Allein im Juli musste die Bergrettung Niederösterreich/Wien bereits 60 Mal ausrücken. Das seien rund ein Drittel mehr Einsätze als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, teilte die Bergrettung am Freitag mit. Im Durchschnitt wären die ehrenamtlichen Einsatzkräfte damit zweimal täglich ausgerückt, wie es heißt. Auch die Zahl der verletzten Personen stieg laut Bergrettung deutlich an.
Gleichzeitig mussten häufiger Menschen gerettet werden, die zwar unverletzt waren, sich aber nicht mehr selbst helfen konnten. Rund ein Drittel aller geretteten Personen sei unverletzt gewesen. Landesleiter Karl Weber sieht einen Grund dafür in der unzureichenden Vorbereitung vieler Bergtouren. Gute Planung, passende Ausrüstung und eine realistische Selbsteinschätzung seien entscheidend für die Sicherheit im alpinen Gelände. Neben klassischen Bergunfällen würden die Einsatzkräfte laut Bergrettung immer häufiger Suchaktionen, medizinische Notfälle sowie Einsätze infolge der sommerlichen Hitze beschäftigen.
Kreislaufprobleme, Erschöpfung, Dehydrierung
Erst vor wenigen Tagen suchten Bergretter gemeinsam mit Alpinpolizei, Suchhunden und einer Drohnengruppe bis in die Nacht nach Jugendlichen im Bereich des Herminensteigs am Schneeberg (Bezirk Neunkirchen). Die Vermissten konnten schließlich unverletzt gefunden werden.
Auch Kreislaufprobleme, Erschöpfung und Dehydrierung würden bei sommerlichen Temperaturen häufiger zu Notfällen führen. So musste etwa kürzlich am Muckenkogel bei Lilienfeld ein Wanderer mit Verdacht auf einen Schlaganfall gemeinsam mit einem Notarzthubschrauber aus schwierigem Gelände gerettet werden.
Wetter kann rasch gefährlich werden
Auch plötzliche Wetterumschwünge hätten in den vergangenen Wochen mehrfach Einsätze ausgelöst. Auf der Rax (Bezirk Neunkirchen) mussten mehrere Alpinisten vor einem aufziehenden Gewitter mit Blitzschlaggefahr in Sicherheit gebracht werden.
Ende Juli wurde zudem eine Klettergruppe auf der Hohen Wand (Bezirk Wiener Neustadt) von einem herannahenden Gewitter überrascht. Weil sich beim Abseilen das Seil verklemmt hatte, musste die Bergrettung eingreifen. Alle Beteiligten blieben unverletzt.
Verletzungen häufigster Alarmierungsgrund
Weber appelliert deshalb, Touren möglichst früh zu beginnen, Wetterprognosen laufend zu verfolgen und bei einer Verschlechterung der Bedingungen rechtzeitig umzudrehen. Verletzungen bleiben laut Bergrettung dennoch der häufigste Grund für Alarmierungen und machen deutlich mehr als die Hälfte aller Einsätze aus.
Zu den jüngsten Einsätzen zählten unter anderem auch die Rettung eines vierjährigen Mädchens nach einem Sturz in den Ötschergräben – mehr dazu in Vierjährige stürzte beim Wandern zehn Meter ab (noe.ORF.at; 30.7.2026).
Mountainbike-Unfälle unter häufigsten Einsatzarten
Aber auch die Bergung eines schwer verletzten Quadfahrers im Bereich der Ötscherlifte forderte die freiwilligen Helfer – mehr dazu in 21-Jähriger mit Quad abgestürzt und schwer verletzt (noe.ORF.at; 30.7.2026.) Zudem musste mehreren verletzten Wanderinnen und Wanderern im Gebiet von Ötscher (Bezirk Scheibbs), Rax und Muckenkogel (Bezirk Lilienfeld) geholfen werden.
Auch Mountainbike-Unfälle zählen weiterhin zu den häufigsten Einsatzarten, wie es am Freitag hieß. Zwar sei deren Zahl gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen, durch höhere Geschwindigkeiten und die zunehmende Verbreitung von E-Mountainbikes komme es aber weiterhin regelmäßig zu schweren Verletzungen.
Bergrettung appelliert
Mit Blick auf den traditionell einsatzstarken August setzt die Bergrettung auf mehr Prävention und appelliert an alle Tourensorgfältig zu planen sowie Wetter, Ausrüstung und die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen.
Wer regelmäßig im alpinen Gelände unterwegs ist, solle seine Kenntnisse laufend erweitern und auf verlässliche Informationsquellen zurückgreifen, hieß es von der Bergrettung.