Bis zu 30 Grad in den Zimmern, manchmal auch darüber – Hitzewellen wie jene Ende Juni bringen die Beschäftigten der Landesgesundheitsagentur (LGA) an ihre körperlichen und psychischen Grenzen. Die Arbeitsleistung ist reduziert, während sich das Konfliktpotenzial spürbar erhöht, weiß Rudolf Zeller, stellvertretender Zentralbetriebsrat, der 27.000 Beschäftigte vertritt.

Kurzfristig seien zwar wichtige Maßnahmen gesetzt worden, wie mehr Trink- oder Duschpausen, Kältetücher für den Nacken oder zum Teil Sonnenschutzfolien an den Fenstern, sagt Zeller, sodass „die Mitarbeiter das Gefühl haben, es tut sich etwas. Aber natürlich ist das für die Zukunft, um die Häuser klimafit zu halten, zu wenig.“ Dafür seien auch Maßnahmen der Klimatisierung nötig, betont er.

Handlungsbedarf bei Bettenstationen

Der Betriebsrat sieht vor allem in den Personalräumen und auf den Bettenstationen Handlungsbedarf: „Die Bettentrakte sind natürlich mit Beschattung, mit Jalousien ausgestattet, aber eine Klimatisierung gibt es bei vielen Standorten nicht.“ Das bekräftigt auch die Patientenanwaltschaft Niederösterreich. Dabei würden Hitze bzw. hohe Raumtemperaturen oft medizinisch negative Folgen nach sich ziehen und könnten zu zusätzlichen Sterbefällen führen.

„Etwas besser könnte es schon sein“ meint auch Stefan Ressl aus Zarnsdorf (Bezirk Scheibbs), der Ende Juni einige Tage im Spital in Scheibbs verbrachte. Für Johann Waxenegger aus Texing (Bezirk Melk) war der Aufenthalt Anfang Juli gerade noch erträglich, aber „wenn man im Spital liegt und sich nicht helfen kann, in Zimmern, wo die Sonne am Nachmittag hineinbrennt, wird es dann schon mühsam“.

Hitzeschutzkonzepte und Checklisten

Die Landesgesundheitsagentur betreibt in Niederösterreich derzeit 27 Kliniken und 50 Pflege- und Betreuungszentren. Wie man sich für die Zukunft rüstet? In einer schriftlichen Stellungnahme verweist man auf Hitzeschutzkonzepte sowie Checklisten und Schulungen der Beschäftigten. „Maßnahmen wie gezieltes Lüften in den Morgen- und Abendstunden, das Verdunkeln der Räume während des Tages sowie der Einsatz von Ventilatoren, Jalousien und Sonnenschutz tragen dazu bei, Kliniken sowie Pflegezentren möglichst kühl zu halten", heißt es.

Ebenso würden etwa Aktivitäten in die Morgen- und Abendstunden verlegt. Und das Pflege- und Betreuungspersonal überwache während Hitzeperioden den Gesundheitszustand sowie die Flüssigkeitsaufnahme von Patientinnen, Patienten sowie Bewohnerinnen und Bewohnern besonders aufmerksam, um mögliche hitzebedingte Belastungen frühzeitig erkennen und rasch entsprechende Maßnahmen einleiten zu können.

Kühlung, aber keine Klimatisierung

Eine Klimatisierung gebe es derzeit nur in den vorgeschriebenen Bereichen, wie OP-Sälen oder Palliativstationen. Die überwiegende Mehrzahl der Standorte sei aber mit Kühlungssystemen wie Raumluftkühlungen oder UV-Schutzfolien auf Fensterflächen ausgestattet, was allerdings keine Klimatisierung darstellt. Klimageräte würden an mehreren Standorten gezielt in Aufenthaltsräumen sowie auch in Ambulanzen und Wartebereichen zum Einsatz kommen.

Welche Mindeststandards derzeit in Spitälern oder Pflegeheimen in Bezug auf Hitzeschutz oder Raumtemperatur gelten und ob diese – sofern vorhanden – heuer immer eingehalten wurden, ließ man in der Stellungnahme unbeantwortet. Das gilt auch für die Frage, wie viele Gebäude derzeit für Hitzewellen ausreichend ausgestattet sind und wie viele gesundheitliche Probleme es auf Grund der hohen Raumtemperaturen in Spitälern und Heimen heuer bisher gab.

Neubau mit „zeitgemäßer Klimatisierung“

Bei Sanierungs- und Neubauvorhaben werde „naturgemäß besonderes Augenmerk auf zeitgemäße Klimatisierung der Gebäude gelegt“, heißt es weiter. Da sich die Standorte hinsichtlich Bauweise, Alter, Größe und technischer Gegebenheiten deutlich unterscheiden, seien individuelle Maßnahmen erforderlich, wobei die LGA betont, dass man nur Betreiber der vom Land zur Verfügung gestellten Einrichtungen sei.

Bis Spitäler und Pflegeheime saniert oder neu gebaut werden, kann es aber viele Jahre dauern. Das neue Universitätsklinikum Wr. Neustadt soll frühestens 2035 in Betrieb gehen, das Klinikum Weinviertel Süd, dass die bisherigen Standorte Stockerau, Korneuburg und Hollabrunn vereinen soll, erst 2040.

Geld von Bund und Land gefordert

Dessen ist sich auch Betriebsrat Zeller bewusst: „Es dauert natürlich, bis der Gesundheitsplan 2040+ umgesetzt ist, aber an den Standorten muss schon jetzt die qualitativ beste Behandlung der Patienten sichergestellt sein, und da gehört auch dazu, dass die Klimafragen nicht hinausgeschoben werden.“ Neben baulichen Maßnahmen seien etwa auch Begrünungen wie Bäume oder Hecken ein Teil der Lösung.

Zeller sieht hier alle gemeinsam gefordert, von der Bauabteilung des Landes bis zu den einzelnen Standorten, um „ein Hitzepaket zu schnüren und Angebote einzuholen. Das geht nicht von heute auf morgen.“ Dennoch sei „ein Umdenken nötig“. Zudem drängt der Betriebsrat nicht nur lang-, sondern auch mittelfristig auf Maßnahmen und ein eigenes Budget von Bund und Land, damit die Gebäude trotz budgetärer Herausforderungen zeitnah an Hitzewellen angepasst werden können.