Die Rekorddürre wird nach Einschätzung von mehreren Fachleuten keinen Teuerungsschub in Österreich auslösen. „In der Summe sehe ich derzeit nicht das große Inflationsszenario auf uns zukommen“, sagte IHS-Ökonom Sebastian Koch heute im APA-Gespräch. Punktuell könne es zu moderaten Preisanstiegen kommen, etwa bei Gemüse, Obst und verarbeiteten Lebensmitteln.
Auch dürrebedingte Preisrückgänge gibt es: Weil es wegen der Trockenheit zu wenig Grünschnitt und andere Futtermittel gibt, kommt es bei Rindern zu vermehrten Schlachtungen. Das Überangebot lasse die Rindfleischpreise sinken, so der IHS-Ökonom. Bei Schweine- und Hühnerfleisch sowie Eiern könne es wegen der Futtermittelknappheit aber zu Preissteigerungen kommen.
Ein mittelfristiges Szenario für einen Inflationsschub sieht der Experte dennoch: Wenn das Klimaphänomen „El Nino“ heuer und nächstes Jahr weltweit zu Dürre führe, werde das „problematisch“ für die globale Lebensmittelversorgung.
Mehrwertsteuersenkung dämpft Lebensmittelpreise
Die Inflationsrate lag im Juli laut Schnellschätzung der Statistik Austria bei 2,7 Prozent, die Preise für Nahrungsmittel, Tabak und Alkohol waren um 0,1 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Die Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel von zehn Prozent auf 4,9 Prozent seit 1. Juli dämpfte die Nahrungsmittelpreise maßgeblich.
WIFO-Ökonom Josef Baumgartner erwartet sich durch die Dürre und den Iran-Krieg einen Anstieg der Lebensmittelpreise im Herbst und Winter von über zwei Prozent. Gleichzeitig dämpfe die Mehrwertsteuersenkung als Basiseffekt die Nahrungsmittelpreise bis Juni 2027.
Bei Frischgemüse und Obst gebe es durch die Dürre schon einen Preisanstieg, bei verarbeiteten Lebensmitteln würden die Preise erst später steigen, weil Lebensmittelhersteller über längere Lieferverträge und Lagerbestände verfügen.
Komplexitätsforscher Peter Klimek schätzt, dass die Inflation „um ein paar Zehntelprozentpunkte nach oben getrieben wird“. Durch die Dürre sinke die Erntemenge, nicht nur in Österreich, was Lebensmittel verknappe und damit verteuere. Dazu komme, dass durch den Iran-Krieg die Düngemittelpreise und die Treibstoffkosten gestiegen seien, so Klimek im ORF-III-Interview.