Die heimische Tourismusbranche verzeichnete im Mai und Juni österreichweit um 1,5 Prozent mehr Nächtigungen, in Niederösterreich weist die Statistik dagegen ein Minus von 3,3 Prozent aus – den stärksten Rückgang aller Bundesländer. Während der Geschäfts- und Gesundheitstourismus – ein in Niederösterreich traditionell starker Bereich – laut Niederösterreich Werbung rückläufig sind, verzeichnen beispielsweise Urlaub am Bauernhof sowie das Vermieten von Privatzimmern und Ferienwohnungen deutliche Zuwächse. In den ersten fünf Monaten des heurigen Jahres gab es in diesem Segment ein Plus von 9,1 Prozent.

Am Bauernhof der Familie Artner in Kleinschönau (Bezirk Zwettl) ist man beispielsweise in den Sommermonaten restlos ausgebucht. Drei Holzfässer für jeweils maximal vier Personen werden hier angeboten, ein Ausbau ist nicht geplant, so Hausherr Andreas Artner: „Wir wollen bewusst so klein bleiben und freuen uns über die Rückmeldung, dass es bei uns so überschaubar und so ruhig ist. Wenn wir noch zwei, drei oder fünf Fässer hierherstellen, dann wäre da auch viel mehr Stress, das wollen wir vermeiden.“

Bauernhof als Rückzugsort

Die Gäste bestätigen das, sie genießen vor allem die Ruhe am Bauernhof, die trotz Ziegen, Hasen, Hühnern und Pferden hier herrscht. Auf einen Fernseher wird bewusst verzichtet. Gabriela Bonini aus der Schweiz macht mit ihrer Familie gerade eine Rundreise durch Österreich und hat sich hier in Kleinschönau eingemietet.

Es gebe im Vergleich mit Hotels hier ein eher kleines Angebot an Spielsachen für ihre beiden Kinder, berichtet sie, aber es sei wunderschön zu beobachten, dass dieses Angebot bei Weitem ausreiche und die Kinder den ganzen Tag beschäftigt seien.

Kurheime und Konjunktur bremsen

Kurzurlaube wie ein Urlaub am Bauernhof boomen in Niederösterreich also. Doch warum ist das Bundesland dennoch Schlusslicht bei den Nächtigungszahlen? Man habe sich das genau angesehen und die einzelnen Segmente analysiert, betonte Michael Duscher, Geschäftsführer der NÖ Werbung, im „NÖ-heute“-Gespräch mit Nadja Mader.

Der Anteil des Gesundheits- und Wirtschaftstourismus sei in Niederösterreich höher ist als in anderen Bundesländern. „Wir haben bei unserer Analyse gesehen, dass wir gerade im Gesundheitsbereich ein Thema haben. Die Hälfte der Nächtigungen, die uns heuer fehlen, sind im Bereich der Kurheime. Das bedeutet, wir hatten heuer einige Umbauten, wir hatten heuer auch eine geringere Nachfrage, was eben die aktive Gesundheitsvorsorge – die Nachfolgeinstitution der Kur – betrifft“, so Duscher.

Im Wirtschaftstourismus beobachte man, dass aufgrund der Konjunktur teilweise auch in Gemeinden rund um Wien weniger Nachfrage herrsche. Der dritte Bereich, der den Rückgang auslöse, seien kleinere Betriebe, die ohne Nachfolge schließen würden, so Duscher.

Strategien gegen Nächtigungsrückgang

Um dem negativen Trend entgegenzuwirken, setze man im Freizeit- und Urlaubstourismus verstärkt auf jene Angebote und Aktivitäten, die derzeit besonders gefragt seien, sagte Duscher. Gleichzeitig wolle man Niederösterreich noch stärker als Gesundheitsland positionieren und dabei insbesondere die private Gesundheitsvorsorge sowie weitere Angebote im Gesundheitsbereich in den Mittelpunkt rücken. Dazu befinde man sich in engem Austausch mit den Gesundheitsbetrieben.

Auch im Wirtschaftstourismus wolle man Akzente setzen, indem Niederösterreich verstärkt als Standort für Seminare und Kongresse beworben werde, betonte Duscher. Generell setze man aber weiterhin darauf, verlorene Nächtigungen durch den Urlaubstourismus wieder hereinzuspielen: „Unsere Bestrebungen gehen natürlich dahin, dass wir das, was wir vielleicht in manchen Segmenten verlieren, durch verstärkten Urlaubs- und Freizeittourismus wieder aufholen und wettmachen, was uns im letzten Jahr eigentlich fast gelungen ist“, so Duscher.