Die derzeitigen Temperaturen machen Bauer und Ernte gleichermaßen zu schaffen. Bei einem Lokalaugenschein der ZIB 2 in Großkadolz (Bezirk Hollabrunn) in Niederösterreich sind die Folgen der Hitzeperiode deutlich zu sehen. Landwirt Maximilian Hardegg erntete ein Weizenfeld bereits ab, die Bilanz: 40 Prozent weniger Ertrag, denn dem Boden fehlt es an Wasser. „Da sehen wir, es ist ein sehr schöner schwarzer Boden. Aber wir sagen hier null Prozent wassergesättigt. Kein Wasser mehr drinnen, ganz trocken, wie Sand.“ Der Mais steht derzeit noch am Feld – aber auch hier wird eine unterdurchschnittliche Ernte erwartet.

„Wir stehen hier in einem vormals schönen Maisfeld, aber Sie sehen, was diese Hitze und vor allem auch die Trockenheit angerichtet hat mit Mais. Er sollte ja über zwei Meter hoch sein und ist knapp brusthoch und hat kaum Kolben angesetzt. Also hier steuern wir auf eine wirklich große Missernte zu“, so der Landwirt im Gespräch mit dem Reporter.

Lorenz Mayr, Vizepräsident und designierter Präsident der Landwirtschaftskammer NÖ, geht vor allem bei jenen Kulturen die aktuell noch am Feld stehen, von massiven Einbußen aus, wie er im Interview mit Armin Wolf sagt. „Kürbis, Soja oder ähnliche oder andere Kulturen auch noch, die jetzt unter der Hitze leiden und gewaltig an Ertrag verlieren werden. Hier gehen wir von Einbußen um 70, teilweise sogar 80 Prozent aus oder bis hin zu Totalausfällen.“

Dürre setzt Landwirtschaft massiv zu

Rekordhitze und Trockenheit führen in der Landwirtschaft zu deutlichen Ernteausfällen. Die Getreideproduktion liegt laut Agrarmarkt Austria deutlich unter dem Vorjahr und dem Fünf-Jahres-Durchschnitt. Auch auf Almen fehlt Wasser und Futter, Tiere müssen früher zurück auf die Höfe. Versorgungsengpässe seien wegen ausreichender Lagerbestände aber nicht zu erwarten.

Auswirkung auf Lebensmittelpreise „mit Sicherheit“

In manchen Gegenden hätte der Ertragsrückgang bei Weizen bis zu 50 Prozent betragen, sagte bereits am Mittwoch AMA-Chef Günter Griesmayr bei einer Pressekonferenz in Wien – mehr dazu in Dürre: Hohe Einbußen bei Getreideernte (news.ORF.at; 5.8.26). Trotz der geringeren Getreideernte würden „ausreichend Mengen für die Herstellung von Brot, Mehl und Backwaren zur Verfügung“ stehen, das bestätigt auch Mayr in der ZIB 2, doch die Ernteeinbußen und -ausfälle werden auch Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise haben.

„Man wird das mit Sicherheit wo spüren. Wir schauen uns jetzt zum Beispiel Erdäpfelerträge an. Wenn wir reingraben und sehen, dass wir hier ein Drittel von der Erntemenge haben, die wir in einem normalen Jahr einfahren können – und natürlich wird das Auswirkungen haben. Wir haben wirtschaftlich schwere Situationen hinter uns, vor allem im Ackerbaugebiet, wo wir in den letzten Jahren die wirtschaftliche Lage sehr schwierig gehabt haben und brauchen jetzt diese Preissteigerungen, damit die Betriebe die hohen Kosten, die durch Dünger oder durch hohe Dieselpreise entstanden sind, auch ausgleichen können.“

Mayr: Bauern „Hauptbetroffene des Klimawandels“

Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, warnt vor massiven Ernteausfällen durch Hitze und Dürre, betont aber, dass die Lebensmittelversorgung gesichert sei. „Wir sind die ersten Hauptbetroffenen, die den Klimawandel spüren“, sagt Mayr. Er fordert kurzfristige Unterstützung für landwirtschaftliche Betriebe sowie langfristige Investitionen in Wasserinfrastruktur und klimafitte Landwirtschaft.

Landwirte fordern Ausgleichszahlungen

Die Milchbauern forderten diese Woche bereits eine Ausgleichszahlung von 300 € pro Kuh aus dem Katastrophenfonds, auch Mayr spricht von einer wirtschaftlich schwierigen Lage und rechtfertigt die Forderung nach Ausgleichszahlungen oder Dürre-Paketen.

„Wie die genau aussehen werden, muss man sich jetzt noch anschauen. Auf der einen Seite geht es hier um Unterstützungen bei Zahlungen, eventuell auch Stundungen der unterschiedlichen Beiträge und Hilfe für die Betriebe, denn: wirtschaftlich ist das Jahr – auf der einen Seite die starke Hitze, die uns Probleme macht – aber wirtschaftlich die hohen Kosten, die wir durch den Iran-Krieg und dementsprechend hohe Dünger- und Dieselpreise einfahren haben müssen, die nicht kostendeckend sind, herausfordernd. Und jeder Euro, der in die Landwirtschaft jetzt investiert wird, ist ein guter Euro für die Zukunft, damit wir die Lebensmittelversorgung in Österreich aufrechterhalten können.“