Für Voodoo Jürgens schließt sich bei der Ausstellung in der Tullner Kunstwerkstatt gewissermaßen der Kreis: Hier hatte sein musikalischer Weg begonnen, als der junge Musiker mit seiner ersten Band einen Proberaum gefunden hatte. Jahrzehnte später kehrt er zurück – als mehrfach preisgekrönter Musiker. Anstatt zu musizieren, stellt er in seinem einstigen Proberaum diesmal allerdings Bilder aus.
Die Vernissage zeigt neben Voodoo Jürgens’ prägnanten Bildern gesellschaftlicher Randfiguren auch Skulpturen seines Jugendfreundes Georg Holzmann, gelernter Instrumentenbauer und mittlerweile Bildhauer. Beide Künstler stammen aus Tulln und verbinden mit der Stadt unzählige gemeinsame Erinnerungen – positive wie negative. Doch sie hätten sich mit der Stadt, die sie beide als junge Männer verlassen haben, wieder versöhnt, wie sie im Gespräch mit noe.ORF.at feststellen.
Voodoo Jürgens: „Ich bin nicht extrovertiert“
Beide sind feinfühlige und überlegte Menschen, beobachten ihre Umgebung genau, machen sich Gedanken und denken laut nach, wenn sie gemeinsam zusammensitzen. Nichtsdestotrotz oder vielleicht auch gerade deswegen ist bei der Vorbereitung der Ausstellung Halligalli angesagt – und so lautet auch der Ausstellungstitel.
„Ich habe das Gefühl, dass ich ein bisschen introvertierter bin, aber habe trotzdem den Drang nach außen zu gehen, während du als Künstler extrovertiert zu sein scheinst, weil du auf der Bühne stehst, aber in Wirklichkeit hältst du dich dann raus“, sagt Georg „Gocki“ Holzmann in Richtung seines Freundes. Voodoo Jürgens pflichtet ihm bei: „Ich bin nicht extrovertiert, auch wenn Menschen das vielleicht annehmen. Den Begriff Rampensau zum Beispiel würde ich für mich selbst nicht verwenden.“
Weg aus der Provinz in die Großstadt
„Von dort ist er her, von dort ist er davongelaufen, wo die Leute hinterrücks reden und jeder jeden kennt“ – so fasst Voodoo Jürgens seine Zeit in Tulln in einem Lied zusammen, das er seiner einstigen Heimat gewidmet hat. Ein schmerzhaft ehrliches Lied über eine Kindheit und Jugend mit Schattenseiten, die Spuren hinterlassen haben. Es erzählt von der Inhaftierung seines Vaters, einer weinenden Mutter, Mobbing, ersten Drogenerfahrungen.
„Für mich war immer klar, dass ich nach Wien gehen werde“, sagt Voodoo Jürgens, der mittlerweile aber wieder gerne nach Tulln kommt. Er spricht davon, in den vergangenen Jahren „altersmilde“ geworden zu sein – auch gegenüber seiner Heimat. Dass er jetzt mit seinem einstigen Jugendfreund „Gocki“, den er zwischenzeitlich für einige Jahre aus den Augen verloren hatte, eine gemeinsame Ausstellung in Tulln hat, „ist noch einmal etwas anderes für mich als für ein Konzert auf die Donaubühne zurückzukommen“.
Fotostrecke mit 4 Bildern
Die gesamte Stadt sei behaftet mit gemeinsamen Geschichten, „und insofern ist es positiv besetzt“, so Voodoo Jürgens. Holzmann zufolge seien beide „mit Tulln verortet – für sehr lange, vermutlich für immer, wir wollten weg von hier, aber wir haben unseren Frieden gefunden mit der Heimatstadt. Wir können mittlerweile sagen, dass wir hier waren, ohne uns dabei deppert vorzukommen.“
Fahne mit besonderer Botschaft
Um dieses Gefühl zu untermauern, sich wieder zum Ort der Jugend und Prägung zu bekennen, setzten Voodoo Jürgens und Holzmann kurz vor der Eröffnung der Ausstellung noch ein gemeinsames Zeichen und hissten vor der Kunstwerkstatt an der Tullner Donaulände eine Fahne mit dem Schriftzug „ICH WAR HIER“ – eine Beschreibung der gemeinsamen Vergangenheit, gesetzt allerdings nicht mehr als Jugendliche auf der Flucht, sondern als zurückgekehrte „altersweise“ Künstler.
Zu sehen ist die Ausstellung „1. Tullner Mal und Bastel Halli Galli“ auf Anfrage bis zum Konzert von Voodoo Jürgens am 14. August auf der Donaubühne in Tulln.