Heute vor 100 Jahren ist in der kleinen Ortschaft Biran im Osten Kubas mit Fidel Castro die später treibende Kraft hinter der kubanischen Revolution geboren worden. 1959 übernahm Castro die Macht, führte Kuba in den Sozialismus und prägte als autoritärer Staatschef für 49 Jahre die Entwicklung des Landes.

Nun hat selbst für viele frühere Anhänger und Anhängerinnen von Castro die Revolution wohl längst ihren Glanz verloren. Denn während die Kommunistische Partei den heutigen Geburtstag unter anderem mit einem großangelegten Festakt im Theater Karl Marx von Havanna feiert, stellen viele Kubaner und Kubanerinnen angesichts der dramatischen Versorgungskrise, die das Land durchlebt, die Versprechen der sozialistischen Revolution von 1959 infrage und zweifeln an Castros Nachfolgern.

„Niemand ergibt sich hier, niemand geht auf Knien“, zeigte sich indes Staatschef Miguel Diaz-Canel nach Angaben vom Nachrichtenportal Amerika21 bei einer bis gestern in Havanna abgehaltenen Konferenz unter dem Titel „Fidel: Vermächtnis und Zukunft“ weiter kämpferisch. Zentrales Thema waren unter anderem die zuletzt angekündigten Wirtschaftsreformen. Diese seien „keine Rückkehr zum Kapitalismus“, wie Diaz-Canel in seiner Rede hervorhob.

Anhängern fehlt Anführer wie Castro

Für viele in Kuba verdeutlicht die laufende Krise indes, dass ein Anführer wie Castro fehlt. Seine Anhänger und Anhängerinnen haben ihn als denjenigen in Erinnerung, der Kuba durch zahlreiche Krisen führte – von den USA unterstützte Invasionen, Embargos, Attentatspläne und die Folgen des Zusammenbruchs der Sowjetunion, des wichtigsten Verbündeten Kubas.

Für Castros Kritiker liegt Kubas Problem indes nicht im Fehlen des Revolutionsführers, sondern im Erbe, das er hinterlassen hat. Je schlechter die Lebensbedingungen werden, desto mehr Kubaner würden mit der Zeit Castro als den „eigentlichen Architekten dieser nationalen Katastrophe“ sehen, zitierte AFP den Historiker und Oppositionellen Manuel Cuesta.

Castros 100. Geburtstag falle in eine Zeit „der schwierigsten Bedingungen, die man sich vorstellen kann“, sagte mit Hassan Perez ein früherer Mitarbeiter Castros. Der Gesellschaftsvertrag der Revolution sei in den vergangenen Jahren mehr und mehr „ausgehöhlt“ worden. Jahrzehntelang habe Kuba den Menschen soziale Absicherung im Austausch gegen strenge politische Disziplin geboten. Die Frage sei laut Perez nun, inwieweit diese Abmachung heute noch gültig sei.