Sie schlafen eng aneinander gekuschelt, erkunden neugierig ihre Umgebung oder spielen miteinander: Rund 200 Katzen leben derzeit im Tierheim Dechanthof in Mistelbach, etwa die Hälfte davon sind Katzenjunge. Für das 20-köpfige Team bedeutet die jährliche Zeit der Katzenjungen Hochbetrieb.

Einige der jungen Katzen sind erst wenige Wochen alt und benötigen intensive Betreuung. Manche wurden im Tierheim geboren, andere wurden ohne Mutter gefunden und müssen rund um die Uhr versorgt werden. In Mistelbach wurden allein im Frühjahr 15 trächtige Katzen aufgenommen.

„Wir sind voll ausgelastet. Gerade die Pflege der Babykatzen ist sehr zeitintensiv. Manche kommen noch im nicht vergabefähigen Alter zu uns, müssen aufgepäppelt werden. Das heißt, sie müssen alle zwei bis drei Stunden mit der Hand gefüttert werden“, sagte Elisabeth Bock, Obfrau des Tierheims Dechanthof.

In Mistelbach sind derzeit zehn mutterlose Kätzchen nachts bei Pflegepersonen untergebracht. „Man stellt sich einen Wecker, steht auf, richtet das Flascherl her und muss dann schauen, wie viele Babys es sind. Wenn es ein größerer Wurf ist, könnte man am Ende fast schon wieder von vorne anfangen“, erzählte Tierpflegerin Katharina Novotny. Die nächtliche Versorgung sei „ein Knochenjob“.

Kastrationspflicht wird oft nicht eingehalten

Als Hauptgrund für die hohe Zahl an Katzenjungen nennen die Tierheime die unkontrollierte Vermehrung von Freigängerkatzen. Zwar gilt in Österreich eine Kastrationspflicht, diese werde jedoch vielerorts nicht eingehalten.

Tierheime wegen großer Zahl an Katzenjungen voll

Niederösterreichs Tierheime sind gerade mit jungen Katzen überfüllt, das bringt die Beschäftigten in vielen Fällen an deren Grenzen. Allein im Tierheim Dechanthof in Mistelbach zum Beispiel sind gerade circa 100 Kätzchen untergebracht, die aufgepäppelt und gepflegt werden müssen.

„Vor allem auf dem Land, wo sehr viele Katzen draußen leben oder ihre Zeit dort verbringen, ist es so, dass die Leute mit den unangenehmen Nebenerscheinungen bei nicht kastrierten Katern oder Katzen nicht so konfrontiert sind. Manche sagen auch, es sei nicht notwendig, und das würde ohnehin die Natur regeln, aber eigentlich vermehren sie sich dann explosionsartig“, erklärte Bock.

Tierheime in ganz Niederösterreich am Limit

Mit der angespannten Situation ist der Dechanthof nicht allein. Auch andere Tierheime in Niederösterreich melden deutlich mehr Katzen als in den Wintermonaten. Im Tierheim Ternitz (Bezirk Neunkirchen) werden derzeit rund 80 Katzen betreut, während sich der Bestand bei den Pflegeplätzen des Tierschutzvereins Amstetten seit April fast vervierfacht hat. Auch das Tierheim Krems berichtet von deutlich mehr Anfragen zur Abgabe von Katzen. Die Einrichtungen sprechen von einer landesweiten Entwicklung und führen diese ebenfalls auf die vielerorts nicht eingehaltene Kastrationspflicht zurück.

Wie angespannt die Situation ist, zeigt sich auch im Tierheim St. Pölten. „Es fehlt an allen Ecken und Enden“, sagte Obmann Thomas Kainz. Benötigt würden derzeit vor allem Geldspenden für Tierarztkosten, aber auch Spezialfutter sowie Aufzuchtmilch.

Ältere Katzen warten länger auf ein Zuhause

Ab einem Alter von rund neun Wochen können die Katzenjungen vermittelt werden. Während sich für die Jungtiere meist rasch Interessenten finden, warten ältere Katzen oft deutlich länger auf ein neues Zuhause. „Die Älteren bleiben doch ein bisschen sitzen. Im Sommer sind es vor allem Katzen ab einem Jahr, die ein bisschen untergehen“, sagt Novotny.

Trotz der hohen Auslastung appelliert das Tierheim, Katzen im Notfall nicht auszusetzen, sondern sich an ein Tierheim zu wenden. „Das Problem ist, wenn wir Nein sagen würden, dann wissen wir, dass diese Tiere eigentlich dem Tod geweiht sind“, so Bock.

„Wir sind den Tieren verpflichtet, und da ist es für uns immer ein Notfall, darum sagen wir auch nicht nein. Sogar wenn eine Katze aus anderen Gründen abgegeben wird, ist es für uns auch ein Notfall. Denn wenn der Besitzer das Tier nicht mehr haben möchte, dann ist das auch für das Tier schlimm.“