Am Samstag hatte die israelische Armee im Südlibanon angegriffen, insgesamt starben elf Menschen. Unter den Toten war nach israelischen Angaben Abu Hassan Alaa, ein Mitglied der Badr-Einheit der proiranischen Terrormiliz. Er sei an einem Einsatz von sprengstoffbeladenen Drohnen beteiligt gewesen, durch die israelische Soldaten verletzt wurden. Bei dem zweiten Ziel habe es sich um Ali Samir al-Hadsch Hassan gehandelt, ein Mitglied der Eliteeinheit Radwan.

Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministerium wurden bei dem Angriff auf Hassan ein Wohnhaus in der Ortschaft Ansar getroffen und sieben Menschen getötet, unter ihnen drei Kinder und zwei Frauen. Die israelische Armee erklärte, erst im Nachhinein erfahren zu haben, dass die Familie Hassans bei der Attacke im Haus gewesen sei. Die anderen Familienmitglieder seien nicht das Ziel gewesen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warf der Hisbollah vor, Zivilisten bewusst Gefahren auszusetzen.

Die Hisbollah wies den Vorwurf zurück und erklärte ihrerseits, eine Familie sei auf Netanjahus Befehl „ausgelöscht“ worden. „Netanjahu, gegen den vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gazastreifen ermittelt wird, ist erneut für die Tötung libanesischer Zivilisten verantwortlich“, erklärte die Miliz. Sie drohte Israel mit Vergeltung.

„Keine Rechnung wird offen bleiben“

Der stellvertretende Sonderkoordinator der Vereinten Nationen für den Libanon, Imran Riza, verurteilte den israelischen Angriff. „Kinder und Zivilisten zahlen weiterhin einen inakzeptablen Preis. Das humanitäre Völkerrecht ist eindeutig: Zivilisten müssen jederzeit geschützt werden“, erklärte er.

Der libanesische Präsident Joseph Aoun erklärte, bei dem Angriff sei eine „ganze Familie“ ausgelöscht worden. Ministerpräsident Nawaf Salam sagte, Israel müsse die „gefährliche Eskalation“ beenden. Israel aber bekräftigte, weitere Attacken gegen die Hisbollah ausführen zu wollen, falls diese Israelis gefährdet. „Keine Rechnung wird offen bleiben“, erklärte Verteidigungsminister Israel Katz am Sonntag im Onlinedienst X.

Hisbollah verweigert Entwaffnung

Der Drohnenangriff der Hisbollah, bei dem laut israelischen Angaben drei israelische Soldaten schwer verletzt wurden, soll in Israels „Sicherheitszone“ im Süden des Libanon stattgefunden haben. Diese von der israelischen Armee kontrollierte Zone reicht etwa zehn Kilometer in den Libanon.

Die Hisbollah hatte den Libanon in den von den USA und Israel Ende Februar begonnenen Iran-Krieg hineingezogen, indem sie kurz nach Kriegsbeginn Raketen auf Israel abfeuerte. Israel reagierte darauf mit Angriffen und einer Bodenoffensive, bei der mehr als 4.000 Menschen getötet wurden.

Israel und die libanesische Regierung hatten sich im Juni auf einen Weg zu Frieden und Sicherheit geeinigt. Die proiranische Hisbollah lehnt die Vereinbarung jedoch ab. Die Miliz war nicht an den Verhandlungen beteiligt und weist insbesondere die in dem Abkommen vorgesehene Entwaffnung strikt zurück. Die Attacken vom Samstag sind die folgenschwersten seit der Einigung auf das Rahmenabkommen.

Unsichere Zukunft der Abkommen

Für Anfang September ist in Rom eine weitere Gesprächsrunde in den Verhandlungen über ein Friedensabkommen zwischen Israel und dem Libanon geplant. Doch ob es dazu kommt, ist unklar.

Der libanesische Fernsehsender al-Dschadid stellte unter Berufung auf Militärkreise infrage, ob es angesichts der jüngsten Eskalation überhaupt zu einer weiteren Runde der direkten Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon kommen wird. Für September sei entgegen den bisherigen Erwartungen bisher kein Treffen der Militärdelegationen angesetzt.

Auch das am 17. Juni vereinbarte Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran steht auf der Kippe. In dem Abkommen hatten sich beide Seiten auf ein dauerhaftes Ende des Krieges an allen Fronten verständigt, einschließlich im Libanon.

Das Rahmenabkommen sah vor, dass die USA und der Iran binnen 60 Tagen über Kernpunkte wie das iranische Atomprogramm und die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte verhandeln. Rein rechnerisch lief die 60-Tage-Frist an diesem Wochenende ab. Vermittler Pakistan sowie mehrere Medien sprachen hingegen von Montag als Stichtag.