Der am Freitag ausgebrochene Brand in Belgien ist Daten des Europäischen Waldbrandinformationssystems (EFFIS) zufolge mehr als doppelt so groß wie der bisherige belgische Rekordbrand aus dem Jahr 2011, der rund 1.400 Hektar zerstörte. Hunderte am Samstag in Sicherheit gebrachte Bewohnerinnen und Bewohner durften noch nicht in ihre Häuser zurückkehren.
Häuser seien bisher aber nicht beschädigt worden, teilte das Büro des Gouverneurs der Provinz Lüttich mit. Einsatzkräfte aus Deutschland und Luxemburg sowie die Armee und Landwirtinnen und Landwirte unterstützen die belgischen Feuerwehrleute bei den Löscharbeiten. Die EU entsandte nach einem Hilfegesuch Belgiens am Samstag drei Hubschrauber und zwei Löschflugzeuge.
Behörden: Lage „kompliziert“
Die Lage bleibe „kompliziert“, weil der Wind zwar nicht stark sei, aber in der Nacht mehrfach gedreht habe, erklärten die wallonischen Behörden am Sonntag. Laut dem flämischen Fernsehsender VRT zog der Rauch bis zu 80 Kilometer Richtung Westen. Der belgische Premierminister Bart De Wever bedankte sich indessen für den Einsatz der Einsatzkräfte. „Meine Gedanken sind bei allen Betroffenen“, schrieb er am Sonntag auf X.
Bei der Hohen Venn handelt es sich um ein Mosaik aus Torfflächen und Heideland, in dem schweres Gerät oft im Boden versinkt. Den Behörden ist es deshalb noch nicht gelungen, den Ausbruchsort zu erreichen, um Aufschluss über die Brandursache zu erhalten.
Sicherheitsvorkehrungen auch in Deutschland
Kurzzeitig wurde erwartet, dass sich das Feuer auf Teile des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen ausbreiten könnte. Die Behörden der grenznahen Stadt Monschau gaben am Sonntagmittag aber vorerst Entwarnung. Trotzdem wurden Sicherheitsmaßnahmen getroffen.
Teile der Bevölkerung mussten ihre Häuser wegen drohender Rauchbelastung verlassen. Monschau rief Anrainerinnen und Anrainer der Gebiete Plattevenn, Leyloch und Kalterherberg dazu auf, diese Bereiche zu verlassen. Da gesundheitliche Gefahren durch den Rauch nicht auszuschließen seien, sollten die Betroffenen bei Verwandten oder Freunden unterkommen. Auch ein Notquartier wurde eingerichtet.
In der deutschen Gemeinde Hürtgenwald, wo am Freitag rund 1.800 Menschen wegen eines Waldbrands in Sicherheit gebracht werden mussten, entspannte sich die Lage dagegen. Am Samstagabend gaben die Behörden bekannt, dass die Anrainerinnen und Anrainer in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren könnten.
Feuer auf Skyros: Rauch bis Athen
Keine große Entspannung ist bei einem Waldbrand auf der griechischen Ägäis-Insel Skyros abzusehen. „Feuerwehrleute kämpften die ganze Nacht gegen das gewaltige Feuer“ in der Nähe des Küstenorts Atsitsa, das tags zuvor ausgebrochen sei, berichtete der öffentlich-rechtliche Sender ERT am Sonntag.
Mindestens elf Löschflugzeuge und fünf Hubschrauber sind ERT zufolge im Einsatz, um die Flammen zu bekämpfen. Die Löscharbeiten gestalteten sich allerdings schwierig, weil starke, böige Winde über die Insel fegten. Rund 100 Feuerwehrleute seien an Ort und Stelle – viele von ihnen wurden per Schiff auf die Insel gebracht. Der Rauch des Feuers war sogar am Himmel über der 110 Kilometer entfernten Hauptstadt Athen zu sehen.
Brand in Friaul: Ortsteile evakuiert
Auch in der norditalienischen Provinz Udine spitzt sich die Lage wegen eines Waldbrandes weiter zu: Die Behörden ordneten vorsorglich die Evakuierung des Ortsteils Pissebus der Gemeinde Tolmezzo an. Trotz des Einsatzes von Feuerwehr, Zivilschutz, Freiwilligen und Forstbehörden sowie von drei Hubschraubern und einem Löschflugzeug konnte der Brandherd bisher nicht zurückgedrängt werden.
Die Flammen breiteten sich vom Monte Amariana rasch talwärts aus und näherten sich Wohnhäusern und Infrastruktur. In der Nacht auf Sonntag begannen erste Evakuierungen einzelner Häuser. In einer Sporthalle in Tolmezzo wurde eine Notunterkunft eingerichtet. In der Früh wurden die Löscharbeiten aus der Luft wieder aufgenommen. Auch slowenische Einsatzkräfte unterstützen die italienischen Teams.
Es flogen wie schon am Vortag Löschflugzeuge den österreichischen Weißensee in Kärnten zur Wasseraufnahme an, um die Waldbrände nahe Tolmezzo und Illegio sowie bei Chiusaforte zu bekämpfen – mehr dazu in Rauchschwaden ziehen bis nach Kärnten (kaernten.ORF.at).
Kroatien: Verdächtige wegen Brandstiftung festgenommen
In Kroatien gelang es der Polizei unterdessen, vier Verdächtige wegen mutmaßlicher Brandstiftung festzunehmen. Sie würden verdächtigt, „Brände in der Region Zadar ausgelöst zu haben“, teilte die Polizei am Sonntag mit. In der Region im Zentrum der kroatischen Küste waren am Freitag und Samstag mehrere Brände in Olivenhainen und Kiefernwäldern ausgebrochen.
Die vier Verdächtigen wurden nach Polizeiangaben rund 40 Kilometer entfernt von der Hafenstadt Zadar festgenommen, nachdem Anrainer ein „verdächtiges Verhalten“ angezeigt hatten. Das kroatische Strafrecht sieht zwischen sechs Monaten und fünf Jahren Haft für Brandstiftung vor, wenn das Feuer Menschen oder Besitztümer in Gefahr bringt.
Die Polizei ermittelt noch, ob es auch in der Region Omis weiter im Süden Anzeichen für Brandstiftung gibt. Dort starb bei einem Brand in der Nacht zum Freitag ein Mensch, rund vierzig Menschen wurden verletzt.