Die durchschnittliche Dauer von Krankenständen in Österreich geht kontinuierlich zurück und befindet sich auf einem neuen Tiefststand. Das geht aus den heute von der Statistik Austria veröffentlichten Krankenstandsdaten für 2025 hervor.

9,1 Tage dauerte der durchschnittliche Krankenstand im Vorjahr. 2024 waren es 9,2 Tage, 2023 9,4. Zum Vergleich: Im Jahr 1965, dem ersten hier erfassten Jahr, lag dieser Wert mit 18,6 Tagen mehr als doppelt so hoch.

Weniger klar ist der Trend bei den durchschnittlichen Krankenstandstagen pro erwerbstätiger Person. Im Vorjahr lag die Zahl bei 14,7, ein Rückgang gegenüber den 15,1 Tagen im Jahr 2024. Der Tiefstwert war 2006 bei zwölf gelegen.

ÖGB: Kein Grund zur Entwarnung

Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) bezeichnete die Entwicklung in einer Aussendung als erfreulich, sah aber noch lange keinen Grund zur Entwarnung. „Denn jeder Krankenstandstag ist einer zu viel“, so Julia Stroj, im ÖGB für Gesundheit zuständig: „Daher braucht es ausreichend Präventionsmaßnahmen, bessere Arbeitsbedingungen und verlässlichen Schutz für Beschäftigte.“

Auch AK ortet weiter Handlungsbedarf

So wie der ÖGB verweist auch die Arbeiterkammer (AK) per Aussendung auf die Problematik, wonach viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer trotz Krankheit arbeiten. „Wer krank ist, muss die Möglichkeit haben, sich auszukurieren“, so Ines Stilling, AK-Bereichsleiterin Soziales.

Was den von der Statistik gemeldeten Rückgang bei den Krankenstandszahlen betrifft, sei jeder verhinderte Krankenstand „grundsätzlich eine gute Nachricht“. Gleichzeitig dürfe man die Ursachen von Erkrankungen nicht aus den Augen verlieren, so Stilling: „Arbeitsdruck, Personalmangel und steigende psychische Belastungen sind für viele Beschäftigte nach wie vor Alltag.“ Notwendig seien deswegen auch Rahmenbedingungen, „damit Menschen gar nicht erst krank werden“.

WKO gegen Missbrauch

Die Wirtschaftskammer (WKO) hält hingegen Maßnahmen gegen Krankenstandsmissbrauch für notwendig. Der Großteil würde sich korrekt verhalten, aber nicht alle, so Sozialpolitikabteilungsleiter Rolf Gleißner: „Je Arbeitstag, der durch Krankenstand verloren geht, treffen die Unternehmen Kosten von mindestens 300 Euro.“