Ein Hackerangriff legte im Februar 2025 das Rathaus von Tulln lahm. Das Bürgerservice konnte nicht mehr auf die eigenen Server zugreifen, alle Daten waren verschlüsselt. In Fällen wie diesen braucht es Cybercrime-Ermittlerinnen und -Ermittler – mehr dazu in Hackerangriff auf Stadtgemeinde Tulln (noe.ORF.at; 11.2.2025).

„Die Entwicklungen im Cybercrime-Bereich sind sehr dynamisch. Die Strafverfolgungsbehörden haben massive Probleme, die richtigen Damen und Herren zu finden. Deshalb muss man auch den Hochschulbereich miteinbeziehen, der sich tagtäglich damit beschäftigt“, betont Michael Fischer, Leiter der Fakultät Sicherheit an der Fachhochschule Wiener Neustadt.

Deshalb wurde an der Fachhochschule Wiener Neustadt der Lehrgang „Cyber Crime Investigation“ ins Leben gerufen. In diesem setzen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwei Semester lang mit allen Facetten von computerunterstützten Straftaten auseinander.

Simulation von Hackerangriffen

Die Inhalte des Lehrgangs wurden in enger Abstimmung mit der Polizei festgelegt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen unter anderem, wie man Computersysteme schützt, wie Täter vorgehen und wie man digitale Spuren sichert.

Der Lehrgang richtet sich an Quereinsteiger, aber auch an Finanzermittler, Cyber-Abwehr-Kräfte des Bundesheeres oder spezialisierte Staatsanwälte sowie Richterinnen. „Wir haben Cybercrime-Ermittler, aber auch digitale Forensiker im Lehrgang sitzen, die kommen aus ganz Österreich. Der bundesweite Austausch ist wichtig“, sagt die Lehrgangsverantwortliche Jennifer-Marieclaire Sturlese.

„Der Cybercrime-Absolvent sollte Architektur verstehen. Das heißt, er muss einen Angriff vom Entstehungsprozess bis zur Analyse zum Nachweis bringen. Da ist sehr viel forensische Arbeit dabei. Es geht nicht darum, konkrete Werkzeuge bis ins Detail zu kennen, wir haben heutzutage KI dazu, die uns hilft“, schildert Jürgen Lorenz, Technischer Vortragender.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer simulieren im Lehrgang auch reale Hackerangriffe. Nach Abschluss des Lehrgangs dürfen sie sich akademisch geprüfter Cybercrime-Experte nennen – und können im Idealfall dazu beitragen, dass Angriffe wie jener auf das Tullner Rathaus aufgeklärt werden oder gar nicht erst passieren.