Die USA haben Medienberichten zufolge Zweifel an einer iranischen Bedrohung für US-Präsident Donald Trump gehabt, sich aber dennoch für das Täuschungsmanöver auf seinem Heimweg vom NATO-Gipfel in der Türkei entschieden. Die „Washington Post“ und das „Wall Street Journal“ („WSJ“) berichteten gestern (Ortszeit), Israel habe den USA Geheimdienstinformationen übermittelt, laut denen der Iran Trumps Leben bedrohe.
Mitarbeitende des US-Auslandsgeheimdienstes CIA hätten diese als nicht überzeugend einstuft, berichtete die „Washington Post“ mit Berufung auf aktuelle und ehemalige US-Beamte, die mit den Geheimdienstinformationen vertraut sind.
Laut „WSJ“ hatte Israel Informationen dazu gesammelt, dass iranische Stellvertreter darüber sprachen, Trump während seines Aufenthalts in der Türkei zu töten. Die Informationen seien vage gewesen und von vielen Mitarbeitern Trumps nicht als vollständig glaubwürdig eingestuft worden, zitiert die Zeitung Regierungsbeamte.
Berichte: Vermutete Einflussnahme Israels
Einige vermuteten laut „WSJ“, dass Israel versucht habe, Trump dazu zu bewegen, den Iran-Krieg zu eskalieren. Auch die „Washington Post“ zitiert einen aktuellen und einen ehemaligen US-Beamten mit der Aussage, manche US-Geheimdienstmitarbeiter hätten in der Warnung vor Bedrohungen für Trump weniger eine Informationsweitergabe Israels als vielmehr den Versuch gesehen, Einfluss auf die US-Politik in der Region zu nehmen.
Nach Informationen des „Wall Street Journal“ sammelten die USA kurz darauf ihre eigenen Geheimdienstinformationen über die mögliche Bedrohung. Konkret sei es dabei um das Szenario gegangen, dass iranische Vertreter bei Trumps Abflug aus Ankara eine schultergestützte Rakete auf sein Flugzeug hätten abfeuern können.
US-Beamte hätten jedoch Zweifel an der angeblichen Verschwörung gehegt. Letztlich habe der Secret Service aber kein Risiko eingehen wollen und sich daher für das Täuschungsmanöver entschieden, berichten beide US-Medien übereinstimmend.
Debatte über „Lockvogel“-Passagiere
Die „Washington Post“ hatte am Montag (Ortszeit) enthüllt, dass das Weiße Haus im Juli nach dem NATO-Gipfel nur vorgetäuscht hatte, dass Trump mit einer Regierungsmaschine aus Ankara abgeflogen war.
Der 80-Jährige betrat dort vor laufenden Kameras die Regierungsmaschine, stieg dann aber laut der Zeitung unbemerkt in einen seitlich an dem Flugzeug platzierten Catering-Container und flog stattdessen mit einem kleineren US-Militärflugzeug weiter.
Eine Debatte entbrannte um den an Bord gebliebenen Mitarbeiterstab Trumps, ahnungslose Medienvertreter und -vertreterinnen und wohl auch hochrangige Regierungsvertreter. „Alle an Bord waren Lockvögel“, wie etwa CNN-Kommentator David Axelrod diesbezüglich festhielt.