Der Zusammenhalt in Kematen an der Ybbs ist nach dem verheerenden Wohnhausbrand groß, wie ein Lokalaugenschein von noe.ORF.at am Freitag zeigt. Im Gemeindezentrum liegen Essen, Getränke und Gewand bereit, ein Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes ist ebenfalls vor Ort. Die Caritas zahlt Soforthilfe aus.
Am Donnerstag sei es vor allem darum gegangen, für die Menschen rasch eine Unterkunft zu organisieren. „Die Menschen haben bei Verwandten und Bekannten genächtigt. Wir haben alles aufgerufen, wo eine Schlafmöglichkeit ist. Eine Dame hat sogar ihre Wohnung freigegeben und ist zu ihrem Vater gezogen“, erzählt Bürgermeisterin Juliane Günther (ÖVP).
„Man sieht: Die Hilfsbereitschaft in Kematen ist groß.“ Jetzt werde mithilfe einer Genossenschaft nach 24 Ersatzwohnungen gesucht. Die Bürgermeisterin ist jedenfalls überzeugt, dass alle Menschen untergebracht werden können.
Verzweiflung bei Betroffenen groß
Am Tag nach dem Brand ist die Verzweiflung jedenfalls groß. „Wir sind acht Personen, fünf Kinder, ich weiß noch nicht, wie es weitergeht. Wir schlafen gerade aufgeteilt, aber wir hoffen, dass wir heute oder morgen eine Wohnung bekommen“, erzählt etwa Angelika Schaup. Hoffnung, Trost und Zuhörer gibt es im Gemeindezentrum. „Die freiwilligen Helfer sind wahre Engerl. Danke, das sind die Engerl für mich“, so Schaup.
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Am Freitag durften die Betroffenen kurz in die zweistöckige Wohnhausanlage zurück, um zu retten, was noch zu retten ist. „Die Wohnung schaut grauenhaft aus. Ich war drinnen, um ein paar Sachen zu holen. Alle Fenster waren weg, alles zerrissen, alles verrußt und verbrannt, schlimm“, erzählt etwa Gertraud Siska.
„Der zweite Stock ist unbewohnbar, der erste Sock voll mit Löschwasser und im Erdgeschoss sammelt sich auch Wasser. Es ist unbewohnbar. Der Dachstuhl ist überhaupt nicht mehr sichtbar“, ergänzt Taylan Sönmez. Mit einem Sachverständigen muss nun geklärt werden, ob das Gebäude saniert oder abgerissen werden soll.
Zigarettenreste als Brandursache
Nachglühende Tabakreste sollen den Brand in der Wohnhausanlage ausgelöst haben. Als wahrscheinlichste Ursache wurde laut Polizeiangaben erhoben, dass eine Zigarette in einem Blumentopf auf einem Balkon nicht vollständig ausgedämpft worden sei. Der Schaden dürfte in die Millionen gehen. Der mutmaßliche Verursacher wird nach Abschluss der Erhebungen der Staatsanwaltschaft St. Pölten angezeigt.
Der Brand war am Donnerstag gegen 13.45 Uhr ausgebrochen. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte schlugen die Flammen bereits meterhoch aus dem Dach. „Das Feuer breitete sich rasend schnell aus, Rauchwolken waren in der ganzen Region zu sehen“, berichtete das Bezirkskommando.
40 Personen in Sicherheit gebracht
Wegen der starken Rauchentwicklung mussten die rund 40 Bewohnerinnen und Bewohner, die zu diesem Zeitpunkt zu Hause waren, und mehrere Tiere in Sicherheit gebracht werden. Sie wurden vom Roten Kreuz samt Kriseninterventionsteam in der Festhalle versorgt. Eine leichtverletzte Person wurde ins Krankenhaus gebracht.