Immer mehr Menschen verzichten auf Alkohol, besonders der Rotweinkonsum geht zurück. Für viele Winzerinnen und Winzer wird das zunehmend zum Problem, denn der Lagerraum wird knapp. „Das spüren auch die niederösterreichischen Rotweinregionen wie Carnuntum, das Pulkautal oder die Thermenregion“, sagt der Präsident des niederösterreichischen Weinbauverbandes, Reinhard Zöchmann.
Auch das Burgenland sei betroffen. Wegen der angespannten Situation spricht sich der Österreichische Weinbauverband nun für eine Krisendestillation von bis zu zehn Millionen Litern Rotwein aus. „Damit will man den Markt entlasten“, erklärt Zöchmann.
EU-Fördermittel bei Krisendestillation
Bei einer Krisendestillation wird die marktunfähige Ware, also alles, was sich nicht mehr verkaufen lässt, zu Industriealkohol verarbeitet. Dieser wird üblicherweise für medizinische Zwecke oder Reinigungsmittel verwendet.
Damit die Maßnahme wirtschaftlich sinnvoll ist, muss allerdings ein entsprechender Antrag der Europäischen Union genehmigt werden. Denn dann gibt es bei einer Krisendestillation Fördermittel aus einem EU-Krisentopf für die Landwirtschaft. „Ansonsten ergibt eine Destillation wenig Sinn“, sagt Zöchmann. In Frankreich und Deutschland wurden entsprechende Anträge bereits genehmigt.
Unsichere Situation wegen Trockenheit
Bevor der Antrag gestellt wird, müsse man die Situation in Österreich genau erheben, sagt der Präsident des niederösterreichischen Weinbauverbandes. Man wolle noch die Herbsternte abwarten, um sicherzugehen, dass es bei einem Überschuss von zehn Millionen Litern bleibt.
„Wir hängen gerade komplett in der Luft“, sagt Zöchmann. Wegen der Trockenheit sei die Situation sehr unsicher. „Ein totaler Ernteausfall könnte auch zu weniger Rotwein führen.“ Davon gehe man aber nicht aus.