Die chinesische Reederei Sea Legend befährt ab morgen eine „Expressfrachtroute“ durch das Nordpolarmeer. Die Fahrt von Ningbo am Ostchinesischen Meer nach Felixstowe in Großbritannien soll rund 20 Tage dauern – das wäre halb so lang wie die Fahrt durch den Sueskanal.
Die Reederei will die Route einmal pro Woche befahren, in diesem Jahr bis Anfang Oktober. Bis dahin können Frachter das Nordpolarmeer oft ohne Eisbrecher befahren.
Das Schiff „Dubai Tower“ werde morgen Nacht im Hafen Ningbo ablegen, hieß es. Sea Legend hatte die Fahrt von Ningbo nach Felixstowe über die Nordostpassage im vergangenen Jahr getestet. Sie dauerte laut der Reederei damals 20 Tage.
Auch andere Reedereien haben die Nordostpassage entlang der russischen Küste bereits ausprobiert – die erste Reederei war Maersk aus Dänemark im Jahr 2018. Im vergangenen Jahr befuhren nach Angaben des Unternehmensversicherers Allianz Commercial bereits 23 Schiffe die Route. Sie ist kürzer als der Weg durch den Sueskanal, spart daher Zeit und Treibstoff und ist zudem sicherer.
Selbstverpflichtung zur Nichtnutzung
Die Route ist aber meist nur im Sommer nutzbar – und viele Reedereien haben eine Selbstverpflichtung unterzeichnet, sie nicht zu nutzen, weil das die Eisschmelze beschleunigen könnte. Die Selbstverpflichtung unterzeichneten etwa Hapag-Llyod aus Deutschland, MSC aus der Schweiz und CMA CGM aus Frankreich.
Analysten zufolge ist die Arktis aber insbesondere für China eine wichtige Handelsroute. 2018 veröffentlichte Peking seine Pläne für einen besseren Zugang zur Region durch eine „Polare Seidenstraße“. Das Frachtvolumen macht bisher aber kam 0,5 Prozent des globalen Frachtverkehrs auf See aus.