Der Iran und die USA erhoben im Konflikt um die strategisch wichtige Straße von Hormus in den letzten Tagen weiter gegensätzliche Ansprüche auf die Hoheit über die Meerenge. US-Präsident Donald Trump beharrte erst kürzlich in einem Interview mit dem Nachrichtenportal Axios darauf, dass die USA „volle Kontrolle“ über die Straße von Hormus hätten. Nach dem Ende des Iran-Krieges werde man die Meerenge gar zu US-Territorium erklären, sagte Trump zudem bei einem Auftritt am Freitag.

Teheran widersprach jedoch. Die strategisch wichtige Straße von Hormus werde nur unter der Kontrolle des Iran gesperrt oder freigegeben, teilte der iranische Vizeaußenminister Kassem Gharibabadi auf der Kurznachrichtenplattform X mit. Das gemeinsame militärische Oberkommando des Iran teilte zudem mit, dass kein Schiff die Meerenge ohne Erlaubnis Teherans passieren dürfe.

Schiffsverkehr weiter unter Durchschnitt

Nach dem Beginn des Krieges durch US-israelische Angriffe auf den Iran am 28. Februar hatte Teheran die Meerenge faktisch geschlossen. Zuvor war ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssigerdgaslieferungen durch die Wasserstraße transportiert worden. Die USA verhängten daraufhin eine Seeblockade gegen iranische Schiffe und Häfen.

Im Juni hatten beide Länder eine vorläufige Vereinbarung über einen dauerhaften Waffenstillstand getroffen, die jedoch wenige Wochen später scheiterte. Der Iran nahm begrenzte Angriffe auf Schiffe wieder auf, während die USA erneut Ziele in den südlichen Provinzen des Landes bombardierten. Wegen der Spannungen liegt der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus Daten des Analysehauses Kpler zufolge unter dem monatlichen Durchschnitt. Der Ölpreis ist in der Folge seit Monaten hoch.

Ortung wird für längere Zeit ausgeschaltet

Laut Bloomberg haben in den Wochen nach Ausbruch des Konflikts Ende Februar Schiffe, die kein iranisches Rohöl geladen hatten, begonnen, ihre Transponder auszuschalten. Damit sei versucht worden, einer Entdeckung des iranischen Militärs zu entgehen. Damals seien die Öltanker meist nur für wenige Stunden, eben während der Passage durch die Straße von Hormus, „unsichtbar“ geblieben, so Bloomberg weiter. Durch den „Stau“ in der Straße von Hormus hätte sich die Passage aber weitaus verlängert.

Mittlerweile können diese heimlichen Fahrten eine Woche oder länger dauern, so der Wirtschaftsnachrichtendienst. Die Schiffe würden deswegen die Ortung für längere Zeit ausschalten. Es gebe Tanker, die teils erst Tausende Kilometer entfernt ihre Ortung wieder einschalten würden.

Herkunft von Öl durch Umladen verschleiert

Das erschwere es Beobachtern, die Bewegungen der Schiffe nachzuvollziehen und einen Überblick über das Geschehen in der Straße von Hormus zu haben. Erschwerend komme laut Bloomberg noch der weit verbreitete Shuttlehandel hinzu. Beim Shuttlehandel werde das Öl unmittelbar vor der Straße von Hormus auf andere Schiffe umgeladen und so auch die Herkunft verschleiert.

Bloomberg nennt auch Beispiele. So verschwand der Supertanker „Romania Prosperity“ Ende Juli in den Gewässern vor Fudschaira am Golf von Oman und tauchte erst zehn Tage später in der Nähe wieder auf. So sei nicht feststellbar, ob die „Romania Prosperity“ noch dieselbe Rohölladung an Bord gehabt habe oder ob die Ladung auf ein anderes Schiff umgeladen worden war, damit die „Romania Prosperity“ in den Persischen Golf zurückkehren konnte, um eine neue Ladung Rohöl aufzunehmen.

Leer verschwunden, beladen wieder aufgetaucht

Ein weiterer sehr großer Rohöltanker, die „Alexandros“, sei Mitte letzten Monats im unbeladenen Zustand im nördlichen Roten Meer verschwunden, so Bloomberg. Erst vergangene Woche sei der Riesentanker teilweise beladen nahe Indien wieder aufgetaucht, so die Nachrichtenagentur weiter.

Eine ähnliche Strategie verfolgte offenbar auch der Supertanker „Kuwait Prosperity“ Anfang Juli. Er fuhr mit Rohöl beladen im Persischen Golf, schaltete dann offenbar sein Ortungssignal aus und tauchte erst zehn Tage später in der Nähe von Indonesien wieder auf.

Auch staatliche Ölgesellschaft macht mit

Schiffe schalteten bisher ihre Transponder vor allem ab, um ihren Standort zu verschleiern und Angriffen durch den Iran in der Straße von Hormus zu entgehen. Angesichts der hohen Rentabilität ob des hohen Ölpreises nehmen laut Bloomberg die Reedereien das Risiko in Kauf, ihre Fracht weiter durch die Straße von Hormus zu transportieren.

In den letzten Wochen habe sogar die staatliche Ölgesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, die Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC), damit begonnen, irakisches Öl durch die Straße von Hormus zu transportieren.

Expertin: Verändertes Betriebsumfeld

Die „Dark Passages“, die Fahrten ohne Transpondersignal, deuten laut Maria Bertzeletou, leitende Marktanalystin bei der Logistikplattform Signal Ocean, darauf hin, dass sich der Markt für die Supertanker bereits an ein verändertes Betriebsumfeld angepasst hat. „Bei bestätigten Tankerpassagen hat sich der Trend hin zur Verschleierung der Position verlagert“, so Bertzeletou zu Bloomberg.

Die Taktik, die Transponder abzuschalten, sei seit Beginn des Iran-Krieges im Gleichschritt mit den Entwicklungen der Spannungen zwischen den USA und dem Iran einhergegangen, so Bloomberg. Ein im Juni geschlossenes vorübergehendes Abkommen habe dazugeführt, dass mehr Schiffe ihre Fahrten öffentlich angezeigt hätten.

Signal Ocean: Fast zwei Drittel schalten aus

Nachdem Teheran jedoch wieder Schiffe angegriffen habe, hätten die Fahrten ohne Signal erneut zugenommen. Zuletzt breitete sich die Praxis der „Dark Passages“ noch weiter aus. Schuld daran seien die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen, die Mitte Juli eine Blockade für saudi-arabisches Öl im Roten Meer angekündigt hatten.

Laut Signal Ocean fuhren zwischen dem 14. Juli – dem Tag, an dem die USA ihre Seeblockade gegen den Iran wieder in Kraft setzten – und Anfang August rund 62 Prozent der Rohöl- und Produkttanker ohne aktives Transpondersignal durch die Straße von Hormus. Zuvor habe dieser Anteil bei etwa der Hälfte gelegen. Die Daten von Signal Ocean geben allerdings keinen Aufschluss darüber, wie lange die Schiffe ihre Transponder jeweils ausgeschaltet lassen, so Bloomberg.