Seit rund zwei Jahren darf die Polizei in Österreich Fahrzeuge von Rasern beschlagnahmen. Zuletzt war das auf Niederösterreichs Straßen in den Bezirken Hollabrunn und Mistelbach der Fall – mehr dazu in Exzessive Raser: Motorrad und Auto beschlagnahmt (noe.ORF.at; 29.7.2026). Trotz des Verlusts des eigenen Fahrzeugs rasen manche weiterhin, allen voran Männer.

Männer würden aus zwei Gründen rasen, sagt Psychologe Norman Schmid, Leiter des Berufsverbandes österreichischer Psychologinnen und Psychologen in Niederösterreich, gegenüber noe.ORF.at: zur Stressbewältigung und als Ausdruck von Männlichkeit und Stärke. Denn für viele Männer gehöre es nach wie vor zum Rollenbild, stark zu sein und Probleme mit sich selbst auszumachen.

Stress und veraltete Rollenbilder als Gründe

„Das sind natürlich alles ungünstige Strategien, die dann leider dazu führen, dass manche Männer im Affekt – wenn sie etwa Streit mit der Partnerin hatten, Stress im Beruf oder andere Problematiken – dazu neigen, das durch besonders intensives, aber auch riskantes Verhalten abzubauen“, so Schmid.

Außerdem sei bei vielen immer noch die Vorstellung vorhanden, dass Männer immer stark sein müssten. „Das ist ein altes archetypisches Konstrukt“, sagt Schmid. Besonders in autoritären Ländern und wegen vermeintlicher Vorbilder, die öffentlich für toxische Männlichkeit einstehen und dadurch bekannt werden, sei diese Idee vorherrschend. „Das tut natürlich auch den jungen Männern nicht gut“, so der Psychologe.

Es bräuchte schon in jungen Jahren positive männliche Vorbilder und Methoden, um die eigenen Emotionen zu verarbeiten, etwa durch Gespräche, Reflexion, Atemtraining oder Sport, sagt Schmid. Auch psychologische Unterstützung in Form von Coaching und Mentoring könne Abhilfe schaffen. Maßnahmen wie diese könnten dafür sorgen, dass Männer gar nicht erst zu Rasern werden.

Österreicher fahren meist zu schnell

Generell sei Zu-Schnell-Fahren aber ein Problem in Österreich, denn es gelte allgemeinhin als Kavaliersdelikt, betont Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV), im Gespräch mit noe.ORF.at. Das sei u.a. auf die – im EU-weiten Vergleich – geringen Strafen und die hohe Behörden- und Gerätetoleranz zurückzuführen.

Es gebe dabei unterschiedliche Schnellfahrer-Typen: Etwa jene, die aus Gewohnheit zu schnell fahren würden, jene, die sich an die anderen Fahrer anpassen würden, rasante Fahrer und Straßenrowdies. Bei all diesen Gruppen sei die überwiegende Mehrheit männlich, so Robatsch.

Maßnahmen wie die Beschlagnahmung des Autos würden zwar helfen, doch die Strafen seien immer noch zu gering, hält der Experte fest. So müsste der Führerschein bereits bei geringeren Geschwindigkeitsübertretungen abgenommen und auch für längere Zeit entzogen werden. Außerdem sollten Geschwindigkeitsüberschreitungen ins Vormerksystem aufgenommen und Straftoleranzen abgeschafft werden, heißt es vom KFV.