform X dafür plädiert, der Polizei die Mittel zu entziehen – ein Statement, das sie später vollumfänglich revidierte. Im selben Jahr hatte sie auf X die Abschaffung von Thanksgiving gefordert und mit der kolonialen Symbolik des Feiertags und mit dem Schutz vor Covid-Ansteckungen begründet. Jahre später sah sie auch das anders – Kehrtwenden, die sie im Wahlkampf einholten.
Gedämpfte Unterstützung
Hong hatte bekannte linke Fürsprecher, die Unterstützung prominenter Persönlichkeiten des linken Flügels auf nationaler Ebene fehlte ihr aber. Die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez und Bernie Sanders, Senator aus Vermont, hielten sich zurück, anders als im Falle des linken Kandidaten Abdul El-Sayed, der die Vorwahl der Demokraten für den Senat in Michigan gewinnen konnte.
„Progressive Welle zurückgedrängt“
In US-Medien fand Crowleys Erfolg breite Beachtung. Das „Wall Street Journal“ („WSJ“) etwa schrieb von einem „bedeutenden Schlag“ gegen den „aufständischen linken Flügel“, Crowley habe eine „progressive Welle zurückgedrängt“. CNN schrieb, dass das „Establishment in Wisconsin zurückgeschlagen“ habe. Vielfach wird aber auf den Umstand verwiesen, dass das Ergebnis sehr knapp war.
So schreibt das „WSJ“, dass die knappen Resultate in Wisconsin und Michigan als Hinweis darauf gesehen werden können, dass viele Wähler und Wählerinnen ungeachtet des Aufstiegs des linken Parteiflügels noch immer der Ansicht seien, dass ein eher gemäßigter Ansatz den Demokraten die größten Chancen eröffne, die Duelle gegen die Republikaner zu gewinnen.
Republikaner Tiffany wartet
Crowley wird am 3. November gegen den Republikaner Tom Tiffany antreten, der die Unterstützung von US-Präsident Donald Trump genießt. Tiffany hatte sich am Mittwoch gegen einen parteiinternen Kontrahenten durchgesetzt – mit deutlicher Mehrheit. Die Gouverneurswahl in Wisconsin findet statt, nachdem Amtsinhaber Evers aus familiären Gründen nicht für eine dritte Amtszeit kandidiert.
Die Gouverneurswahl fällt auf denselben Tag wie die wichtigen US-Kongresswahlen, bei denen die US-Amerikanerinnen und -Amerikaner neu über das gesamte Repräsentantenhaus und etwa ein Drittel des Senats entscheiden werden. Das Rennen in Wisconsin wird mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, da der Bundesstaat zwischen Republikanern und Demokraten umkämpft ist.
Flanagan gewinnt in Minnesota
Die Paarung Hong gegen Crowley war nur eines von mehreren mit Spannung erwarteten Duellen, die am Dienstag stattfanden. Bei den bedeutsamen Vorwahlen im benachbarten Minnesota setzte sich Vizegouverneurin Peggy Flanagan gegen die Abgeordnete Angie Craig durch und sicherte sich die demokratische Nominierung für die Wahl zum US-Senat.
Flanagan wurde von den Senatoren Sanders und Elizabeth Warren aus Massachusetts unterstützt, beides Ikonen der progressiven Bewegung. Unterdessen zog Darline Graham in South Carolina in die Stichwahl um die republikanische Senatsnominierung ein. Sie trifft am 25. August auf den Abgeordneten Ralph Norman. Der Sieger der Stichwahl tritt im November gegen die Demokratin Annie Andrews an.