Jede geografische Karte, ob klein oder groß, erzählt eine Geschichte: So zum Beispiel die vom Eurozentrismus. Wenn man eine dreidimensionale Weltkugel auf zweidimensionales Kartenpapier überträgt, entstehen Verfälschungen. Man muss sich entscheiden, was im Zentrum stehen soll. Wenn man dabei Europa in den Mittelpunkt stellt, erscheint Afrika viel zu kurz, Russland viel zu lang.

Das Land Österreich ist im Verhältnis so groß wie Island dargestellt. Auf einer interaktiven digitalen Karte kann man in der Ausstellung in der Sala Terrena des Stifts Klosterneuburg die verschiedensten Problematiken der Weltkartografie als Besucher erkunden.

Alte Karten mit viel Fantasie

Interessant sind die sehr alten Karten, mit den blinden Flecken – Weltkarten, in denen es Amerika und Australien noch gar nicht gibt. Edith Kapeller, Kuratorin der Ausstellung „Karten auf den Tisch“, über das in der Mitte aufgeschlagene kostbare Buch: „Das ist eine Handschrift aus dem elften Jahrhundert. Es sind die ‚Etymologiae‘ des Isidor von Sevilla. …“ "Das ist eine Handschrift aus dem elften Jahrhundert, es sind die „Etymologiae" des Isidor von Sevilla. Er hat in diesem Text versucht, die Welt zu erklären und auch schematisch darzustellen.“

Im Mittelalter wurde die Welt der drei bekannten Kontinente von den Himmelsrichtungen anders dargestellt: Oben Asien, denn von da kommt das Licht, das Heil, da liegt das heilige Jerusalem. Unten links befindet sich Europa und rechts davon Afrika. Nach demselben Prinzip mit Osten im Norden sozusagen funktioniert die Ebstorfer Weltkarte, ein kreisrundes Wimmelbild mit drei Metern Durchmesser aus dem 13. Jahrhundert. Jesus hält die Karte. Damit will gezeigt werden, dass Jesus die Welt ist.

Die Suche nach Erklärungen zur Welt und zu Gott

Die Chorherren waren schon sehr früh an der Welt – und was sie zusammenhält – interessiert. Thaddäus Ploner, Chorherr des Stiftes Klosterneuburg zur Intention dahinter: „Wenn es heißt ‚und Gott schuf den Himmel und die Erde‘, so will man mehr über die Erde wissen, um auch mehr über Gott erfahren.“

Die äußerst umfangreiche und informative Ausstellung ist fast ausschließlich aus Beständen des Stifts Klosterneuburg bestückt. „Das finde ich das Besondere und Spannende, dass die Mitbrüder entweder in die ganze Welt hinaus gegangen sind oder sich für die ganze Welt interessiert haben und sie somit wieder zurück ins Haus geholt haben“, ergänzte Chorherr Thaddäus Ploner.

Österreichs Abenteurer unterwegs

Nicht fehlen dürfen die Abenteurer aus Österreich: Die Österreichisch-Ungarische Nordpolarexpedition, auch Payer-Weyprecht-Expedition genannt, startete 1872 unter der Leitung von Carl Weyprecht und Julius Payer. Sie endete 1874. Zahlreiche Darstellungen, Karten und historische Spiele sind ausgestellt. Und auch Ida Pfeiffer, die als alleinreisende Frau den Orient erkundete, ist eine eigene Vitrine gewidmet.

Wer eine Reise tut, der kann etwas erzählen. Da reicht, erzählt Kuratorin Edith Kapeller, der Weg von Klosterneuburg nach München. „Wir haben hier zwei Tagebücher von zwei Chorherren, die 1835 eine Reise nach München unternommen haben.“ 42 Tage waren die beiden unterwegs. Der Weg war dabei mehr das Ziel, denn viel wird über das Essen und Trinken erzählt.

Die Reise in der Pferde-Eisenbahn

Sie sind auch mit der damals neuen Pferde-Eisenbahn von Wels nach Linz gefahren. Ihr Urteil über dieses Abenteuer fiel sehr unterschiedlich aus. Während Chorherr Maximilian Fischer begeistert schreibt, dass man weder gestoßen noch gebeutelt werde auf der ruhigen Fahrt, zeigt sich Albin Bukowsky völlig abgestoßen von der neuen Erfindung.

Eine noch kürzere Reise unternahm die Klosterneuburger Dienstmagd Anna Wappler. Sie reiste nur für einen Tag nach Wien und brauchte dafür im 19. Jahrhundert einen Reisepass ausgestellt, mit detaillierter Personenbeschreibung, denn Fotos gab es bekanntlich noch keine. Auch dieses amüsante Objekt ist in der Ausstellung „Karten auf den Tisch“ im Stift Klosterneuburg bis Mitte November 2026 zu sehen.