Frauen arbeiten im Schnitt mehr als Männer – allerdings den Großteil davon unbezahlt, im Haushalt, bei der Pflege von Angehörigen oder der Betreuung der Kinder – mehr dazu in Frauen arbeiten mehr als Männer (news.ORF.at; 18.12.2023).
Im bezahlten Job ist fast die Hälfte der Frauen in Teilzeit. Der Gedanke an die Auswirkungen auf die Pension ist dabei für viele noch sehr weit weg. „Es wird nicht nur unterschätzt, sondern es ist für sie überhaupt kein Thema“, sagt Margareta Selch. Sie ist Leiterin der AMS-Geschäftsstelle Lilienfeld und beschäftigt sich in dieser Funktion auch viel mit Themen rund um Gleichberechtigung, „und darin sehe ich eigentlich auch unsere Aufgabe im AMS, zu informieren, zu sensibilisieren für dieses Thema, zu beraten und auch wirklich frühzeitig anzusetzen.“
Typische Frauenberufe häufig schlechter bezahlt
Das beginne schon bei der Berufsorientierung, „also wirklich vorausschauende Auswahl der Ausbildung und der möglichen Jobs, bis hin zum zweiten Bildungsweg.“
Denn der Pensionslücke geht statistisch gesehen eine Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen voraus. Dafür verantwortlich sind verschiedene Faktoren. Unter anderem sind Branchen und Berufe, in denen viele Frauen arbeiten, häufig schlechter bezahlt, sagt Selch.
Altersarmut ist weiblich
Eine Niederösterreicherin bekommt derzeit im Schnitt 1.678 Euro Pension (brutto). Das sind fast 40 Prozent weniger als ein Mann in Niederösterreich (2.778 Euro). Altersarmut ist damit häufig weiblich, betonte zuletzt etwa auch die Arbeiterkammer Niederösterreich. Deren Präsident Markus Wieser fordert etwa die konsequente Umsetzung der Entgelt-Transparenz-Richtline der EU sowie eine finanzielle Aufwertung frauendominierter Branchen und ein gesetzliches Recht auf Vollzeitarbeit.
Immerhin: Der „Equal Pension Day“ verschiebt sich langsam nach hinten. 2015 war in Niederösterreich noch der 21. Juli der Stichtag. Österreichweit liegt der Stichtag heuer am 9. August, also ein Tag später als in Niederösterreich. In Wien ist der Unterschied der Bruttopensionen zwischen Frauen und Männern aktuell am niedrigsten.
Mehr Kinderbetreuung und faire Arbeitsteilung gefordert
Um die Gehalts- und Pensionslücke weiter zu verringern, brauche es laut AMS-Expertin Selch sowohl geeignete strukturelle Rahmenbedingungen – etwa ausreichende Kinderbetreuungsangebote, eine gut ausgebaute Mobilitätsinfrastruktur und vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten – als auch eine faire Aufteilung unbezahlter Betreuungs- und Haushaltsarbeit innerhalb der Familie sowie kontinuierliche Aus- und Weiterbildung bis zum Pensionsantritt.
Die zuständige Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) verwies in diesem Zusammenhang etwa auf die „Betreuungsoffensive“ des Landes sowie Initiativen zur Steigerung der Finanzkompetenz sowie zur Steigerung des Interesses der Mädchen für technische bzw. handwerkliche Berufe bei.
Pensionssplitting für Eltern möglich
Zudem betonte sie die Möglichkeit des Pensionssplittings für Paare mit Kindern: „Das bedeutet, dass jener Elternteil, der die Kinder nicht überwiegend erzieht und erwerbstätig ist, für die ersten vier Jahre nach der Geburt des Kindes bis zu 50 Prozent seiner Teilgutschrift auf das Pensionskonto des Elternteils, der sich der Kindererziehung widmet, übertragen lässt.“ Die Übertragung muss bis zur Vollendung des siebenten Lebensjahres des Kindes bei der Pensionsversicherungsanstalt beantragt werden.
NEOS fordert in einer Aussendung zudem den Ausbau von Tagespflegeeinrichtungen und der Kinderbetreuung. „Solche Angebote ermöglichen es Menschen, Betreuung und Beruf besser zu vereinbaren, und sorgen dafür, dass Sorgearbeit nicht länger auf den Schultern einzelner Familienmitglieder liegt“, sagt Gesundheitssprecherin Edith Kollermann.