„Wir können nicht wissen, wie lange die Aktivität des Ätna dauern wird“, sagte Stefano Branca, Direktor der Vulkanabteilung des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV). Eine Entspannung der Situation ist derzeit nicht absehbar.
Die Dauer der aktuellen Flughafensperre hängt vor allem von der weiteren Entwicklung der Aschewolke und der Windrichtung ab. Die Behörden entscheiden meist sehr kurzfristig über Sperrungen – je nach Windrichtung und Aschekonzentration.
Hunderte Flüge gestrichen
Allein von vergangenem Freitag bis Mittwoch wurden rund 700 Flüge gestrichen und mehr als 400 zu anderen Flughäfen Siziliens, darunter in der Inselhauptstadt Palermo im Norden, Trapani und Comiso bei Ragusa im Südosten, umgeleitet. Für zusätzliches Chaos sorgte eine inzwischen wieder aufgehobene Sperre des Flughafens Comiso ebenfalls wegen der Vulkanasche.
Dadurch wurden die Touristen und Touristinnen quer über die Insel geschickt. Viele verbrachten Tage und Nächte auf dem Flughafen, um dort auf Informationen zu ihren Flügen zu warten. Vor den Schaltern der Airlines bildeten sich lange Warteschlangen. Immer wieder wurden Reisende kurzfristig benachrichtigt, dass ihr Abflug etwa nach Palermo verlegt wurde.
Lage auf Flughafen Catania etwas beruhigt
Fluggesellschaften organisierten teilweise Busverbindungen zwischen den Flughäfen. Die reichten aber für die Tausenden Reisenden nicht aus. Urlaubende berichteten von ausgebuchten Zügen und völlig überteuerten Taxipreisen. Auch Mietwagen waren nicht mehr verfügbar. Einige brauchten mehrere Tage, um Sizilien über mehrere Etappen wieder verlassen zu können – etwa mit dem Zug und Fähre zum italienischen Festland.
Die chaotische Situation auf dem Flughafen von Catania der vergangenen Tage hat sich etwas beruhigt. Die Betreiber kooperieren nun eigenen Angaben zufolge mit den Behörden, dem Katastrophenschutz und den anderen Flughäfen der Insel.
Flughafen „am falschen Ort“
Hotels und Reiseveranstalter reagierten mit Sorge auf mögliche Stornierungen und einen Imageschaden. Der Handelsverband Assoesercenti schätzt, dass die Verluste für den Tourismussektor inzwischen bis zu 24 Mio. Euro betragen könnten. Das Reisechaos entfachte auch die politische Debatte über das Flughafensystem der Insel, insbesondere über den wichtigsten Flughafen der Insel in Catania, neu.
„Nicht der Ätna ist am falschen Ort, sondern der Flughafen“, sagte der Zivilschutzminister Nello Musumeci, wie das „Giornale di Sicilia“ berichtete. Er habe bereits als früherer Präsident der Provinz Catania eine mögliche Verlagerung des Flughafens vorgeschlagen. Es wird zudem bereits seit Längerem diskutiert, ob andere Flughäfen stärker genutzt werden sollen.
Zum derzeitigen Zeitpunkt wäre aber der Flughafen Comiso nicht in der Lage, das Verkehrsaufkommen von Catania zu übernehmen. Die Regionalregierung kündigte bereits zusätzliche Investitionen in den Ausbau dieses Flughafens an. Verkehrsfachleute hingegen sprechen sich für bessere Verbindungen zwischen den Flughäfen aus, um im Fall einer Sperre schneller dorthin zu gelangen. Das würde mit Investitionen in Bahnstrecken und Straßen einhergehen.
Ausbruch lockt Schaulustige an
Zugleich lockt der Ausbruch viele Besucher zum Ätna – einige auch ohne Anleitung professioneller Bergführer. „Jeden Abend steigen bis zu 2.000 Menschen den Ätna hinauf. Die Wege sind überfüllt“, sagte der Bergführer Daniele Perricello gegenüber AFP. Das sei riskant.
Laut den offiziellen Bestimmungen können Besucher allein bis auf etwa 2.400 Meter aufsteigen. Darüber hinaus müssen sie sich in Begleitung eines Bergführers sein. Der Gipfel liegt auf 3.324 Metern. Der Zivilschutz hat für den Ätna die zweite Warnstufe auf einer vierteiligen Skala ausgegeben. Inzwischen öffneten sich mindestens vier Spalten, aus denen Lavaströme austreten.