Ausgebrochen ist der Brand in dem kroatischen Touristenort Lokva Rogoznica. Von dort breitete er sich, angefacht durch starke Winde, weiter Richtung Omis aus. Ein Abschnitt der wichtigen Küstenstraßen wurde in beide Richtungen gesperrt. Ein Marineschiff war in Bereitschaft, um Evakuierungen über den Seeweg zu ermöglichen.
Rund 2.000 Einheimische sowie Touristen und Touristinnen mussten in Sicherheit gebracht werden. Viele verbrachten die Nacht in Notunterkünften. Einige wüssten nicht, wo sich ihre Familienangehörigen und Freunde befänden, sagte der Leiter des Roten Kreuzes in Split, Tomislav Gojo, gegenüber der kroatischen Zeitung „Jutarnji list“. Es sei schwer abzuschätzen, wie lange diese Situation andauern wird.
Das Todesopfer wurde nach Polizeiangaben bei Durchsuchungen in dem vom Feuer verwüsteten Wohngebiet entdeckt. Medienberichten zufolge wurde die Leiche in Lokva Rogoznica gefunden. Von den mindestens 40 Verletzten mussten 14 im Krankenhaus bleiben, sieben von ihnen sind auf der Intensivstation, hieß es von den Gesundheitsbehörden. Die Mehrheit wird wegen Verbrennungen und Rauchvergiftung behandelt.
Aus mehreren Ortschaften in diesem Gebiet, darunter Ivasnjak, Staro, Selo und Nemira, liegen Berichte über vom Brand beschädigte Häuser vor, so die kroatische Tageszeitung „Vecernji list“. Ersten Schätzungen zufolge verbrannten bisher fast 1.000 Hektar Land.
Feuerwehr kritisiert „unverantwortliche Personen“
„Wir hatten eine äußerst schwierige Nacht, wir haben eine komplizierte Lage in dem Gebiet von Lokva Rogoznica bis Omis“, sagte der Feuerwehrchef Slavko Tucakovic. Die Lage sei in der Nacht „äußerst besorgniserregend“ gewesen. In der Früh meldete die Feuerwehr, dass es keine großen, offenen Flammen mehr gebe. Aber von einer Eindämmung des Feuers könne keine Rede sein, sagte Tucakovic gegenüber lokalen Medien: „In den nächsten zwei oder drei Tagen wird sich nichts ändern.“
Er kritisierte zudem, dass „unverantwortliche Personen“ durch das Weiterfahren mit ihren brennenden Fahrzeugen zur Ausbreitung des Feuers beigetragen hätten. „Sie haben sich nicht an die Anweisungen gehalten.“ Die Hitze sei so intensiv gewesen, dass Felsen gespalten wurden, Strommasten umstürzten und die Straßen durch Erdrutsche blockiert seien.
Premier: „Erheblicher Schaden“
Der Großbrand bei Omis habe sich blitzschnell ausgebreitet, das Feuer sei aber nun unter Kontrolle. Der Schaden sei jedoch erheblich, sagte der kroatische Premier Andrej Plenkovic am Freitag nach einem Treffen mit Rettungskräften. Ihm zufolge waren 15.000 Einheimische und 12.000 Touristen von dem Brand betroffen. Ein rund zehn Kilometer langer Küstenstreifen wurde von dem Feuer umfasst, an dem vor allem Kiefernwälder brannten.
Fast 300 Feuerwehrleute und 100 Feuerwehrfahrzeuge bekämpften den Brand. Allerdings mussten am Vormittag Löschflugzeuge zu einem neuen Brandherd bei Peljesac umgeleitet werden. Dorthin sollen nun die Ressourcen verlagert werden, teilte Plenkovic mit. Von dieser Halbinsel wurden inzwischen auch die Fährverbindungen aufgestockt, da viele Menschen Peljesac aufgrund des Feuers verlassen wollen.
Laut der lokalen Zeitung „Slobodna Dalmacija“ brach am Freitag auch im Hinterland von Trogir nördlich von Split ein Brand aus. Ein Löschflugzeug sei von Omis dorthin umgeleitet worden.
Feuerwehren kämpfen gegen Waldbrände in Europa
In Griechenland und Kroatien sind Tausende Menschen vor Waldbränden in Sicherheit gebracht worden. Und auch in England und Deutschland gibt es zurzeit größere Feuer.
Erst am Donnerstag hatten Feuerwehrleute einen Brand auf der Insel Brac unter Kontrolle gebracht, einige Kilometer von der Küste bei Split entfernt. Seit Jahresbeginn haben Waldbrände in Kroatien laut Behördenangaben fast 10.000 Hektar zerstört, schon jetzt deutlich mehr als im vergangenen Jahr.
Deutschland: Brandherde griffen auf Munitionsdepot über
In Nordrhein-Westfalen mussten in der Nacht auf Freitag 1.800 Personen in Sicherheit gebracht werden. Die Flammen eines Waldbrandes rückten am Freitag bis auf rund 200 Meter an den Ortsteil Hürtgenwald-Gey nahe der belgischen Grenze heran. Einer der unkontrollierten Brandherde habe in der Nacht auf ein ehemaliges Munitionsdepot in Düren übergegriffen, sagte der Bürgermeister Stephan Cranen.
Da in Teilen des Waldes noch nicht explodierte Munition aus dem Zweiten Weltkrieg liegt, kam es den Einsatzkräften zufolge zu vereinzelten Detonationen. Das erschwerte die Löscharbeiten auf der mittlerweile rund 300 Hektar großen Brandfläche. Derzeit sind über 200 Kräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Bundeswehr im Einsatz.
Brände in Italien, England und Frankreich
Italien hat derzeit auch mit mehreren Waldbränden zu kämpfen. In Como mussten in der Nacht auf Freitag 50 Personen ihre Häuser auf dem bewaldeten Monte Goj wegen eines Waldbrandes verlassen. Auch auf dem Monte Amariana in der Provinz Udine breitete sich das Feuer, angeheizt durch den Wind, weiter aus. Zum Löschen wurde am Donnerstag neben Venetien und vor der Küste Grados auch Wasser aus dem Weißensee in Kärnten herangezogen.
Mit mehreren Waldbränden hat auch England zu kämpfen. Tausende Notrufe gingen bisher allein wegen unterschiedlicher Brände in den West Midlands ein, mehrere Häuser wurden dort von den Flammen zerstört oder schwer beschädigt. Den derzeit größten Brand in der Region in der Stadt Stourbridge bezeichnete der lokale Feuerwehrchef Simon Tuhill als einen der „schwerwiegendsten“ Vorfälle, mit denen die Feuerwehr dort jemals konfrontiert gewesen sei.
Im Südwesten Frankreichs erfasste ein neuer Waldbrand rund 1.100 Hektar Land. Derzeit sei die Ausbreitung gebremst. Der Präfekt des Departements Landes, Gilles Clavreul, mahnte angesichts der anhaltenden Hitze zu Vorsicht. Die nächsten 15 Stunden seien entscheidend. Mehr als 500 Menschen wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht.