Spazierengehen an der Donau, Zeit mit anderen Kindern verbringen und für einige Wochen nicht an Luftalarm und Bomben denken müssen: Für 21 Kinder aus der stark umkämpften ukrainischen Region Charkiw ist Ybbs an der Donau (Bezirk Melk) derzeit ein Ort der Erholung. Sie alle sind an Krebs erkrankt und haben eine Chemotherapie hinter sich.

Die Kinder sind zwischen acht und 17 Jahre alt. Gemeinsam mit drei Betreuerinnen verbringen sie drei Wochen in Niederösterreich. „Ich bin nach meinen Schmerzen hierhergekommen, um mich zu erholen und liebe es hier“, sagt die 14-jährige Svetlana. Die Kinder machen viele Ausflüge im Land, werden aber auch medizinisch versorgt.

Pause von Krankheit und Krieg

Für viele der Kinder ist die Reise nach Österreich nicht nur eine medizinische und soziale Unterstützung, sondern auch eine Pause von dem Krieg. „Ich kann mich hier entspannen und fühle mich dadurch lebendig“, sagt der 13-jährige Misha. Die 13-jährige Christina schließt sich an: „Wir sind sehr glücklich. Wir kommen ja aus Charkiw. Für Erholung ist das hier ein guter Ort.“

Die Kinder würden sich hier sicherer fühlen und bekämen eine Auszeit von den Bombenanschlägen, heißt es. „Gestern gab es eine Sirene und die Kinder haben gewusst, das ist nicht Charkiw, es kommen keine Bomben und alles ist okay“, sagt Victoria Koval, Ärztin eines Krankenhauses in Charkiw und eine der Begleiterinnen. Die Kinder könnten hier ein Stück Normalität erleben.

Medizinische Hilfe für zu Hause

Projektleiter Franz Brachinger weist darauf hin, dass sich die medizinische Versorgung in der Ukraine durch den Krieg verschlechtert habe. „Die Kinder bekommen von uns auch Medikamente, die sie mit nach Hause nehmen können“, sagt Brachinger. Außerdem würden augenärztliche, zahnärztliche und allgemeinmedizinische Untersuchungen durchgeführt.

Der Aufenthalt in Ybbs könne Krankheit und Krieg zwar nicht beenden, schenke den Kindern aber Kraft für die Rückkehr in ihren Alltag, so Koval. Das Hilfsprojekt wurde nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl von Franz Brachinger gegründet und finanziert sich über Spenden. Heuer wurde bereits das 500. Kind in Ybbs begrüßt.