An heißen Sommertagen wird das Höllental (Bezirk Neunkirchen) für viele Menschen zum Zufluchtsort vor der Hitze. Die Schwarza, schattige Wälder und steile Felswände machen das Tal zu einem beliebten Ausflugsziel.

Während sich der Andrang Sonntagmittag beim Lokalaugenschein von noe.ORF.at noch in Grenzen hielt, zeigen Handyaufnahmen von Anrainern von besonders heißen Tagen Ende Juni ein anderes Bild: volle Parkflächen, Autos, die in die Fahrbahn ragen, dichtes Verkehrsaufkommen und zahlreiche Badegäste entlang der Schwarza. Gerade diese Spitzentage beschäftigen Gemeinden, Tourismusbetriebe und Grundeigentümer seit Wochen.

Sensibles Quellschutzgebiet ohne Infrastruktur

Für Reichenaus (Bezirk Neunkirchen) Vizebürgermeister Michael Sillar (ÖVP) liegt die besondere Herausforderung in der Kombination aus hoher Besucherzahl und den Gegebenheiten vor Ort. Das Höllental sei ein sensibles Natur- und Quellschutzgebiet, gleichzeitig gebe es dort keine Infrastruktur wie Parkplätze, Müllbehälter oder Toilettenanlagen. Daraus würden Konflikte entstehen.

Gemeinsam mit Bezirkshauptmannschaft, Polizei, Tourismus, Grundeigentümern – wie etwa der Stadt Wien – und weiteren Beteiligten wird deshalb nach Lösungen gesucht. Diskutiert werden unter anderem zusätzliche Halte- und Parkregelungen sowie Maßnahmen zur Besucherlenkung. Vorrangig gehe es zunächst darum, bestehende Vorschriften konsequenter durchzusetzen.

Tagesausflügler statt klassischer Tourismus

Der Touristiker Bernd Scharfegger sieht gegenüber noe.ORF.at die Ursachen der Probleme vor allem im starken Naherholungsverkehr. Viele Menschen kämen für einen Tagesausflug ins Höllental, ohne touristische Angebote der Region zu nutzen.

Gleichzeitig würden manche Besucher ihren Müll zurücklassen oder sich nicht an die Regeln im Naturraum halten. Wer in die Natur komme, müsse mitgebrachte Verpackungen und Abfälle auch wieder mitnehmen, fordert Scharfegger.

Er begrüße grundsätzlich, dass immer mehr Menschen das Höllental entdecken. Voraussetzung sei jedoch ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Naturraum. Offenes Feuer oder Grillen im Wald seien angesichts der geltenden Waldbrandverordnung nicht akzeptabel, sagt Scharfegger.

Naturfreunde unterscheiden zwischen Wanderern und Badegästen

Hubert Prigl, Vorsitzender der Naturfreunde-Ortsgruppe Reichenau, beobachtet die Entwicklung seit Jahren. Aus seiner Sicht seien nicht Wanderinnen und Wanderer das Problem. An besonders heißen Tagen würden vielmehr Badegäste in großer Zahl ins Höllental kommen. Dadurch werde der Parkraum knapp und es komme zu schwierigen Verkehrssituationen. Einzelne Besucher würden außerdem Müll zurücklassen.

Kurzfristig wünscht sich Prigl vor allem konsequente Parkverbote entlang von Wanderwegen und deren Kontrolle. Langfristig sieht er aber vor allem Aufklärungsarbeit. Die große Mehrheit verhalte sich richtig, einzelne würden jedoch vergessen, ihren Müll wieder mitzunehmen.

Erinnerung an den größten Waldbrand Österreichs

Ein zentrales Thema bleibt der Brandschutz. Für den Bezirk Neunkirchen gilt derzeit aufgrund der Trockenheit eine Waldbrandverordnung. Offenes Feuer sowie das Rauchen im Wald und in dessen Gefährdungsbereich sind verboten.

Die Erinnerung an den Waldbrand im Jahr 2021 ist in der Region noch präsent. Damals entwickelte sich im Rax-Schneeberg-Gebiet der größte Waldbrand Österreichs – mehr dazu in 2021: Waldbrand zeigte Helfern Grenzen auf (noe.ORF.at; 20.12.2022). Sillar erinnert gegenüber noe.ORF.at daran, dass tagelang Feuerwehren und Bundesheer im Einsatz standen. Die Sorge sei groß, dass sich ein solches Ereignis wiederholt.

Besucherlenkung statt Zugangsbeschränkung

Von Zufahrtsbeschränkungen für bestimmte Besuchergruppen hält Sillar wenig. Vielmehr gehe es darum, bestehende Regeln konsequent einzuhalten und Lösungen zu entwickeln, die Natur, Quellschutz und Erholung gleichermaßen berücksichtigen. Auch eine stärkere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel könne dazu beitragen, den Verkehr im Tal zu reduzieren.