Richard Windbichler war in seiner aktiven Karriere das, was man gerne als Weltenbummler bezeichnet. Neben mehr als 100 Bundesligaspielen für die Admira und Austria Wien stehen Klubs aus Dänemark, Südkorea, China, USA und Australien in seinem Lebenslauf. Die SG Ortmann/Oed-Waldegg (Bezirk Wiener Neustadt) ist Windbichlers erste Station als Cheftrainer. Und eines stellt der 35-Jährige im Gespräch mit noe.ORF.at sofort klar:
„Der Star bin sicher nicht ich. Ich bin eigentlich auch schon lange weg von der Bildfläche. Ich komme nicht her und sage, nur weil ich eine Karriere gehabt habe, bin ich der große Zampano und erkläre jedem, wie es geht. Ich füge mich einer Mannschaft unter und wir ziehen gemeinsam an einem Strang“, erklärt Windbichler, der den Schritt von der großen Fußballwelt zurück in die Landesliga ganz bewusst geht.
Die Titelfavoriten: Ebreichsdorf und Wiener Neustadt
„All die Erfahrungen, die ich gemacht habe, die brauchen Sinn und Zweck. Nur, dass ich eine schöne Zeit gehabt habe, ist zu wenig“, ist Windbichler überzeugt. Und er ergänzt: „Ich habe das Gefühl gehabt, ich kann in Ortmann etwas bewegen. Die Leute hören mir zu und das ist ein schönes Gefühl. Hoffentlich werden sie durch meine Arbeit alle ein bisschen besser und ich natürlich auch.“
Der Meistertitel ist für Ortmann in dieser Saison kein Thema. Die Favoritenrolle liegt – da sind sich fast alle Spieler und Trainer einig – bei Ebreichsdorf (Bezirk Baden) und Wiener Neustadt. Wolfgang Heidenreich, Sportlicher Leiter bei den Ebreichsdorfern, versucht auch gar nicht erst, sich gegen die Rolle als Titelkandidat zu wehren. „Wir haben eine Mannschaft, mit der wir sicher um den Titel mitspielen wollen. Aber es gibt andere Vereine, die da etwas dagegen haben.“
Weinstabl spürt „Hass“ im Neustädter Umfeld
Zu diesen Vereinen gehört auch Wiener Neustadt. Alle Jahre wieder wird der ehemalige Bundesligist als Mitfavorit im Titelkampf genannt – und ist bisher immer leer ausgegangen. Heuer soll es endlich mit der Rückkehr in die Regionalliga klappen. Trainer Robert Weinstabl wünscht sich dafür aber mehr Rückhalt vom Publikum und richtet überraschend deutliche Kritik an das Neustädter Umfeld.
„Man hat den Eindruck, als würde man dem Verein keinen Erfolg gönnen. Ich sage bewusst, es fühlt sich teilweise schon wie Hass an“, findet Weinstabl klare Worte. „Es liegt aber an uns. Wenn wir gute Leistungen zeigen und Ergebnisse bringen, dann haben wir hoffentlich wieder mehr Fans im Stadion“, so der 42-Jährige.
Hohenau/Hausbrunn plant den Durchmarsch
Und dann gibt es noch eine Mannschaft, die sich ins Titelrennen einmischen möchte, mit der aber kaum jemand gerechnet hätte. Aufsteiger Hohenau/Hausbrunn (Bezirk Gänserndorf) will nach dem Meistertitel in der 2. Landesliga Ost den Durchmarsch in die Regionalliga schaffen. Trainer Matej Mitrovic erklärt auch, warum. „Für uns ist die 1. Landesliga unattraktiv. Wir haben keine Derbies und die Reisen sind weit. In spätestens zwei Jahren wollen wir aufsteigen.“
Eine der jüngsten Mannschaften schicken die Amstetten Amateure ins Rennen. Nach dem Meistertitel in der 2. Landesliga West darf der „Kindergarten“ von Trainer Gernot Krimberger heuer erstmals bei den Großen mitspielen. „Gott sei Dank gibt es in der Liga noch andere Kindergärten. Die sind aber schon länger dabei und wissen, wie der Hase läuft. Das müssen meine Burschen noch lernen“, so Krimberger.
Ybbs noch „weit von Normalität entfernt“
Eine emotionale Saison wird es für Ybbs (Bezirk Melk). Es ist die erste nach dem tragischen Tod von Robert Kaminger. Der 29-Jährige wurde im Derby gegen Kilb Anfang Mai wegen Brustschmerzen ausgewechselt und verstarb wenig später im Spital. Thomas Kaminger spielt ebenfalls für Ybbs und ist Kapitän. Der überraschende Tod seines Bruders war ein Schock, den er bis heute nicht überwunden hat.
„Von Normalität bin ich noch weit entfernt. Es war eine sehr schwere Zeit. Deswegen war an Fußball am Anfang auch nicht zu denken.“ Trotzdem freut sich Kaminger auf die neue Saison. Nachdem die halbe Liga aus dem Mostviertel kommt, stehen viele Derbies bevor. „Das größte Match ist natürlich das gegen Wieselburg. Darauf freuen sich auch die Fans am meisten“, so Kaminger.