Bundesweit gibt es 250 landwirtschaftliche Betriebe, die Sikawild halten. In Niederösterreich sind es 25. Österreich will gegen die Sikawild-Verordnung der EU vorgehen. Es setzt sich bei der Europäischen Kommission für eine Ausnahmeregelung ein. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) ruft alle betroffenen Betriebe auf, sich bis zum 10. August zu melden.

Die Mostviertler Landwirtin Anja Bierbaumer hält gemeinsam mit ihrem Mann auf ihrem Biohof in Ertl (Bezirk Amstetten) Sikawild und Damwild. Auf einer Fläche von acht Hektar leben 35 Sika- und 25 Damtiere, samt Nachzucht. Geht es nach dem Willen der EU, dann darf Sikawild grundsätzlich ab August kommenden Jahres nicht mehr gehalten, gezüchtet oder gehandelt werden.

Bierbaumer, die auch Obmann-Stellvertreterin des Wildtierhalterverbandes Niederösterreich ist, sagt gegenüber noe.ORF.at: „Das würde für uns bedeuten, dass wir heuer schon unsere Sikahirsche rausschießen müssen – vor der Brunft – damit es keine Nachzucht mehr gibt. Zudem müssen wir in weiterer Folge bis Ende nächsten Jahres generell alle Sika keulen.“

Totschnig setzt sich für Ausnahmeregelung ein

Die EU will mit der neuen Sikawild-Verordnung die Natur schützen, Waldschäden verhindern und eine Vermischung mit Rotwild stoppen. Im Landwirtschaftsministerium arbeitet man an einer Ausnahmeregelung. Sie soll die Haltung von Sikawild auf heimischen Betrieben auch künftig ermöglichen. Anja Bierbaumer möchte um diese Ausnahmegenehmigung ansuchen.

Sie hält die in der EU umstrittenen Sikatiere in einem – wie sie sagt – ausbruchssicheren Wildgehege. „Wir haben 2011 mit Damwild begonnen. Damwild ist in der Haltung etwas schreckhafter. Auch die Fleischausbeute ist nicht so groß wie beim Sikawild. Das Sikawild ist, auch von der Fleischqualität her, 1a. Es gibt nichts Besseres als Sikafleisch, auch die Haltung ist einfacher“, erzählt Bierbaumer.

„Furchtbar traurig, wenn wir unsere Tiere keulen müssten“

Für ihren Betrieb ist die Haltung von Sikawild aus wirtschaftlichen Gründen wichtig. Ein kompletter Umstieg wäre auch emotional belastend. „Wir wären furchtbar traurig, wenn wir alle unsere Tiere keulen müssten. Ob wir wieder zum Damwild zurückgehen oder etwas ganz anderes machen, wissen wir noch nicht“, so Bierbaumer. Noch ist ungewiss, ob Österreich von der Europäischen Kommission eine Ausnahmegenehmigung für die Haltung von Sikawild erhält.