Der Todesfall in der Justizanstalt Hirtenberg im Dezember rüttelte zuletzt das gesamte Strafvollzugssystem wach: Ein 30-jähriger psychisch kranker Häftling sollte verlegt werden. Zwischen dem Insassen und Justizwachebeamten soll es zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen sein, wenig später starb der junge Mann. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwölf Justizwachebeamte – mehr dazu in Toter Häftling: Schwere Vorwürfe gegen Justizwache (noe.ORF.at; 27.1.2026).
Für Aufsehen und Kritik sorgten auch zwei Vorfälle in der Justizanstalt Stein: Im März nahm sich ein Insasse in der Hochsicherheitsabteilung das Leben – mehr dazu in Suizid in Stein: Ermittlungen gegen zwei Beamte (noe.ORF.at; 19.3.2026). Im Juli wurden zwei Justizwachebeamte von einem Häftling schwer verletzt – mehr dazu in Häftling verletzte Justizwachebeamte schwer (noe.ORF.at; 17.7.2026).
Kritik an Überbelag
Personalvertreter der Justizwache sprechen immer wieder von chronischer Überbelegung und Personalmangel sowie von Mängeln bei der medizinischen und psychiatrischen Versorgung der Insassen.
Der Überbelag sei in ganz Österreich zu verzeichnen, so Erich Huber-Günsthofer, Leiter der Justizanstalt Stein im „NÖ heute“-Interview: „Wenn die Raumressourcen immer weniger werden, die Menschen immer mehr werden, das Personal sehr knapp ist, dann sind das natürlich die größten Herausforderungen.“
„Der Strafvollzug hat keine Lobby“
„Der Strafvollzug hat keine Lobby“, meint Huber-Günsthofer, angesprochen auf politische Versäumnisse, „die Bediensteten nicht, die Insassen schon gar nicht. Letztendlich wäre es doch gut, wenn budgetäre Mittel da wären und natürlich auch der Personalstand in der Justizwache, aber auch bei den Fachdiensten erhöht wurde. Denn nur dann kann man von einem guten Betreuungsvollzug sprechen und letztendlich die Menschen in die Freiheit wieder entlassen, sodass ein Rückfall möglichst vermieden wird.“
Der Personalmangel bei der Justizwache lasse sich mit den derzeitigen Kursen nicht auffüllen: „Die Frau Minister (Sporrer, Anm.) hat zwar in allen Außenstellen der Strafvollzugsakademie einen Kurs mehr für den Herbst angesetzt. Trotzdem ist es für uns schwer, den Personalstand zumindest so weit aufzufüllen, dass die Planstellen innerhalb der Justizanstalt Stein befüllt werden“.
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„Psychiatrieversorung lukrativer machen“
Eine weitere Herausforderung: Psychische Erkrankungen seien im Steigen. „Eine Justizanstalt ist ein Spiegelbild der Gesellschaft“, so Huber-Günsthofer. Die psychiatrische Versorgung sei in Österreich „verbesserungswürdig“.
Seine Forderung an die Politik sei, „die Psychiatrieversorgung einfach zu verbessern und wieder lukrativ zu machen. Denn man muss sich vorstellen, auch bei der Rekrutierung von Ärzten tun wir uns sehr, sehr schwer. Warum? Die meisten Psychiater sind Wahlärzte und haben natürlich ein Gehaltsniveau, das im öffentlichen Dienst nicht geboten werden kann.“
Entlastung angekündigt
Die Justizministerin kündigte Entlastung für den Strafvollzug an. Wie diese aussehen wird, werde derzeit im Rahmen eines Maßnahmenpakets erarbeitet, hieß es aus dem Ministerium. Dabei gehe es etwa um Alternativen zu kurzen unbedingten Haftstrafen oder neue Ansätze bei der Bestrafung von Jugendlichen. Im Herbst soll das Paket laut Ministerium mit den Koalitionspartnern abgestimmt werden.